Von Töging nach Altötting

von Redaktion

CSU schickt Tögings Bürgermeister Tobias Windhorst ins Landrats-Rennen

Töging/Mehring – Der CSU-Kreisverband Altötting hat im Gasthof Schwarz seinen Landratskandidaten gewählt. Von den 130 stimmberechtigten Vertretern der Ortsverbände stimmten 126 für den einzigen Kandidaten: Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst. Bereits Mitte September hatte der Kreisvorstand einstimmig beschlossen, den Juristen, der seit 2008 die Kreistagsfraktion führt, ins Rennen zu schicken, da der seit 2000 amtierende Landrat Erwin Schneider nicht mehr zur Wahl steht.

Rückenwind vom
Kreisvorsitzenden

Das erste Wort des Abends ließ sich CSU-Generalsekretär Martin Huber nicht nehmen. Der Kreisvorsitzende erinnerte die Delegierten an eine Reihe kommunalpolitischer Erfolge der CSU, wies auf die personelle Stärke des Kreisverbandes hin und ließ per Akklamation den Wahlausschuss mit der neuen Geschäftsführerin des Wahlkreisbüros, Carolin Auer, als Leiterin bestimmen.

Huber stellte den Wunschkandidaten der Kreisvorstandschaft vor: „Die gute Entwicklung Tögings ist eine gute Visitenkarte.“ Huber kennt Windhorst seit JU-Zeiten und nicht zuletzt auch als Stadtrat von Töging. Durch seine Stationen als Rechtsreferent der CSU Landtagsfraktion von 2004 bis 2006 und anschließend als Richter am Landgericht Traunstein, wo er davor schon Staatsanwalt war, sei Windhorst „bestens vorbereitet, um als Landrat zu übernehmen“.

Der 51-jährige Windhorst begründete seine Motivation: „Nach zwölf wunderschönen Jahren als Bürgermeister von Töging suche ich trotzdem eine neue Herausforderung.“ Zwar lägen die Finanzen des Landkreises wegen der kriselnden Chemieindustrie im Argen, doch habe er es nach seiner Wahl 2014 in Töging auch geschafft, Schulden ab- und Rücklagen aufzubauen. Kompetent, konsequent und klar wolle er als „Kommunalpolitiker mit Leib und Seele“ den Landkreis vorwärtsbringen: „Wenn’s stürmt und schneit, reicht nett sein halt nicht mehr!“ Er könne gut auf Instagram-Videos verzichten und wolle lieber „weniger reden und mehr reißen“. Orientiert an den Bedürfnissen der Bürger, ohne diese zu belehren oder erziehen zu wollen.

Wasser- und Abwasserversorgung sowie Müllabholung müssten reibungslos funktionieren, die Arbeitsplätze sicher, die Straßen in einem guten Zustand und die Bahn pünktlich sein. Bei aller Liebe zu sachorientierten Diskussionen sei er sich nicht zu schade, auch für unliebsame Entscheidungen geradezustehen: „,Der Klügere gibt nach‘ kann es eben nicht sein, denn sonst bekämen die Dummen immer recht!“

Unter seiner Führung soll das Landratsamt Ermöglichungsbehörde sein und Aufgaben nach Möglichkeit auslagern, so Windhorst. Er wolle als Teamplayer mit den Beamten und dem Kreistag „verwalten und gestalten“, was kein Widerspruch sei.

Den Wählern dürfe man „nichts versprechen, was wir nicht halten können“, so Windhorst, der auch mehr Verlässlichkeit bei behördlichen Anweisungen forderte: „Das Merkblatt des Energieberaters zum Austausch von Fenstern wurde seit 2022 neunmal überarbeitet. Das kann doch nicht funktionieren.“ Windhorst zeigte sich optimistisch, dass sein Lebensmotto „Schritt für Schritt“ auch der richtige Weg für den Landkreis ist. So habe man beispielsweise die Sanierung einer Töginger Schule erfolgreich über die Sommerferien der vergangenen drei Jahre stückeln können.

Von Bildung
bis Infrastruktur

Just im Bildungsbereich habe der Landkreis Sanierungsstau: Die beruflichen Schulen und die Herzog-Ludwig-Realschule müssten bedarfsgerecht erweitert und entwickelt werden; bei der Maria-Ward-Realschule in Burghausen, deren Stiftung mit dem Ende der Trägerschaft kokettiert, müsse der Landkreis zusammen mit der Stadt eine Lösung finden. Ziel sei es auch, den Freistaat als Aufwandsträger der Gesamtkosten des Hochschulstandorts Burghausen in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu gewinnen.

Dringend sollen auch die Verluste des Innklinikums weiter gesenkt werden: Die Zuschüsse des Landkreises sollen dauerhaft nur noch einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr verschlingen, indem medizinische Leistungen noch stärker an den vier Standorten konzentriert werden. Er will die „Notaufnahme Altötting als Visitenkarte“ mit staatlichen Fördergeldern neu errichten und zusammen mit der Stadt Burghausen den ambulanten Standort dort weiterentwickeln.

Die A94 nach Passau soll fertig gebaut und die ABS 38 vorangetrieben werden, genau wie die Ortsumfahrungen von Burghausen, Reischach und Garching. Ein Kreisverkehr bei Halsbach-Gallersöd soll den dortigen Unfallschwerpunkt entschärfen; generell sollen die Kreisstraßen in gutem Zustand gehalten werden.

Um die Miet- und Gebäudepreise trotz der Nähe zur Metropolregion München niedrig zu halten, will Windhorst die kommunale Wohnbaugesellschaft stärken und Bauvorhaben durch digitale Genehmigungsverfahren im Landratsamt beschleunigen. Zwei neue 380-kV-Leitungen sollen vorrangig günstigen Strom für die Industrie liefern, für ein benötigtes, neues Umspannwerk soll Staatsforst geopfert werden, anstatt es „mitten in der Gemeinde Haiming“ anzusiedeln.

Windenergie und
PFOA-Schadensersatz

Den geplanten Windpark im Staatsforst sieht er emotionslos: „,Schee is ned‘ ist kein Argument, genauso wenig darf das Projekt aber gegenüber anderen Vorhaben bevorzugt werden.“ Auch die PFOA-Problematik müsse angegangen werden: „Warum Bayern das strenger handhabt als der Bund, hat mir noch keiner erklären können.“ Ein Gespräch mit Umweltstaatsminister Thorsten Glauber sei anberaumt und beim Schadensersatz durch 3M sei auch das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Ich will hier aber nicht zu viel öffentlich sagen, weil das unsere Verhandlungsposition schwächt!“

Eine Biotonne soll es auch unter einem Landrat Windhorst nicht geben. Der Landwirtschaft will Windhorst entgegenkommen, indem Ausgleichsflächen leichter geschaffen werden können, und bei der Integration von Ausländern „mit Bleibeperspektive“ in den Arbeitsmarkt sieht er noch Verbesserungspotenzial. Durch die Ehrenamtskarte will er mehr Bürger zur Mitwirkung in Vereinen und Kultur bewegen. Abschließend rief er die Delegierten auf, im Wahlkampf nicht schlecht über andere zu reden, sondern vielmehr gut über das eigene Programm.

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