Waldkraiburg – Dass sie rührig und sehr einfallsreich ist, hat Gabriele Röpke, die Vorsitzende des Kunstvereins Inn-Salzach, immer wieder in zahlreichen Ausstellungen bewiesen. Doch dieses Mal überraschte sie nicht nur ihre Künstlerinnen und Künstler und die zahlreichen Gäste: Sie alle wurden zunächst in das Foyer im Haus der Kultur gebeten, wo an zwei Poledance-Stangen vier junge Damen des TSC Weiß Blau Waldkraiburg begannen, bei flotter Musik ihre akrobatischen Künste zu zeigen, begleitet vom begeisterten Beifall der Zuschauer.
„Mir fehlen ganz einfach die Worte bei diesem Können“, meinte bewundernd Kulturreferentin Lydia Partsch in ihrer Begrüßung, „das sind jugendliche Körperformen in einem atemberaubenden Format, also „Körper:Formate“ und somit genau das, was diese Ausstellung bieten soll.“ Hier hakte sofort Gabriele Röpke ein mit ihren Einblicken in das Thema: „Körper – Der Mensch hat Haut, Muskeln, wie es in Aktdarstellungen und Porträts zum Ausdruck kommt, und das Format wird schon in der Antike idealisiert, ebenso auch in Leonardo da Vincis „Vitruvianischem Menschen“. Der Körper wird zur Weltformel. Im 20. Jahrhundert wiederum zerlegt ihn Picasso in Flächen und bei Egon Schiele wird er ein fragiles Gefäß.“ Über lange Zeit stand das Frauenbild als Venus, Mutter und Muse im Zentrum, ab 1900 auch als Leidende, Arbeitende wie bei Käthe Kollwitz.
Der männliche Körper hingegen sei vom antiken Herkules bis zum sozialen Arbeiter stark und unerschütterlich, jedoch oft auch realistisch dargestellt mit dickem Bauch oder einer Behinderung. Auch im Selbstporträt, zum Beispiel bei Frida Kahlo, wird Verletzlichkeit deutlich. Neue Formen und Themen sind dazugekommen wie die Fotografie.
Die Formate wiederum seien der Rahmen, in dem ein Körper erscheint, auf Leinwand, als Skulptur oder auch als Foto. So wird es beispielsweise auch im Familienalbum festgehalten. „Die Ausstellung zeigt ein Nebeneinander der vielfältigen Betrachtungen unserer 27 Künstlerinnen und Künstler in ihren 45 Werken. Oft muss man in einem Gemälde den Körper regelrecht suchen, dann wieder wird er detailgetreu dargestellt und somit fassbar“, so Röpke. So manches Format bestehe aus massivem Holz oder Stein, ein anderes zart aus Papier. So gebe es eben ‚zerlegte Körper‘ wie auch grafische Darstellungen.
Bei anregenden Gesprächen war zu liebevoll zubereiteten Häppchen und einem guten Schluck so mancher Eindruck von den ausgestellten Werken hörbar, wie bei einer Besucherin, die meinte: „Und auch der Humor kommt keineswegs zu kurz wie auf dem Aquarell mit einem recht beleibten älteren Herrn, der sinnend eine üppige Buddah- Statue betrachtet oder beim nackten Skifahrer hoch oben im Gebirge.“
Die Ausstellung „Körper:Formate“ ist noch bis Sonntag, 26. Oktober, im Haus der Kultur von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist freifis