Wo Familie und Verein zum Zufriedensein genügen

Bürgermeister Erwin Baumgartner (links) gratuliert Sieglinde und Franz Xaver Haindlfinger. Foto jaensch

Bürgermeister Erwin Baumgartner (links) gratuliert Sieglinde und Franz Xaver Haindlfinger. Foto jaensch

Sieglinde und Franz Xaver Heindlfinger, zwei Trachtler aus Neumarkt-St. Veit, feiern goldene Hochzeit

Neumarkt-St. Veit „Ach, über uns kann man nicht viel schreiben. Wir feiern auch nicht groß. A bisserl mit der Familie und wer halt so vorbeikommt“, sagen Sieglinde und Franz Xaver Haindlfinger an ihrem goldenen Hochzeitstag. Es ist für sie anscheinend ein Tag wie jeder andere. Freilich erinnern sie sich schnell an die Hochzeit in St. Veit vor genau 50 Jahren und an die anschließende weltliche Feier in der Klosterschänke. Mehr erzählen sie gar nicht. „Mei, mia san so. Des langt“, sagen sie einfach.

Dabei hatten die zwei ein Ehe- und Familienleben, von dessen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit die reichsten und prominentesten Leute nur träumen können. Beide sind in Neumarkt-St. Veit geboren und stammen aus „Trachtlerfamilien“. Beide besuchten die Schulen in Neumarkt-St. Veit und erlernten Berufe. Franz Xaver den Maurerberuf, Sieglinde wurde Näherin. Schon sehr früh kamen sie mit dem Gebirgstrachtenerhaltungsverein (GTEV) Taubenbergler Stamm in Berührung, erst in den Kindergruppen, die heute noch eines der großen Aushängeschilder des Vereins sind. Schnell erlernte Franz das Platteln. Sieglinde, die jünger ist als Franz, kam später zu den Tanzgruppen. Bald konnte sie Franz als Vorplattler bewundern, und Franz war ein geschickter Tänzer. „I woaß gar nimmer, wann des bei uns g‘funkt hätt‘. Auf oamal war ma halt beianand“, meint Sieglinde. Und der Franz schaut zustimmend. „Dann dauerte es doch bis 1956, bis wir g’heirat ham“, ergänzt er.

Sieglinde hatte es damals auch noch zur Vortänzerin geschafft. Als dann nach und nach die zwei Buben und ein Mädel das Familienglück bereicherten, blieb das Vereinsleben nicht hinten an. Besonders Franz, der bis dahin auswärts gearbeitet hatte, wollte keine Wochenendehe führen und fand Arbeit in Tögings Werk VAW. Dort blieb er bis zur Rente. Dass sie ihre Kinder mit ins Vereinsleben führten, versteht sich. Beide gehörten ja zu den Aktiven und hatten immer wieder mal Vorstandsposten inne. Sein Plattlertalent konnte Franz beiden Söhnen weitervererben. Und diese bilden schon die Jugend aus.

2018 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft des Vereins zuteil. Seit vielen Jahren kümmert er sich um den Blumenschmuck des Maibaums. „Seit 48 Jahren wohnen wir in diesem Haus“, berichtet Sieglinde. „Es ist uns ans Herz gewachsen. Mit den Kindern sind wir im Urlaub manchmal in den Süden gefahren, aber sonst waren wir hier, wo‘s schön ist.“

„Der Trachtenverein hat Goldene“, grüßt Bürgermeister Erwin Baumgartner, als er zum Gratulieren kommt und die Glückwünsche der Stadt mit einem Korb voller Neumarkter Spezialitäten überreicht.

Alle drei schwelgen in Erinnerungen, denn sie kennen sich seit Kindesbeinen. Als Lehrling in der Stadt hatte Baumgartner sogar die Heiratsurkunde geschrieben. nz

Artikel 1 von 181
Freitag, 10. Juli 2026
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie das OVB ePaper in Top-Qualität und testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos und unverbindlich.