Auf dem Weg zum Jubiläum: 600 Jahre Marien-Wallfahrt Pürten
Stadtarchivar Konrad Kern hielt einen interessanten Vortrag über das Thema „Das Pfarrarchiv Pürten – eine Schatztruhe der Ortsgeschichte“.
Festgottesdienst mit Robert Hintereder – Interessanter Vortrag von Stadtarchivar Konrad Kern zum Pfarrarchiv Pürten
Pürten – Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Pürten feiert im Jahr 2027 ein großes Jubiläum: Pürten war bereits vor 600 Jahren ein Wallfahrtsort. Auf dem Weg zu diesem Festjahr sind immer wieder Veranstaltungen geplant, die Pater Jacek Styrczula in seiner hiesigen Seelsorgezeit gut ausgearbeitet hat. Den Ausführungen des Geistlichen zufolge wurde die „Schöne Madonna zu Pürten“, die in der Gnadenkapelle aufgestellt ist, höchstwahrscheinlich im Jahr 1427 geschnitzt.
Nun fand in der Pfarrkirche ein Festgottesdienst statt, den Robert Hintereder, Fachbereichsleiter Tourismusseelsorge der Erzdiözese München/Freising, zelebriert hat. Schon zum feierlichen Einzug mit den Ministranten wie auch beim Gottesdienst ertönten eindrucksvoll die Instrumente Orgel und Trompete. „Schee, dass wir do san“, begann der Zelebrant seine Ansprache. „Diese Wallfahrtskirche bedeutet auch ‚unterwegs sein‘ – hier in den heiligen Mauern. Hier können wir um Kraft bitten und für alles, was uns aufgegeben ist. An diesem besonderen Ort danken wir für dieses von Freude geprägte Leben. Die Kirche ist ein Kraftort – kein Perfektionshaus – auch nicht nach 600 Jahren. Kirche ist nicht nur Stein und Holz – sie ist Herz und Hoffnung“, stellte Robert Hintereder heraus, der hier in Pürten schon Ministrant war.
Anschließend hielt Stadtarchivar Konrad Kern im Pfarrhof einen interessanten Vortrag mit dem Thema „Das Pfarrarchiv Pürten – eine Schatztruhe der Ortsgeschichte“, zu dem Wolfgang Hintereder die Besucher begrüßte.
„Pfarrarchive sind wichtige Quellen nicht nur für die Pfarrei, sondern auch für die Ortsgeschichte im Allgemeinen, da bis 1918 die örtlichen Pfarrer auch viele weltliche Aufgaben zu erledigen hatten, wie etwa Schulwesen, Gesundheitspflege, Armenpflege und vieles mehr“, erläuterte Konrad Kern. Er hatte damals 1992 zur Archivierung des Pfarrarchivs im Pfarrhaus Pürten an 25 Tagen 203 Arbeitsstunden aufgewendet und bezeichnete dies als eine unvergesslich spannende, reizvolle und bereichernde Tätigkeit. „Mit der Anlage eines 47-seitigen Findbuchs erfolgte 2008 die Überführung von 62 vollen Archivschachteln – ein schöner, wertvoller Bestand – ins Stadtarchiv“. Aus der Fülle der Dokumente entnahm der Archivar eine Auswahl von 40 besonderen Schriftstücken, die er den Zuhörern erklärte. Passend zum bevorstehenden Jubiläum war ein Druckwerk aus dem 18. Jahrhundert, das „Gebet zur Madonna von Pürten“. Aus einem 1917 gesandten Brief vom Wittelsbacher-Prinz Alfons von Bayern ging das Interesse an einer wissenschaftlichen Nachgrabung der „seligen Alta“ hervor. Die Pfarrchronik von Johann Korber, der von 1932 bis 1939 Seelsorger in Pürten war, bescheinigte den „Besuch Seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinals von Faulhaber in Pürten am 28. Juni 1935“, wo dieser mit Glockengeläut empfangen wurde. „Ich wünschte, dass unsere Diözese viele solch herrliche Kirchen hat!“, ließ der Kardinal damals hören. Interessant war auch die Beschreibung des Pfarrhauses aus einem Buch von 1794 von Pfarrvikar Alois Sedlmayr, der von 1794 bis 1804 in Pürten wirkte. Dieser dokumentierte auch, dass im Dezember 1800 die Wallfahrtskirche und das Pfarrhaus in Pürten von den Franzosen ausgeplündert wurden. In einem „Verkündbuch der Pfarrei“ waren von 1940 bis 1947 wichtige Randbemerkungen zu lesen, wie unzählige Alarme, Tiefflieger schossen auf Dächer, Schießerei in der Schlüpf oder das Sprengen aller Brücken am 2. Mai 1945 um 9 Uhr. Neben der Kapitalien-Liste der Pürtener St.-Josef-Bruderschaft, dem Kassenbuch des Burschenvereins oder der Rechnung über zwei neue Glocken für die Filialkirche St. Erasmus wusste der Archivar den Zuhörern noch vieles mehr interessant zu vermitteln.
Robert Hintereder, Fachbereichsleiter Tourismusseelsorge der Erzdiözese München/Freising, zelebrierte den Festgottesdienst. Fotos bachmaier