Grundschüler in Gefahr?
Viele Kinder der Grundschule in Mößling fahren mit dem Schulbus. Dessen Route ist auch von den Sperrungen der beiden Bahnübergänge in Mühldorf Nord betroffen. Foto Christa Latta
Vorwurf von Eltern: Schulbus kommt zu spät oder fährt gar nicht
Mühldorf – Wegen Problemen bei der Schülerbeförderung hat sich eine Mühldorfer Mutter bei der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen gemeldet. „Ich möchte auf ein gravierendes Problem aufmerksam machen, das seit Monaten den Schulbusverkehr in Mühldorf betrifft und zahlreiche Grundschulkinder gefährdet“, leitet sie ihr Anliegen ein.
Schulbus ist verspätet,
die Eltern sind ratlos
Laut ihren Angaben besucht ihr Kind die Grundschule in Mößling und fährt jeden Tag mit dem Schulbus dorthin und wieder zurück. Empört berichtet die Mutter, die namentlich nicht genannt werden will, von einem Vorfall am 23. September: „Am heutigen Tag traf der Schulbus der Grundschule Mößling erst 30 Minuten verspätet ein. Wir Eltern wussten nicht, ob der Bus überhaupt kommt oder wo unsere Kinder bleiben!“ An einem Tag im Juli sei der Bus überhaupt nicht erschienen.
Als Grund für die Verspätung im September sei eine Baustellen-Umleitung angegeben worden. „Bei absehbaren Behinderungen muss schlicht früher losgefahren oder die Schule rechtzeitig informiert werden“, mahnt die Mutter. Stattdessen würden die Grundschulkinder allein gelassen. Ein Zustand, der ihrer Ansicht nach sowohl gegen die Beförderungspflicht als auch gegen die Verkehrssicherungspflicht verstoße.
„Für uns Eltern ist diese Situation untragbar. Es geht hier nicht um ein ,kleines Ärgernis‘, sondern um die Sicherheit von Kindern. Muss wirklich erst etwas passieren, bevor gehandelt wird?“ fragt sie. Und erhebt einen Vorwurf gegen die Stadt Mühldorf, die für die Beförderung der Grundschüler zuständig ist: „Hier wird verantwortungslos mit der Sicherheit von Grundschulkindern umgegangen!“
Lange Umwege
durch Sperrungen
Die OVB-Heimatzeitungen haben die Stadtverwaltung um eine Stellungnahme zu den harschen Vorwürfen gebeten. „Aktuell sind die Äußere Neumarkter Straße sowie die Frixinger Straße gesperrt, die Eltern wurden über die Sperrung und mögliche Verzögerungen der Busse im Vorfeld informiert – und zwar in einem Elternbrief mit Datum vom 19. September“, teilt Stadtsprecher Werner Kurzlechner dazu mit.
Von 22. September bis 7. November saniert die Deutsche Bahn die beiden Bahnübergänge in der Frixinger Straße sowie in der Äußeren Neumarkter Straße. Deshalb sind diese Übergänge und Straßen für den Durchgangsverkehr und damit auch Schulbusse gesperrt. Bereits Ende August hatte das Landratsamt Mühldorf diese Maßnahmen angekündigt.
Der Bus fahre ab der Grundschule Mößling mittags drei Touren und muss dabei die zwei gesperrten Bahnübergänge umfahren, was zu Verzögerungen führe. Zusätzlich sei es an diesem Tag im September zu folgender Schwierigkeit gekommen, so Kurzlechner: „An den ersten Tagen wird mit den Kindern das Aussteigen an der richtigen Haltestelle geübt. Der besagte 23. September war der erste Tag, an dem die Kinder selbstständig aussteigen sollten. Ein Erstklässler verpasste leider in der zweiten Tour um 12.20 Uhr seine Haltestelle an der Grünewaldstraße.“
Kind steigt an falscher
Haltestelle aus
Der Busfahrer habe verantwortungsvoll gehandelt und habe die Haltestelle des Kindes nochmals angefahren. „So konnte das weinende Kind an der richtigen Haltestelle aussteigen, wo es von seiner Mutter in Empfang genommen werden konnte. Das kostete zusätzliche Zeit, war aber die richtige Entscheidung.“ Alternativ hätte das Kind die komplette Tour über Erharting und Frixing mitfahren müssen und wäre erst mit der dritten Tour um 13.25 Uhr wieder an der richtigen Haltestelle gewesen.
Gegen Verzögerungen durch die weitläufigen Umleitungen seien Rathaus und Busunternehmen machtlos, sie könnten die Meldung der Sperrung nur weitergeben. Es sei auch keine einzige Beschwerde von Eltern im Rathaus eingegangen. „Außer informieren können wir in diesem Fall nichts machen“, teilt das Rathaus mit.
„Wir haben bereits im Vorfeld für die Zeit der Sperrung der Äußeren Neumarkter Straße eine Zusatzhaltestelle an der Mößlinger Straße eingerichtet. Diese Information wurde am 19. September an die Schulen verschickt – samt Elternbrief und Informationsschreiben zur neuen Haltestelle. Dabei haben wir auch auf mögliche Verzögerungen hingewiesen. Die Schulleitung hat am 23. September nochmals eine Information mit Fahrplan an die Eltern verschickt und auch hier auf mögliche Verzögerungen aufmerksam gemacht.“
„Sicherheit zu keinem
Zeitpunkt gefährdet“
Zu dem von der Mutter geäußerten Vorwurf, dass „verantwortungslos mit der Sicherheit von Grundschulkindern umgegangen wird“, schreibt der Sprecher: „Diesen Vorwurf weisen wir mit allem Nachdruck und mit Empörung zurück! Unser Augenmerk liegt immer auf der Sicherheit der Kinder. Deshalb bieten wir auch eine umfangreiche Schülerbeförderung an. Bei vorhersehbaren Ereignissen wie der aktuellen Sperrung handeln und informieren wir vorausschauend und umsichtig. Die Sicherheit war zu keinem Zeitpunkt gefährdet! Es handelte sich lediglich um eine Verspätung des Busses aus oben genannten Gründen. An der Einstiegsstelle an der Grundschule sorgt eine Aufsicht für die Sicherheit der Kinder.“
Bürgermeister
bittet um Verständnis
Auch Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl bezieht Stellung: „Ich bedaure es sehr, dass es im Zusammenhang mit der aktuellen Sperrung in Mößling zu Verspätungen gekommen ist und auch künftig kommen kann. Als Vater verstehe ich die Sorgen der Eltern in solchen Fällen sehr gut. Unsere Verwaltung hat im Vorfeld die richtigen Maßnahmen ergriffen und frühzeitig über die Situation informiert. Leider können wir – und kann ich – nicht jede Schulbusverspätung verhindern. Das gilt auch für den Fall technischer Defekte. Ich bitte um Verständnis, dass solche Dinge passieren können und aus dem Rathaus leider nicht jedes Ärgernis im Stadtraum verhindert werden kann.“