„Ich habe noch nicht vor zu gehen“
Angela Dittler und ihr Mann „Domi“ bei der Geburt von Sohn Viktor. Das junge Glück ist getrübt von einer schrecklichen Krebsdiagnose. Foto privat
Dreifach-Mama aus Töging überlebt Not-OP und erhält erschütternde Diagnose
Töging – Die Diagnose traf sie aus heiterem Himmel. Bei einem Ultraschalltermin in Traunstein entdeckte der Arzt bei der Tögingerin Angela Dittler eine Zyste an der Gebärmutter. Ein bösartiger Tumor war der Ursprung ihrer starken Unterleibsschmerzen, wie sich schließlich herausstellen sollte.
„Ich war gerade in der 27. Woche schwanger, musste fünf Wochen im Krankenhaus verbringen“, berichtet die Tögingerin, die schließlich sogar Opiate gegen die Schmerzen einnehmen musste. Die Ärzte haben daraufhin entschieden, das Kind in der 32. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zu holen. Das geschah am 24. Oktober 2024. „Meinem 30. Geburtstag!“, so Angela Dittler.
Sohn Viktor kam
als Frühchen zur Welt
1800 Gramm wog Viktor bei der Geburt, ein Frühchen. Während ihr Baby auf der Intensivstation um sein Leben kämpfte, hing auch Angis Leben am seidenen Faden. Denn während des Kaiserschnitts war die Zyste geplatzt, die Blutung hörte nicht auf. „Sechs Liter Blut habe ich verloren.“ In einer Not-OP entfernten die Ärzte ihre Gebärmutter, um ihr Leben zu retten. Zwei Tage lag sie im Koma. Erst dann konnte sie ihren kleinen Viktor zum ersten Mal im Arm halten.
„Wir dachten, das Schlimmste wäre überstanden. Doch es kam noch schlimmer“, erzählt die 30-Jährige. Denn die vermeintliche Zyste war in Wahrheit ein aggressiver Tumor. Ein sogenanntes Ewing-Sarkom. Dadurch, dass die Zyste bei dem Eingriff geplatzt war, verteilten sich offenbar die Krebszellen im Körper. Die niederschmetternde Diagnose folgte nach schier endlosen Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten: Knochenkrebs im Endstadium. Ihr Sohn Viktor war zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein halbes Jahr alt.
Mittlerweile sind Angela Dittlers Leber, die Bauchspeicheldrüse und weitere Organe von Metastasen befallen. „Inzwischen hat man einen weiteren Tumor am Steißbein entdeckt. Doch eine Operation ist zum derzeitigen Stand nicht möglich, nur eine Chemotherapie ist zurzeit möglich. Sie schenkt mir gerade Zeit.“ Wenn Angela Dittler das erzählt, dann macht sie das ruhig, gefasst. Von der Krankheit gezeichnet, und dennoch mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. „Denn gerade habe ich keine Schmerzen. Mir geht es relativ gut“, sie strahlt eine bemerkenswerte Zuversicht aus.
Mit der Chemotherapie sei tatsächlich ein Stück Lebensqualität zurückgekehrt, berichtet sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Anfang des Jahres seien die Schmerzen unerträglich gewesen. „Ich habe nicht mehr richtig sitzen können, habe viel geschlafen.“ Klar habe sie nun mit typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie zurechtzukommen. Übelkeit, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Aber sie nimmt das in Kauf, wenn sie nur aktive Zeit mit ihrer Familie, ihren Kindern verbringen kann.
Alle zwei Wochen muss sie zur Chemo. Vier bis sechs Tage muss sie dafür jedes Mal im Krankenhaus verbringen. Ihr Mann Dominik kümmert sich dann um die Kinder zu Hause: Die achtjährige Izelda, die schon in die Grundschule geht, die sechsjährige Mina, die den Kindergarten besucht. Und natürlich das Nesthäkchen, der kleine Viktor. Und der hält den Papa ganz schön auf Trab mit seinen fast zwölf Monaten.
„Unsere Angi, die immer voller Leben war, kämpft jetzt Tag für Tag. Ihre drei Kinder brauchen ihre Mama so sehr. Die Kleinen spüren, dass nichts mehr so ist wie früher. Und Angi zerreißt es das Herz, nicht für sie da sein zu können, wie sie es möchte“, sagt ihre Schwester Debora, die sich selbst gerade in Elternzeit befindet und Angela Dittler hilft, wo sie nur kann. Die Schwiegermutter steht bereit. Und auch Angis Mann „Domi“ versucht alles, um dem Alltag eine gewisse Normalität zu verleihen.
Vollzeitjob bei der Südostbayernbahn, Nebenjob im Gasthof, ehrenamtlich bei der Feuerwehr – und trotzdem immer an Angis Seite. Aber oft musste er bereits unbezahlten Urlaub nehmen, um seine Frau zu den Behandlungen nach München zu begleiten oder für die Kinder da zu sein. Finanziell ist das für die junge Familie kaum noch zu stemmen. Jede Fahrt, jedes Medikament, jeder Verdienstausfall wird zur zusätzlichen Last – obwohl sie doch eigentlich nur Kraft für den Kampf gegen den Krebs bräuchten. Immerhin kann sich der Familienvater auf die Loyalität seines Arbeitgebers verlassen: „Die sind da sehr kulant.“
„Wir haben als junge Familie natürlich auch Verbindlichkeiten, Kredite zu bedienen“, erklärt Angela Dittler. Dazu die teuren Medikamente, um das ohnehin geplagte Immunsystem zu stärken. Besonders jetzt, wenn die Herbstzeit mit nasskaltem Wetter naht. „Bei einer Vitamin-C-Infusion bist du gleich mal bei knappen 100 Euro“, berichtet Dittler.
Nicht in
Mitleid versinken
„Jeder Euro bedeutet ein Stück Erleichterung“, bittet daher Debora Runschke um Spenden, „für die Behandlungen, für die Fahrtkosten, für das tägliche Leben.“
Vor allem aber: für mehr gemeinsame Zeit, die nicht von Sorgen überschattet ist. Ihre Schwester Angi soll nicht um alles kämpfen, sagt sie, „nicht um Geld, nicht um Rechnungen, sondern nur um das Wichtigste: ihr Leben und die Zeit mit ihren Kindern!“
Denn in Selbstmitleid will sie nicht versinken, versichert Angi. „Ich will das machen, was Spaß macht. Vor allem zusammen mit den Kindern, in der Familie. Solange es geht. Ich will positiv bleiben. Denn ich habe noch nicht vor zu gehen!“