München/Mühldorf – „Aufgrund einer unspezifischen Sprengstoffdrohung im Zusammenhang mit dem Einsatz im Münchener Norden wird das Festgelände auf der Theresienwiese vorerst bis 17 Uhr nicht geöffnet.“ So lautete am gestrigen Mittwoch um 11.45 Uhr eine KATWARN-Meldung. Betroffen waren auch ein Fierant sowie Musiker aus dem Landkreis Mühldorf. Sie sollten eigentlich auf dem größten Volksfest der Welt spielen.
Rudi Stey (61) ist mit seiner Süßwaren-Tram „Linie 8“ nicht nur jedes Jahr auf dem Waldkraiburger Volksfest, sondern auch auf dem Oktoberfest vertreten. Er hat keine Angst. „Nicht im Geringsten.“ Aus seiner Sicht sei eine echte Bedrohung „äußerst unwahrscheinlich“, sagt er am frühen Nachmittag. Die Sperrung bis 17 Uhr sei eine „reine Vorsichtsmaßnahme. Das ist auch richtig so.“ Sicherheit habe Priorität. In der Zwischenzeit mussten er und seine Kollegen das Festgelände verlassen, während die Polizei mit einem Großaufgebot und Hunden jede Gasse, jeden Winkel absuchte.
Markus Mayer hätte mit Alois Altmann und seinen Isarspatzen im Hofbräufestzelt einen Auftritt gehabt: „Wir hätten um 12 Uhr beginnen sollen; als wir um zehn ankamen, war schon alles gesperrt.“ Der Tuba-Spieler nimmt es gelassen: „Ich habe nicht im Geringsten ein bedrohliches Gefühl. Ich mache mir keine großen Gedanken.“ Er sitzt mit seinen Kollegen in der Nähe beim Wirt. „Wir sollen uns in Bereitschaft halten.“ Entsprechend gelassen wartet er das Weitere ab. Wenn um 17 Uhr wieder geöffnet wird, „dann spielen wir“.
Martin Stadler ist mittags schon wieder auf dem Weg nach Hause. Seine Musikatzen hätten ab 11 Uhr im Marstallzelt spielen sollen. Die letzten Stunden hat er zusammen mit anderen Musikern und einer Halben Weißbier im Wirthaus Schwanthaler Höhe verbracht. „Was willst du anderes machen?“, fragt er. Seine Band hätte bis 14 Uhr gespielt, jetzt heißt es abwarten, wie es am nächsten Tag weiter geht. Das gilt auch für die Frage nach dem Honorar für den abgesagten Auftritt: „Das kommt schon noch auf“, sagt er und hofft, dass das Geld trotzdem fließt. „Wir können ja nichts dafür.“
Sepp Eibelsgruber ist ein paar Kilometer weiter im Hofbräukeller zu erreichen. „Das ist das Basislager aller Bediensteten des Hofbräuzeltes“, sagt er, also auch der Musiker seiner Kapelle. Die ist die Hausband im Zelt. „Ich bin jetzt seit 35 Jahren auf dem Oktoberfest, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Musizieren können die heimischen Blasmusiker im Hofbräukeller aber nicht: „Unsere Instrumente sind alle im Zelt eingesperrt. Wir könnten höchstens singen.“ Danach sei aber keinem zumute. „Leichte Anspannung ist schon da“, sagt Eibelsgruber, „Angst habe ich aber keine.“ Da helfe ihm sein Glauben: „Gott ist mein Hirte, das habe ich schon von meinen Eltern gelernt.“
„Die polizeilichen Maßnahmen auf der Theresienwiese sind abgeschlossen. Die Gefahrensituation hat sich nicht bestätigt“, teilte die Stadt München dann am Mittwochnachmittag um 15.33 Uhr auf Instagram mit: „Das Oktoberfest öffnet um 17.30 Uhr.“ Jörg Eschenfelder/Markus Honervogt