Nächster Leerstand am Stadtplatz
Herz und Seele des „MiLaMü“: Sabine Abdelli und ihr Mann Husseim Abderrahmene.
Genossenschaft fällt Entscheidung – Der Bioladen „MiLaMü“ sperrt zu
Mühldorf – Es ist noch kein halbes Jahr her, da schauten Genossenschafts-Vorstand Stefan Schörghuber und Ladenleiterin Sabine Abdelli noch recht optimistisch in die Zukunft ihres „MiLaMü“. Waren sicher, das Ruder noch herumreißen und den letzten Lebensmittler am Mühldorfer Stadtplatz retten zu können. Trotz eher mäßigem Kundenzulauf und entsprechendem Umsatz.
„Es geht nicht
mehr weiter“
Jetzt hat Schörghuber die OVB Heimatzeitungen um ein Gespräch gebeten. „Es geht nicht mehr weiter, wir müssen zusperren“, teilt er zerknirscht mit. „Der Fünf-Jahres-Mietvertrag läuft Ende November aus und die Genossenschaft hat entschieden, ihn nicht mehr zu verlängern.“
Treffpunkt des Gesprächs ist das menschenleere Café im „MiLaMü“, leer deshalb, weil gerade Betriebsurlaub ist. Brot- und Käsetheke sind nicht mit frischen Waren bestückt, ebenso der Obst- und Gemüseraum und der Kühlschrank. Ein Vorgeschmack auf das, was kommt. Denn ab Montag (13. Oktober) beginnt der Abverkauf des gesamten Sortiments.
Bis Mitte November können die Kunden alle haltbaren Lebensmittel und Non-Food-Artikel wie Kosmetika mit Rabatten bis 20 Prozent kaufen, solange der Lagervorrat reicht. „Frische Lebensmittel, wie Obst und Gemüse, Milchprodukte und Backwaren sollen noch eine Zeit lang täglich frisch angeliefert angeboten werden“, erklärt der Vorstand den Ablauf.
In den letzten beiden Novemberwochen soll die Geschäftsaufgabe mit dem Verkauf des Inventars weiter gehen. „Wir nennen das Flohmarkt“, sagt Schörghuber und schaut sich im Laden um. „Alles vom Cafétisch über Stühle und Ladenregale bis zu Gläsern, Tassen und Besteck kann gekauft werden, hoffentlich zu einem guten Preis.“
Vor fünf Jahren war die Genossenschaft „MiLaMü“ mit dem Ziel, die Nahversorgung mit täglich benötigen Lebensmitteln am Stadtplatz zu erhalten, gestartet. Woran es nun gescheitert ist, erklärt der Vorstand so: „Da gibt es mehrere Gründe. Wir hatten mit zwei Angestellten zu wenig Personal, das die ganze Arbeit leistet und auch mal Urlaub braucht. Deshalb geht das nur mit Betriebsurlaub. Mehr Personal können wir uns aber nicht leisten. Unsere Umsätze waren auf einem konstanten Niveau, sind aber leider nicht gestiegen.“
Dazu trage auch sicher bei, dass die Leute angesichts allgemein steigender Kosten mehr aufs Geld schauen, meint Schörghuber: „Gerade bei Biowaren und hochwertigen Produkten aus der Region sitzt das Geld nicht so locker. Die Bio-Konkurrenz der Discounter hat es uns auch nicht leichter gemacht.“
Schörghuber betont: „Wir sind nicht pleite gegangen!“ Der Entschluss zum Aufgeben hänge mit dem Auslaufen des Mietvertrags zusammen. „Würden die Genossenschaft jetzt verlängern, müssten wir zusätzliches Geld mitbringen.“ Mit all den gesammelten Erfahrungen würde man den Laden heute anders aufgestellt neu starten, aber dafür ist es jetzt zu spät. „Vielleicht wurde damals mit zu viel Idealismus ans Werk gegangen.“
Im Mai hatte Schörghuber bereits angekündigt, dass der Laden Ende des Jahres auf den Prüfstand komme. „Wir werden Bilanz ziehen und müssen ganz genau schauen, wie es weitergehen kann“, sagte er damals. Die Vorstandschaft habe sich zusammen mit Ladenleiterin Abdelli beraten. Am Ende blieb nur ein Weg: Zusperren.
Vermieter des Ladenlokals ist die Familie Schörghuber. Auch in dieser Funktion bedauert Stefan Schörghuber das Ende sehr: „Wir haben hier viel reingesteckt, wären auch weiter entgegengekommen und hätten uns gefreut, wenn es weiterlaufen könnte. Mit der Schließung verliert der Stadtplatz seinen letzten Lebensmittler mit breitem Sortiment.“
Nachmieter soll
Stadtplatz beleben
Schörghuber hofft, dass sich der bald leer geräumte Laden nicht in die Liste der Langzeit-Leerstände am Stadtplatz einreiht. „Wir denken über eine Nachnutzung in Richtung Gastronomie nach“, verrät er. Aber das sei noch Zukunftsmusik. Er wünsche sich einen Nachmieter, der mit seinem Angebot hilft, den Stadtplatz zu beleben. So wie es auch das „MiLaMü“ getan habe.
Wenn Abverkauf und Flohmarkt vorbei sind und der Jahresabschluss gemacht ist, werden von dem, was übrigbleibt, den rund 200 Genossenschaftsmitgliedern ihre Anteile ausbezahlt. Die Genossenschaft wird sich auflösen.
Ein Grund zu Freude bleibt Schörghuber und seinen Mitgenossen: Sabine Abdelli und ihr Mann Hussein Abderrahmene, die beide unermüdlich in ihrem „MiLaMü“ gearbeitet haben und die Seele des Ladens waren, haben bereits ein neues Jobangebot in der Tasche.
Zum Gespräch mit dem OVB hat Schörghuber trotz Betriebsurlaub das Licht im Laden angeschaltet. Eine Stammkundin betritt den Laden. Nachdem sie von ihm erfährt, dass eigentlich geschlossen ist, entschuldigt sich die ältere Dame mehrmals für die Störung. Zurück am Tisch sagt der Vorstand bedrückt mehr zu sich selbst: „Wie werden unsere Kunden bloß reagieren, wenn sie erfahren, dass wir bald gar nicht mehr aufmachen.“
Das Projekt ist gescheitert: Bald muss Vorstand Stefan Schörghuber den Genossenschaftsladen „MiLaMü“ unter den Arkaden am Mühldorfer Stadtplatz für immer zusperren.Fotos Latta
Schörghuber und alle Genossenschaftler bedauern den Schritt sehr. Foto Christa Latta
Schörghuber mit der Rabattrolle in der Hand: „Alles im ,MiLaMü‘ steht zum Verkauf, von den Waren bis zu Möbeln und Geschirr.“ Foto Christa Latta