Waldkraiburg – Mit dem Fahrrad kommt sie zum Interview-Termin. Hier kennt sie sich aus, in Waldkraiburg ist sie aufgewachsen: Bestseller-Autorin Margit Auer. Mit „Die Schule der magischen Tiere“ hat sie für Kinder eine ganz neue Welt geschaffen. Jetzt läuft der vierte Teil im Kino an; am Samstag, 4. Oktober, ist sie bei der Vorstellung im Cineplex Waldkraiburg zu Gast. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen spricht sie über ihre Anfänge als Schriftstellerin, Tiere als Lebenscoach und darüber, wie es in ihrer erfolgreichen Reihe weitergehen soll.
2013 ist der erste Teil von „Die Schule der magischen Tiere“ erschienen, heute zählt die Reihe bereits 16 Bände. Sie haben ein enormes Tempo vorgelegt.
Neben der Hauptreihe gibt es noch die „Endlich Ferien“-Reihe oder „Die Schule der magischen Tiere ermittelt“ – insgesamt habe ich mehr als 40 Bücher geschrieben. Ein großes Pensum, aber die Begeisterung der Kinder treibt mich an. Sie wollen unbedingt wissen, wie es weiter geht – das gibt mir Rückenwind. Druck verspüre ich dabei nicht, nur das Drumherum wie Termine, Merchandising oder Einladungen ist manchmal anstrengend. Wenn ich schreiben will, blocke ich mir bewusst Zeit, alles andere muss warten.
Ihre Bücher haben eine Gesamtauflage von rund zehn Millionen und wurden in 25 Sprachen übersetzt. Hätten Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?
Nein, gar nicht. Mein Wunsch war es, dass ich weiterschreiben darf. Ich wollte Schriftstellerin werden. An einen solchen Erfolg denkt man nicht. Besonders schön ist für mich der direkte Kontakt zu den Kindern – bei den Lesungen kriege ich schnell einen direkten Draht zu ihnen und merke, dass ich noch immer ihre Themen und Ton treffe. Viele haben mit meinen Büchern das Lesen gelernt, das ist toll.
Sie waren lange Journalistin, haben aber wegen ihrer Kinder aufgehört. Vermissen Sie diese Zeit?
Als Lokaljournalistin habe ich lange Zeit erlebt, wie viele spannende Geschichten direkt vor der Haustür liegen. Man muss nur die Augen aufmachen. Heute reizt mich der Journalismus manchmal wieder, am liebsten würde ich das Feuilleton aufmischen, mehr für die Leser schreiben und dazu beitragen, dass Kinderliteratur ernster genommen wird. Kinderbücher sind wertvolle Literatur, wird als solche aber unterschätzt und nicht ernst genommen. Für ein Kinderbuch wird es nie den Literatur-Nobelpreis geben.
Eine Katze und Ihr Sohn waren es, die Sie auf die Idee für „Die Schule der magischen Tiere“ brachten.
Es war ein Puzzleteil von vielen. Meine Kinder hatten eine tolle Lehrerin und gingen auch gerne zur Schule. In vielen Büchern wird Schule oft als nervig dargestellt, später habe ich erfahren, dass das eine bewusste Strategie der Verlage war. Aber das Bild der Schule hat sich geändert, und sie ist zu einem wichtigen Ort für Kinder geworden. Ich wollte ein positives Bild zeigen.
Wie wichtig ist Magie für Kinder?
Kinder tragen Magie in sich, die darf man nicht einengen, sondern muss sie zum Funkeln bringen. Ihre Fantasie darf man nicht bremsen, sondern muss sie pflegen und weiterspinnen.
Wie schwierig waren Ihre Anfänge als Schriftstellerin?
Es war nicht so einfach. Aber ich war schon weit gekommen, hatte das Gefühl, dass nicht mehr viel fehlte. Ich hatte bereits Absagen kassiert, hatte drei kleine Kinder und wollte gerne als Journalistin wieder arbeiten. Dann schrieb mein Mann einen Regio-Krimi und bekam sofort Interesse von Verlagen. Zu einem Gespräch nach Köln fuhr ich mit und konnte dort endlich jemandem meine Idee vorstellen. So bekam ich meinen ersten Vertrag für den Kinder-Krimi aus der Römerzeit „Verschwörung am Limes“. Zwei weitere Bücher folgten und alles wurde Schritt für Schritt professioneller. Auf der Buchmesse in Bologna bahnte sich dann schnell die Zusage für „Die Schule der magischen Tiere“ an.
Ihre Bücher thematisieren Freundschaft, Selbstvertrauen und das Anderssein. Was ist Ihnen besonders wichtig?
Den Kindern etwas mitzugeben. In meinen Büchern gibt es keine Bösewichte, aber Konflikte innerhalb der Klasse, die gelöst werden müssen. Viele Kinder erkennen sich in einem der Charaktere und fühlen sich dadurch verstanden. Über die Tiere lassen sich erzieherische Botschaften leichter und spielerisch transportieren. Die Tiere sind keine lustigen Tierchen, sondern Freund und Lebenscoach. Sie helfen, mit Sorgen umzugehen und zeigen, dass es bald wieder anders aussieht, wenn’s mal schiefläuft. Damit sollen die Kinder an Selbstvertrauen gewinnen.
Aktuell läuft der vierte Teil von „Die Schule der magischen Tiere“ im Kino. Passen Ihre Bilder im Kopf mit denen im Film überein?
Bei der Frage, wer welche Rolle bekommt, wollte ich mich nicht einmischen. Als ich bei den ersten Dreharbeiten dabei war, war ich geflasht. Die Schauspieler haben die Figuren zum Leben erweckt und die Welt wird so dargestellt, wie ich sie erfunden haben. Mich hatte nur verwirrt, dass für die Schule als Drehort ein Schloss gesucht worden ist. Denn in meiner Vorstellung ist die Winterstein-Schule eine ganz normale Grundschule.
Sie sind in Waldkraiburg aufgewachsen, sind hier auch zur Schule gegangen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Stadt?
Ich hatte eine coole Jugend in Waldkraiburg. Wir hatten das selbstverwaltete Jugendzentrum, das Schwimmbad und kannten uns untereinander alle sehr gut.
Ich blicke gerne auf die Zeit zurück. Das Waldkraiburger Gymnasium war damals noch Zweigstelle des Ruperti-Gymnasiums in Mühldorf, wodurch wir in der Oberstufe manchmal das Gefühl hatten, zweiter Klasse zu sein. Bei einem Klassentreffen hat mir aber ein Mitschüler erzählt, die Waldkraiburger seien eigentlich immer die Coolen gewesen.
Wie geht es mit „Die Schule der magischen Tiere“ weiter?
Ein Kind wartet noch auf sein Tier. Danach wäre ein guter Zeitpunkt für den Abschluss gekommen, aber es wird auf jeden Fall noch mehr als einen Band geben. Jede Reihe hat mal einen Hänger, bei „Die Schule der magischen Tiere“ gab es das nicht. Von Kindern kommt bei Lesungen gerne der Vorschlag, dass noch neue Kinder in die Klasse kommen könnten. Jeder freut sich auf die Rituale und die vertraute Welt, aber es gibt auch jedes Mal eine Überraschung. Das große Finale habe ich schon im Kopf, es wird ein schöner, warmherziger Abschluss.
Was planen Sie für die Zeit danach?
Mit „Die Schule der magischen Tiere“ ist mir ein wunderbares Werk gelungen. Wie es dann weitergeht, weiß ich bislang nicht. Im Moment ist es dafür noch zu stressig, sich Gedanken darüber zu machen. Aber ich bin von vielen kreativen Menschen umgeben und für viele Projekte habe ich grade noch keine Zeit. Ich bin selbst gespannt, was sich da noch ergibt!
Interview: Raphaela Lohmann