Gesundheit spielt nicht mehr mit

von Redaktion

Günther Knoblauch verabschiedet sich von der Heimatfilm-Biennale

Mühldorf – Gründer, Treiber und Ideengeber Altbürgermeister Günther Knoblauch gibt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt beim Heimatfilmfestival „Biennale Bavaria“ auf. Er hat es weit über die Grenzen Mühldorfs hinaus bekannt gemacht.

Mühldorfs Altbürgermeister und ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter Günther Knoblauch (77) war Gründer und Motor der „Biennale Bavaria International – Festival des Neuen Heimatfilms“ und seit der Gründung auch Erster Vorsitzender des Trägervereins „Internationales Festival des Neuen Heimatfilms“. War: Denn Knoblauch ist aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten.

Der Schritt erfolgte bereits am 18. September, wurde aber erst jetzt vom Verein offiziell mitgeteilt.

„Es ist sch…“, bringt Knoblauch im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen seine Gefühle auf den Punkt. „Es ist in den letzten Monaten mit der Krankheit immer mehr geworden“, erzählt er mit leiser Stimme. Immer wieder Krankenhaus, immer wieder Reha, das war zuletzt schon sein Leben.

„Wenn du ein Festival machen möchtest, dann musst du ständig hinterher sein“, sagt Knoblauch. Doch das konnte und kann er immer weniger. Daher der schwere Schritt. „Du hast eine Verantwortung gegenüber dem Festival, und ich muss mich jetzt um mich kümmern.“

Ideengeber, Antreiber
und oberster Werber

Knoblauch hat den Verein und das Festival zusammen mit dem Haager Peter Syr aus der Taufe gehoben. Zehn Jahre lang war er unermüdlicher Ideengeber, Antreiber und oberster Werber für das Festival, das in dieser Form einmalig war und ist.

„Durch seine Arbeit ist das Festival zu einer wichtigen kulturellen Plattform geworden“, würdigt der Verein in seiner Pressemitteilung die Leistung seines ehemaligen Vorsitzenden. „Die Biennale Bavaria International hat bayernweit und darüber hinaus hohe Anerkennung erhalten.“ Das zeigen auch die Namen von ehemaligen Schirmherren und Jury-Mitgliedern: Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, Johanna Bittenbinder, Marisa Burger, Axel Milberg, Rainer Maria Schießler, Martin Kowalczyk, Marlene Burow, Lea Marlen Woitack, Christian Klandt.

„Den Rücktritt von Günther Knoblauch respektiere ich, gesundheitlich wünsche ich ihm von Herzen alles Gute“, schreibt Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl zum Rücktritt. Die Biennale Bavaria International sei in Knoblauchs Amtszeit „zu einer wichtigen kulturellen Plattform“ geworden, die in Bayern und darüber hinaus hohe Anerkennung genieße. „Vor diesem Hintergrund danke ich Herrn Knoblauch und seinem Team für das langjährige Engagement.“

Knoblauch wollte mit dem Festival „Heimat“ neu denken und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten – von Migration über Identität bis zu gesellschaftlichem Wandel und ökologischen Fragen. Das Programm umfasst Spielfilme, Dokumentationen sowie Filme regionaler Filmemacher, die an verschiedenen Standorten der Region Inn-Salzach gezeigt wurden.

Miteinander reden,
das ist Heimat

„Heimat ist das, wenn man miteinander redet“, sagt Knoblauch. „Wenn ich im Kino einen Film anschaue, komme ich danach mit den Leuten ins Gespräch.“ Der Austausch schaffe Lebensqualität. Das brauche unsere Gesellschaft mehr denn je. Das zu zeigen und zu fördern, „das ist Sinn und Zweck des Festivals“.

Zugleich solle das Festival die Region als Drehort etablieren, wünscht sich Knoblauch. „Wir haben Städte, Dörfer, Landschaften und Gewässer.“ Kulissen für Filme und Serien, ein potenzieller Wirtschaftsfaktor, so Knoblauch. Eine Serienproduktion sorge allein bei Übernachtungen im Jahr für rund 500000 Euro Umsatz. Knoblauch verweist auf das niederbayerische Frontenhausen, Drehort der Eberhofer-Krimis. Die Kontakte dafür seien da. „Das muss man ausbauen.“

„Wir wären auf einem guten Weg gewesen“, sagt dazu Knoblauch. Umso schmerzlicher ist es, dass er körperlich nicht mehr kann.

Zukunft des Festivals
in der Diskussion

Wie es mit dem Festival weitergeht, ist bislang ungewiss. Der Verein schreibt dazu in seiner Pressemitteilung: „Die Biennale Bavaria International hat bereits für das nächste Mal einen Neuanlauf geplant. Der Rest des Vorstands wird in den nächsten Wochen ein neues Konzept erarbeiten. In der Zwischenzeit übernimmt der bisherige Zweite Vorsitzende, der Altöttinger Bürgermeister Stephan Antwerpen, die Führung, bis ein permanentes neues Team feststeht.“

Knoblauch hat Sorge um die Geschäftsstelle in Mühldorfs Huterergasse: „So wie es aussieht, wollen die das Büro schließen und Mitarbeiter ausstellen.“

„Jetzt gilt es, das Festival neu und vor allem zukunftsfest aufzustellen“, teilt dazu Bürgermeister Hetzl mit. Daran arbeite ein Team unter Führung von Antwerpen, dem auch Hetzl angehöre. „Denn die Kreisstadt Mühldorf soll auch Standort einer runderneuerten Biennale sein.“

Kultur nicht
unterschätzen

Knoblauch plädiert dafür, bei allen Schwierigkeiten der Kommunen die Kultur nicht zu unterschätzen: „Das ist ein Stück Lebensqualität der Menschen und der Attraktivität eines Ortes. Da gehört die Filmbranche dazu.“

Das Gespräch ist für Knoblauch anstrengend, körperlich, aber wohl auch wegen des Abschieds: „Ich danke allen Filmemachern, Sponsoren, Förderern und unserem engagierten Team für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.“ Abschließend hat er, ehe er das Büro in der Huterergasse verlässt und abschließt, nur einen Wunsch: „Dass es richtig und gescheit weitergeht und nicht halbscharig.“

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