Stadtpfarrer hegt zehn gefiederte Damen

von Redaktion

Dekan Klaus Vogl hatte bereits als Kind eigene Hühner – Beim Füttern kann er entspannen

Mühldorf – Ist es die Lisa, die Emma oder vielleicht gar die Henriette? Welche unter den zehn Hennen die Lieblingsdame von Stadtpfarrer und Dekan Klaus Vogl ist, wollte er partout nicht preisgeben. Und das hat seinen Grund: „Wenn ich jetzt öffentlich einen Namen nenne, sind die anderen Hühner eingeschnappt, und das will ich vermeiden“, meint Vogl scherzend.

Jedenfalls schlägt des Pfarrers Herz voll und ganz für das gackernde Federvieh, das seit Sommer im Pfarrgarten wohnt und dort ein herrliches Dasein führt.

Einen Gockel sucht
man vergeblich

Die meisten „geistlichen Hennen“ haben sogar einen Namen. Aber da ist der Dekan ziemlich wählerisch. Der Name muss zum Tier passen, sagt er und das sei nicht immer ganz einfach, schließlich würde ein Huhn nicht dem anderen gleichen, weder vom Charakter noch vom Aussehen.

Bei Klaus Vogl laufen sowieso keine identischen Hühner umher, denn der Pfarrer wählte für seinen Hühnerstall unterschiedliche Rassen aus. Einen Gickerl sucht man im Pfarrgarten jedoch vergebens, was Vogl insgeheim ein bisschen bedauert.

Er hätte sich gerne einen Gockel zugelegt, will das Krähen den Nachbarn aber nicht zumuten. „Da habe ich an anderer Stelle schon mal einschlägige Erfahrungen gemacht“, verrät der Pfarrer, der seine Liebe zum Geflügel schon als Bub entdeckte.

Bekommen andere Kinder zur Erstkommunion religiöse Geschenke wie eine Kinderbibel oder klassische Präsente wie Schmuck und Münzen, so war es beim jungen Klaus eine kleine Hühnerschar, die ihm am Tag der Erstkommunion verehrt wurde. Von da an gehörten Hennen fest zu Pfarrer Vogls Leben. „Nur als ich im Priesterseminar gewesen bin, konnte ich mir keine Hühner halten“, sagt er. Für ihn sind Hühner ganz einfach interessante Geschöpfe, die auch noch einen Nutzen haben. Schließlich legen sie jeden Tag ein Ei. Und noch einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil sieht Vogl: „Die Hühner sind quasi Allesfresser, heißt, die Reste unserer Mahlzeiten werden nicht weggeworfen, sondern noch sinnvoll verwertet.“ Dass der Mühldorfer Stadtpfarrer seine zehn Damen täglich besucht, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, schließlich soll es den Tieren an nichts fehlen. Getreidemischungen und Wasser stehen immer bereit. Öffnet Klaus Vogl das Gatter, kommen die Ladys sofort angewatschelt. Sie wissen offenbar, jetzt gibts gleich Streicheleinheiten und jede Menge Leckerlis.

Und tatsächlich, der Pfarrer holt aus einem Kasten einen Eimer mit Mehlwürmern heraus. Im Handumdrehen umschwärmen ihn die Hennen wie die Motten das Licht. Sie gackern und picken voller Freude ihren Lieblingssnack, was Dekan Vogl durchaus gerne sieht. „Wenn ich bei den Tieren bin, komme ich auf andere Gedanken. Es ist entspannend, sie zu beobachten“, sagt er.

Und dann erzählt Vogl von Stase, einer schwarz Gefiederten in seinem Harem. Stase besitzt ihren eigenen Kopf, außerdem ist sie die Einzige, die aus Hühner-Perspektive betrachtet, relativ hochfliegen kann. Das Ergebnis dieser Kombination: Stase geht auf Wanderschaft, fliegt über Mauern und erkundet die Gegend. Worüber der Hühnerfreund froh ist: Sie kehrte bisher von ihren Ausflügen immer wieder heil zurück. Obendrein legt die freche Stase grüne Eier und das manchmal sogar außerhalb des Hühnerstalls in einer Hecke, wie der Pfarrer kürzlich verwundert feststellte.

Hühner dürfen ein
artgerechtes Leben führen

Trotz seiner ausgeprägten Hühnerliebe bringt es Klaus Vogl fertig, sich von dem einen oder anderen Tier zu trennen, wenn die Zeit dafür reif ist. „Ich scheue mich nicht davor, ein Huhn zu schlachten und hab das auch schon öfters“, gibt er zu. Letztendlich seien Hühner Nutztiere, die bei ihm ein schönes, artgerechtes Leben führen dürfen, aber durchaus auch im Kochtopf enden können.

„Hühnersuppe mag ich sehr gerne“, lacht Vogl, gibt aber gleichzeitig Entwarnung: „Meine jetzigen zehn Damen sind jung, sie dürfen sich nun ohne Bedenken ein oder zwei Jahre ihres Lebens erfreuen“. Ob am Tag X der Pfarrer bei Emma und ihren Schwestern dann selbst Hand anlegt, steht momentan noch in den Sternen.

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