Ärger an den Wertstoffinseln

Komplette Wohnzimmergarnituren werden auf Wertstoffinseln im Landkreis auf diese Art und Weise illegal entsorgt. Foto  Landratsamt Mühldorf

Komplette Wohnzimmergarnituren werden auf Wertstoffinseln im Landkreis auf diese Art und Weise illegal entsorgt. Foto Landratsamt Mühldorf

Wofür Neumarkt-St.Veits Bauhofmitarbeiter alles herhalten müssen

Von Josef Enzinger

Hörbering – Wenn Michael Asbeck etwas überhaupt nicht mag, dann sind das Menschen, die sein schönes Hörbering verschandeln. Da kann der ehemalige Zweite Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit richtig grantig werden, und so hält er auch im Telefonat mit den OVB-Heimatzeitungen nicht zurück. „Was überhaupt nicht geht, sind Bierflaschen am Schulbus-Wartehäuschen“, schimpft Asbeck. „Da steigen Kinder ein.“

Leere Bierflaschen bei Schulbushaltestelle

28 Flaschen habe er erst vor Kurzem dort gefunden. Natürlich hat er sich gleich einen Müllsack geschnappt und den Unrat weggeräumt. Wohl wissend, dass es nicht lange dauern wird und die nächste Müllablagerung kommt. Denn offenbar zieht die Nähe zur Kreis- und Staatsstraße vor allem Auswärtige an, um ihren Müll zu entsorgen.

Möbelstücke, Kinderwagen, Glasscheiben, Matratzen, Lebensmittel. Die Liste der Ablagerungen ist lang, wenn Asbeck zu erzählen beginnt. „Man könnte fast dort wohnen“, meint er mit einem sarkastischen Unterton. Verständnis für die Müllsünder hat er nicht: „Wir haben von dort auch schon Brot und Eier weggeräumt. 150 bis 200 Eier. Das hat natürlich entsprechend gestunken“, ärgert sich Asbeck. Der vor allem eines nicht verstehen kann: „Brot wirft man doch nicht einfach so weg? Schlechtesten- falls lässt sich das doch an die Fische in der Rott verfüttern!“

Die Mitarbeiter vom Bauhof müssen ran

Dass der Bauhof immer wieder wegen illegalen Mülls nach Hörbering ausrücken muss, liege offensichtlich an der exponierten Lage neben der Kreisstraße. „Viel Durchgangsverkehr“, sagt Asbeck, der aber den Kopf schüttelt, wenn er auf eine Standortverlagerung der Container angesprochen wird. „Haben wir schon alles versucht, hat nichts gebracht.“

Martin Wolf, Leiter des Städtischen Bauhofs in Neumarkt-St. Veit, kann ebenfalls nur den Kopf schütteln, wie oft seine Leute Müll einsammeln müssen. „Es nervt einfach nur“, sagt Wolf, der während des Gesprächs gerade auf dem Weg zur nächsten Sammelstelle ist. Behälter mit Altöl darf er diesmal wegräumen.

Neumarkt-St. Veit, Hörbering, Frauenhaselbach – Die Bauhofmitarbeiter sind in ganz Neumarkt-St. Veit unterwegs, wenn mal wieder Meldungen auftauchen von Müllablagerungen. „Zwei Leute sind dann zwei Stunden beschäftigt, um das Zeug aufzuladen. Und damit ist es ja noch nicht zu Ende: Danach muss man sich überlegen, ob man den Müll nicht auch noch trennen muss“, erzählt Wolf.

Der Zustand an den Wertstoffinseln ist auch Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) schon lange ein Dorn im Auge. Und auch er hat ein aktuelles Beispiel, wie dreist Müll entsorgt wird. „An der Bubinger Straße findet sich eine Grundausstattung für junge Eltern. Kinderwagen, Buggy und Kindersitz – einfach beim Sportplatz an einem Baum abgeladen“, erzählt Baumgartner.

„Kleidungsstücke liegen vor dem Altkleidercontainer. Die Leute werden immer dreister.“ Vor allem kritisiert Baumgartner, dass es aus Datenschutzgründen nicht erlaubt ist, Überwachungskameras zu montieren. Er ist davon überzeugt, dass dies abschreckenden Charakter hätte.

Martin Wolf sieht das ähnlich. Stattdessen haben die Bauhofmitarbeiter die Arbeit „und dürfen sich teilweise schwach anreden lassen, wenn der Müll nicht sofort beseitigt wird. Da wird sofort bei uns angerufen.“ Dabei hätte der Bauhof viele andere wichtigere Sachen zu tun, „die der Allgemeinheit zugutekommen sollten. Wir sind aber nicht dafür da, den Müll einiger weniger wegzuräumen.“

Wolf schiebt es auf die Bequemlichkeit der Müllsünder. An den Wertstoffhöfen ließe sich vieles kostenlos entsorgen. „Aber die haben halt nicht immer geöffnet.“

Laut Landratsamt Mühldorf verzeichnet die Kommunale Abfallwirtschaft schon seit Längerem eine deutliche Zunahme von illegalen Müllablagerungen an Wertstoffinseln. „Immer häufiger wird dort nicht nur Glas entsorgt, sondern auch Sperrmüll, Elektrogeräte, Hausmüll sowie andere nicht zulässige Abfälle achtlos abgeladen.“ Dabei gebe es im Landkreis zahlreiche legale Möglichkeiten, Abfälle korrekt zu entsorgen: Elektroschrott, Altmetall, Hartplastik, Altholz und viele weitere Wertstoffe könnten kostenlos an den 17 Wertstoffhöfen abgegeben werden. Altkleider sind in Säcke zu verpacken und in die dafür vorgesehenen Altkleidercontainer einzuwerfen. Glas und Bioabfall seien ausschließlich in die dafür vorgesehenen Container der Wertstoffinseln einzuwerfen.

Sperrmüll kann direkt an der Müllumladestation in Altmühldorf abgegeben werden. Zudem findet monatlich eine Sperrmülltour statt, bei der die Abholung des Sperrmülls direkt vorm Anwesen erfolgt. Ein Sperrmüllscheck kostet 30 Euro. Problemmüll, wie zum Beispiel Holzlasuren, Lacke, Laugen und Säuren können bei der Problemmüllsammlung mehrmals im Jahr kostenlos entsorgt werden.

Restmüll gehört in die Restmülltonne. Zusätzlich sind Restmüllsäcke (50 Liter) in allen Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Kfz-Zulassungsstellen und im Landratsamt Mühldorf für 3,20 Euro erhältlich.

Wie die Pressestelle im Landratsamt mitteilt, verursacht die unsachgemäße Entsorgung von Müll erhebliche Mehrkosten, „die letztlich die Allgemeinheit über die Abfallgebühren tragen muss.“ Das illegale Abladen von Abfällen ist kein Kavaliersdelikt. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.“

Wie man es besser machen kann, haben die Schüler der Herzog-Heinrich-Mittelschule gezeigt. An ihrem Wandertag packten die rund 300 Schüler kräftig mit an: Ausgerüstet mit Eimern, Handschuhen und Zangen sammelten die Kinder und Jugendlichen mit dem Plogging-Team unter Leitung von Roland Scherer eifrig Müll im Stadtgebiet.

6000 Zigarettenkippen gesammelt

Rund 6000 Zigarettenkippen, 92 Kilogramm Restmüll, 34 Kilogramm Altglas, zwölf Kilogramm Metalle, Batterien, Fahrradschläuche, Autoreifen, sogar ein Auto-Kindersitz und ein Dreirad sowie ein Kindertöpfchen und vieles mehr wurden gefunden. Zum Abschluss wurde der Abfall mit den Profis fachgerecht sortiert und am Wertstoffhof entsorgt. Bürgermeister Baumgartner spendierte den jungen Müllsammlern als Anerkennung eine kleine süße Überraschung.

<p>Die Entsorgung von wild abgelagertem Plastikmüll, Stühlen und Polstern. Unfassbar, womit sich die Mitarbeiter des Bauhofes beschäftigen müssen. Foto  Stadt Neumarkt-St. Veit</p>

Die Entsorgung von wild abgelagertem Plastikmüll, Stühlen und Polstern. Unfassbar, womit sich die Mitarbeiter des Bauhofes beschäftigen müssen. Foto Stadt Neumarkt-St. Veit

<p>Alles, was frischgebackene Eltern benötigen: Kinderwagen, Buggy, Kindersitz, gefunden in der Bubinger Straße. Foto  Stadt Neumarkt-St. Veit</p>

Alles, was frischgebackene Eltern benötigen: Kinderwagen, Buggy, Kindersitz, gefunden in der Bubinger Straße. Foto Stadt Neumarkt-St. Veit

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Samstag, 11. Juli 2026
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