Ein Opfer der Baukrise
Ende einer Ära: Mühldorfs größtes Bauunternehmen Rigam Bau schließt nach fast 90 Jahren
Mühldorf – Am 31. Dezember ist Schluss. Dann sperrt Mühldorfs größtes Bauunternehmen – die Rupert Rigam GmbH & CO Bauunternehmung KG – nach fast 90 Jahren zu – endgültig. Das teilt Geschäftsführer Rupert Rigam dieser Tage seinen Geschäftspartnern schriftlich mit. „Nach reiflicher Überlegung und sorgfältiger Abwägung“ aller wirtschaftlichen und unternehmerischen Aspekte“ sei die Entscheidung „schweren Herzens“ gefallen.
Nach 87 Jahren und drei Generationen ist Schluss mit dem Familienunternehmen, das mit seinen Hoch- und Tiefbauten das Bild, Leben und Arbeiten im Landkreis und darüber hinaus mitgestaltet hat. „Nach nunmehr drei Jahren anhaltender struktureller Krise in der Bauwirtschaft sehe ich keine Perspektive, unser Familienunternehmen nach fast 90 Jahren Geschäftstätigkeit in der jetzigen Art und Weise mit zuverlässiger, qualitativ hochwertiger Arbeit und gut ausgebildeten Fachkräften, für die wir bekannt sind, verantwortungsbewusst und dauerhaft wirtschaftlich weiterzuführen“, erklärt Rupert Rigam gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Der Bau liege einfach am Boden.
1938 in Mühldorf
gegründet
1938 hatte sein Großvater das Unternehmen im Alter von 38 Jahren gegründet und nach Kriegsende zum Erfolg geführt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1986 arbeitete er im Betrieb mit.
Von 1965 bis 2013 leitete Rupert Georg Rigam das Unternehmen. Die Zeit war von immer größeren Bauten und immer vielfältigeren Aufgaben und Anforderungen geprägt. Ein Leuchtturm dieser Zeit: der Neubau der Volksbank Waldkraiburg 1980. 2013 übernahm Rupert Andreas Rigam das Unternehmen in der dritten Generation.
Seit der Gründung habe das Unternehmen „unzählige Bauprojekte für private sowie öffentliche Auftraggeber realisieren dürfen und dabei stets auf Qualität, Verlässlichkeit und nachhaltige Partnerschaften gesetzt“, schreibt Rigam. „Wir blicken mit Stolz auf die Entwicklung unseres Unternehmens und die vielen Bauvorhaben zurück.“
Diese haben sowohl im Hochbau wie auch im Tiefbau den Landkreis geprägt: bieten die Infrastruktur, ermöglichen Wohnen und Arbeiten.
Zu den Hochbau-Projekten, auf die Rigam auf seiner Homepage verweist, gehören beispielsweise der Neubau der Mittelschule mit Sporthalle in Mühldorf (2006/2007), das neue Kultur- und Bürgerhaus in Traunreut (2008/2009), der Neubau einer Produktionshalle und Büroerweiterung in Ampfing (2016/2017) oder die Generalsanierung und Umstrukturierung des Krankenhauses in Haag (2004/2005). Jüngste Projekte: die Erweiterungsbauten der Gymnasien Mühldorf und Waldkraiburg. Auch im Tiefbau war das Unternehmen aktiv, baute die Busparkplätze an der Mühldorfer Rennbahn (2015), erschloss zahlreiche Baugebiete: das Holzfeld in Mettenheim (2016/2017), Gründl West in Polling (2018), „Am Wiesengrund II“ in Aschau (2018/2019), Hausmanning in Zangberg (2017/2018) oder „Am Hang“ in Oberbergkirchen (2015/2016).
Selbstbestimmter
Ausgang gewählt
Die Liste der Referenzprojekte auf der Homepage ist schier überwältigend. Trotz dieser vielen, vielen Projekte: Die aktuellen Herausforderungen wurden jetzt zu groß. So groß, dass Rupert Rigam und die Familie nach reiflicher Überlegung jetzt den selbstbestimmten Ausgang wählten, wie er den OVB-Heimatzeitungen erklärt: „So schwer uns diese Entscheidung gefallen ist, wollten wir sie doch aus eigener Kraft und ohne externen Zwang treffen, damit wir auch das Ende unseres Geschäftsbetriebs eigenverantwortlich und nach unseren Vorstellungen gestalten können.“ Dazu gehört es auch, die Betriebsstilllegung „so sozialverträglich wie möglich abzuwickeln“, versichert Rigam seinen 48 Mitarbeitern.
„Vor diesem Hintergrund möchten wir uns nicht nur bei unseren ehemaligen und aktiven Mitarbeitern bedanken, sondern ebenso bei unseren loyalen Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten. Ohne sie alle hätte es unser Unternehmen überhaupt nicht geben können“, schreibt Rigam.
Auch wenn das Unternehmen zum 31. Dezember schließt, Rigam ist sich seiner Verantwortung bewusst, arbeitet mit Hochdruck an einem ordnungsgemäßen Ende: „Selbstverständlich werden alle finanziellen und rechtlichen Verpflichtungen allen Beteiligten gegenüber vollumfassend erfüllt und laufende Projekte ordnungsgemäß fertiggestellt.“ Jörg Eschenfelder