Ein früheres Gebäude einer Kirchengemeinde soll in einen Fahrradladen mit Werkstatt umfunktioniert werden. Was dabei berücksichtigt werden muss, erklärte Bauamtsleiter Carsten Schwunck im Stadtentwicklungsausschuss. Fotos Lohmann/Gennutt
Stadt Waldkraiburg prüft Pläne – Bedenken wegen Lärm und Verkehr
Waldkraiburg – Passt ein Fahrradladen mit Werkstatt in ein ehemaliges Gebäude einer Kirchengemeinde – mitten in einem allgemeinen Wohngebiet? Mit dieser Frage hat sich der Stadtentwicklungsausschuss befasst. Ein Interessent möchte das Gebäude kaufen und hat deshalb eine entsprechende Voranfrage an die Stadt gestellt, wie es Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) kurz umriss. Der geplante Betrieb, der vor allem als Werkstatt dienen soll, sorgte für Diskussionen über die Vereinbarkeit von Wohnen und Gewerbe.
im Keller
Der Interessent hat bereits erste Pläne für die künftige Nutzung ausgearbeitet. Der ehemalige Gemeindesaal im Erdgeschoss soll in einen Fahrradladen mit Werkstatt umfunktioniert werden. Die frühere Wohnung im Dachgeschoss könnte entweder als Büro vermietet oder mit der bestehenden Wohnung im Dachgeschoss zusammengelegt werden. Die zuletzt als Gruppenräume genutzten Kellerräume sollen als eigenständige Büroeinheit vermietet werden – so die Idee des potenziellen Käufers. Dabei gibt es jedoch einen entscheidenden Punkt zu beachten: „Das Gebäude befindet sich in einem allgemeinen Wohngebiet, in dem Gewerbe nur ausnahmsweise zugelassen ist“, erklärte Bauamtsleiter Carsten Schwunck. Einen Bebauungsplan gebe es für den Bereich nicht. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass sich in direkter Nachbarschaft ein „schützenswertes Objekt“ befindet – nämlich ein Seniorenheim. Laut Voranfrage soll das Geschäft nur an einem Tag geöffnet sein, an den anderen Tagen sollen nur Reparaturarbeiten durchgeführt werden.
Für die Verwaltung sei anhand der vorliegenden Angaben unklar, ob der Fahrradladen als „nicht störender Gewerbebetrieb“ einzustufen sei. „Bleibt es bei einem kleinen Umfang der Arbeiten? Wie sieht es aus mit dem Lärm? Führt das zu mehr Autoverkehr“, gab Schwunck die Bedenken weiter. Problematisch könne auch sein, dass das Gebäude nur über zwei Stellplätze verfüge. Diese Bedenken teilte im Ausschuss jedoch niemand. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort viel Lärm entsteht. Das wird sich in einem gewissen Rahmen halten“, meinte Ernst Schäffer (AfD). Auch zusätzlichen Verkehr erwartet er kaum.
Leerstand
zu befürchten
Christoph Vetter (UWG) sah das ähnlich: Der Lärm sei zu vernachlässigen – auch im Hinblick auf das benachbarte Seniorenheim. Schwunck betonte allerdings, man müsse die Situation „differenzierter betrachten“. Da im Konzept des Betreibers die Reparaturarbeiten im Vordergrund stünden, sei zu überlegen, wie das mit einem Wohngebiet zusammenpasse. Schließlich würden defekte Räder in der Regel per Auto angeliefert. Ulli Maier (UWG) dachte an die Konsequenz, sollte ein Fahrradgeschäft dort nicht möglich sein. „Dann haben wir dort einen Leerstand.“
Harald Jungbauer (CSU) schlug vor, mögliche Auflagen festzuschreiben – etwa, dass ausschließlich Fahrradreparaturen erlaubt seien und die Arbeiten nur zu bestimmten Zeiten stattfinden dürften. Schwunck gab zu bedenken: „Man darf das nicht isoliert für Fahrräder betrachten. Entscheidend ist, dass der Betrieb insgesamt nicht störend wirkt.“
Bedenken wegen möglichen Lärms hatte Martina Arnusch-Haselwarter (SPD) nicht und Christoph Vetter sieht in dem Betrieb eine „Win-win-Situation“: „Vielleicht können die auch die Rollatoren aus dem Seniorenheim reparieren?“
Der Ausschuss zeigte sich schließlich einig: Das geplante Gewerbe sei unproblematisch. Der Stadtentwicklungsausschuss signalisierte daher grünes Licht für eine Baugenehmigung.