Mühldorf – Das ganze Jahr 2025 mussten und müssen Nutzer der Stadtbücherei Mühldorf keine Jahresgebühr berappen. Als Geschenk der Stadt zum 40-jährigen Bestehen der Bücherei wurde die Gebühr von zwölf Euro für Erwachsene, ermäßigt fünf Euro, ausgesetzt.
Keine Jahresgebühr zum
40-jährigen Bestehen
Diese Aussetzung der Jahresgebühr wurde ausdrücklich als „temporäre“ vom Stadtrat beschlossen. Die Erfahrungen daraus und eine mögliche Verlängerung der Gebührenfreiheit standen nun auf der Tagesordnung der jüngsten Hauptausschusssitzung.
Büchereileiterin Regina Kaiser konnte dem Gremium anhand der von ihr gesammelten Zahlen mitteilen, dass es im gebührenfreien Jahr 2025 zu einem merklichen Anstieg bei Neuanmeldungen, Entleihungen und tatsächlichen Nutzungen gekommen ist. Auf dieser Grundlage sollte über das weitere Vorgehen beraten werden.
Hauptamtsleiter Walter Springer wies die Gremiumsmitglieder darauf hin, dass bei einem weiteren Jahr ohne Gebühreneintreibung mit einem Einnahmeausfall von rund 40000 Euro zu rechnen sei. Nach Meinung der Verwaltung sollte die Nutzung „städtischer Einrichtungen etwas kosten“, denn sie würden auch mit dem Geld der Bürger finanziert.
Freude über Wegfall
von Gebühr
Eine Verlängerung solle es nur geben, um abzusehen, ob sich die Auslastung weiter positiv steigern könne und ob die Gebühr dauerhaft bei null Euro bleiben solle, so Bürgermeister Michael Hetzl (UM). Die Bücherleiterin berichtete von großer Freude bei den Nutzern über den Wegfall der Gebühr und von Menschen, die sich auch den überschaubaren Betrag von zwölf Euro pro Jahr nicht leisten könnten. Eine attraktive Bücherei sei ein weicher Standortfaktor und Magnet für Auswärtige, die einen Bibliotheksbesuch im Kornkasten gerne mit einem Einkaufsbummel in der Stadt verbinden. Sie würde ein weiteres Jahr ohne Gebühr begrüßen.
In der Beratung meldete sich Stefan Schörghuber (CSU) zu Wort. „Jubiläum ist Jubiläum und deshalb sollten wir den Gebührenerlass auf dieses eine Jahr beschränken“, so seine Meinung. „Zwölf Euro sind ein Euro pro Monat, das ist nicht unverschämt und bei diesem Gebäude, dieser Auswahl und diesem Büchereiteam geschenkt!“ Dem schloss sich auch Dr. Reinhard Wanka (UM) an: „Als Nutzer der Bücherei sollte man schon auch ein bisschen was geben, auch das Schwimmbad kostet eine Eintrittsgebühr.“ Er könne sich aber eine moderate Senkung der Gebühr für Erwachsene auf zehn Euro vorstellen. „Mühldorf lässt sich Bildung und Kultur und damit auch die Bücherei viel kosten“, stellte Claudia Hungerhuber (SPD) fest. Die Auslastung von öffentlichen Büchereien steige bundesweit, die Menschen schauten mehr aufs Geld und bekämen in Büchereien neben Büchern ein riesiges Angebot auch an aktuellen Magazinen und anderen Medien. Sie sprach sich dagegen aus, noch ein weiteres Jahr auf die Jahresgebühr zu verzichten. Stattdessen machte sie einen anderen Vorschlag: „Jeder Inhaber der Ehrenamtskarte, wie Mitglieder der Feuerwehr und des THW, sollte nur die ermäßigte Jahresgebühr bezahlen oder sogar gar keine!“ Gottfried Kirmeier (SPD) war von dieser Idee angetan: „Ich finde diesen Vorschlag als Würdigung des Ehrenamts ganz wichtig.“ Einen weiteren Gebührenerlass für alle lehnte er ab. Auch Claudia Hausberger (CSU) befürwortete den angedachten Bonus fürs Ehrenamt.
Goldene Karte
nach 25 Jahren
„Das kann man gerne machen“, warf Bürgermeister Hetzl ein. Die davon begünstigten Personen ausfindig zu machen, sei einfach, denn die Ehrenamtskarte werde vom Landratsamt Mühldorf ausgestellt. Wofür man denn diese Ehrenamtskarte bekomme, wollte Andreas Seifinger (UM) wissen. Gleich mehrere Gremiumsmitglieder klärten ihn auf: Die blaue Ehrenamtskarte bekommt, wer 16 Jahre alt ist und sich seit zwei Jahren fünf Stunden pro Woche ehrenamtlich betätigt. Sie wird auf Antrag beim Landratsamt für drei Jahre ausgestellt, muss danach neu beantragt werden. Die unbefristete goldene Karte gibt es nach 25 Jahren im Ehrenamt.
Die OVB Heimatzeitungen haben beim Landratsamt nachgefragt. „Die Zahl der Ehrenamtskarten im Landkreis Mühldorf werden einmal jährlich an das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gemeldet“, so Pressesprecher Wolfgang Haserer. „Ende 2024 waren es 901 blaue Ehrenamtskarten und 628 goldene, insgesamt 1529 Karten.“ Da auch Personen außerhalb des Landkreises die Mühldorfer Bücherei nutzen können, kann die genaue Zahl der möglichen Nutznießer einer Ehrenamtsermäßigung nicht angegeben werden.
Der Hauptausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, den Gebührenerlass des Jahres 2025 nicht fortzusetzen und die Besitzer der Ehrenamtskarte in die Gruppe der Ermäßigungen aufzunehmen. Darüber wird der Stadtrat in seiner Sitzung Ende Oktober entscheiden.