Mühldorf – Im ersten Halbjahr gab es im Landkreis Mühldorf rund 87100 Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Rosenheim-Oberbayern beruft sich dabei auf aktuelle Tourismus-Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik. Damit hat es im Landkreis Mühldorf in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 2,5 Prozent weniger Übernachtungen gegeben als im ersten Halbjahr 2023. Bayernweit nahmen die Übernachtungen hingegen um 0,8 Prozent zu, so die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung. „Hotels, Pensionen, Restaurants, Gaststätten, Cafés & Co. im Kreis Mühldorf sollten gezielt auf Stammpersonal setzen. Vor allem auch auf den Nachwuchs: Die Branche braucht mehr Auszubildende“, so Manuel Halbmeier von der NGG Rosenheim-Oberbayern. In den Küchen und im Service fehle Personal. Viele Gastro-Betriebe hätten ihre Öffnungszeiten stark gekürzt. Der Grund dafür sei Personalmangel. Während der Corona-Pandemie hätten viele Vollzeitkräfte dem Gastgewerbe dauerhaft den Rücken gekehrt. Ein wichtiger Punkt dabei sei auch die Bezahlung. Viele Gastwirte und Restaurantchefs machten einen Bogen um den Tariflohn, der in Bayern für einen Koch oder eine Kellnerin mit Ausbildung schon beim Start in den Job bei aktuell 17,85 Euro pro Stunde liege. Die unterste Lohnkante in der Gastronomie sei oft der gesetzliche Mindestlohn von aktuell nur 12,82 Euro pro Stunde. Hinzu kämen die „Open-End-Arbeitszeiten“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband mache es den Hotels, Restaurants und Gasthöfen leicht, den Tariflohn zu umgehen: Der DEHOGA Bayern vereinbare zwar mit der Gewerkschaft NGG Tariflöhne, signalisiere den Gastro-Arbeitgebern aber, dass sie sich nicht unbedingt daran halten müssten. Restaurants in Bayern könnten eine „Sonder-Mitgliedschaft“ im DEHOGA haben – ohne Tarifbindung. Die NGG Rosenheim-Oberbayern warnt vor einem „gefährlichen Trend“: immer mehr Aushilfs- und immer weniger Fachkräfte. Die Gastro-Branche müsse dringend etwas gegen „Frust-Dienstpläne“ unternehmen: Genug Personal einstellen, um superlange Schichten und zu viele Wochenendeinsätze zu vermeiden. Die Gastronomie bekomme bald ein „Steuergeschenk“ aus Berlin: Wenn im Januar die Gastro-Steuer von 19 auf sieben Prozent sinkt, könnten Gasthöfe, Restaurants, Hotels & Co. im Kreis Mühldorf mehr Beschäftigte einstellen und mit einem ordentlichen Tariflohn bezahlen. Bundesweit gehe es um geschätzte 3,6 Milliarden Euro pro Jahr.