Mühldorf – Gut eineinhalb Jahre vor ihrer Einschulung an der Grundschule müssen Kindergartenkinder auf ihre Deutschkenntnisse getestet werden. Das betrifft sowohl deutsche Kinder als auch Kinder mit Migrationshintergrund. Denn alle Abc-Schützen sollen zum Schulbeginn ausreichend Deutsch sprechen und verstehen können. Grundlage dafür ist ein neues bayerisches Gesetz von Dezember 2024.
Alle Kindergartenkinder
werden beurteilt
Diese Sprachstandserhebung, auch „Sprachscreening“ genannt, im vorletzten Kindergartenjahr wurde im Landkreis Mühldorf heuer zum ersten Mal durchgeführt. Schulrätin Beate Waldinger vom Schulamt Mühldorf stellte das Konzept im Ausschuss für Jugendhilfe und Bildung des Landkreises vor.
„Die meisten Kindergartenkinder im Landkreis sind von diesem Sprachscreening befreit“, war ihre gute Nachricht an das Gremium. In einer ersten Auswahlstufe bescheinigt der jeweilige Kindergarten seinen vier- bis fünfjährigen Kindern ausreichende Sprachkenntnisse oder eben nicht. Die gut Sprechenden müssen nicht zum Test.
Diejenigen mit mangelhaftem Deutsch werden mit Namen und Adresse an die zuständige Sprengelgrundschule gemeldet. Deren Eltern werden angeschrieben und die Kinder zum Test eingeladen.
15 Fachkräfte testen
über 400 Kinder
„Die Eltern dürfen während des Tests ihres Kindes im Raum sein“, erklärte Waldinger mit einem Schmunzeln. „Sie dürfen aber nicht helfen und das ist manchmal nicht so einfach. Aber wir kriegen das hin.“ „Wir“, das sind im Landkreis Mühldorf derzeit acht Schulpsychologen und sieben Beratungslehrkräfte, die die Tests durchführen.
Kinder, die bei dem Test keine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse beweisen können, müssen verpflichtende „schulische Vorkurse“ besuchen. Pro Jahr hat der Landkreis Mühldorf um die 1200 Schulanfänger. Im April 2025 mussten 403 Kinder zum Sprachscreening aufgefordert werden. „Davon haben 154 Kinder den Sprachtest bestanden, 238 sprachen ausreichend Deutsch“, stellte Waldinger das Ergebnis vor. Fünf Kinder seien nicht erschienen, sechs Tests stehen noch aus.
Die Bescheide über die Vorkursteilnahme wurden den Eltern im Juli mitgeteilt. 43 solcher Kurse wurden von Schulen und Kindergärten angeboten, in der Regel mit zwei bis drei Stunden pro Woche. An diesen nahmen ab August insgesamt 379 Kinder teil, denn zu denen aus den Sprachtests kamen noch andere von der Einschulung zurückgestellte und andere auffällige Kindergartenkinder.
„Die Eltern müssen sich selbst aktiv um den Platz in einem der Kurse bemühen, und bis auf eine Handvoll waren auch alle Kinder dabei“, betonte die Schulrätin. „Darauf bin ich stolz.“
Die vom Kultusministerium verordneten Tests bedeuten ein hohes zusätzliches Arbeitspensum für Lehrer und Verwaltungskräfte. Ab dem nächsten Schuljahr sollen deshalb mehr Personen, mindestens eine Lehrkraft pro Grundschule, den Test durchführen dürfen. Und die Schulen sollen künftig auch Telefonnummern und Mailadressen der Eltern übermittelt bekommen, bisher mussten sie diese mühsam selbst herausfinden.
Jedes dritte Kind
muss zum Test
Nach dieser Präsentation zeigte sich Landrat Max Heimerl angesichts der Zahlen betroffen: „Jedes dritte Kind muss diesen Test absolvieren, das ist viel.“ Da Sprache in der Familie entstehe, stelle sich für ihn die Frage „Wo sind die Eltern? Bekommen sie Sprachangebote?“
Aus seiner Erfahrung als ehemaliger Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Mühldorf wisse er, dass es nicht genügend solcher Angebote gebe. Vor rund zehn Jahren habe das BSZ rund 18 auch sprachlich berufsvorbereitende Klassen installiert, heute seien es zwar „nur noch“ neun, aber der Bedarf bestehe weiter.