Neumarkt-St. Veit – Ein Saal mit Sichtdachstuhl in einem denkmalgeschützten Backsteingebäude, daneben durch das Fenster zu beobachten: Züge, die in den Bahnhof einfahren und diesen kurze Zeit später wieder verlassen. Der Bahnhof in Neumarkt-St. Veit verströmt schon einen ganz besonderen Charme. So auch an diesem Vormittag, an dem sich Vertreter der Stadt und der Bahn eingefunden haben, um genau diesen Ort zu feiern. 150 Jahre ist es her, dass die Bahnstrecke zwischen Mühldorf und Neumarkt-St. Veit eröffnet wurde.
2008 Stundentakt
eingeführt
„Am 15. Oktober 1875 war das, als die 15,5 Kilometer lange Strecke ihrer Bestimmung übergeben wurde“, jonglierte die Geschäftsleiterin der Südostbayernbahn (SOB), Magdalena Obermayer, mit Zahlen, als es darum ging, dieses Jubiläum zu würdigen. Denn, da war sich Obermayer sicher: „In 150 Jahren hat diese Strecke viel bewegt!“
Obermayer ging auf einige wegweisende Änderungen auf der Strecke ein, wie die Einführung des Stundentakts Neumarkt–Landshut im Jahr 2008, dann auch für die Strecke Mühldorf–Landshut. „Im November 2019 begannen Bauarbeiten für barrierefreie Bahnsteige in Neumarkt, gefördert damals mit 1,6 Millionen Euro.“
Und auch in der jüngsten Vergangenheit habe die SOB auf eine moderne Eisenbahninfrastruktur gesetzt und investiert. „Heute nutzen werktags etwa 1000 Fahrgäste – Ein- und Aussteiger – die Verbindung. Am Wochenende sind es ungefähr 700 täglich. Damit bleibt die Strecke ein zentraler Mobilitätsanker.“ Unter der Woche würden täglich circa 73 Züge in Neumarkt halten. „Ein beeindruckender Beweis für die Bedeutung der Linie im Nahverkehr und für die Bedeutung der Linie in der Stadt.“
Bürgermeister Erwin Baumgartner ging in seiner Ansprache besonders auf die Bedeutung des Bahnhofsgebäudes für die Stadt ein. Die Entscheidungsträger im Stadtrat um Bürgermeister Rudi Berghammer hätten 1993 eine glückliche Hand gehabt, als sie sich für den Kauf des Bahnhofsareals entschieden; ein Areal mit einem riesigen Parkplatz, aber auch mit der Herausforderung, die ein denkmalgeschütztes und sanierungsbedürftiges Gebäude mit sich bringt.
Man habe eine gute Nutzung gefunden, viele Veranstaltungen würden im Saal stattfinden. „Auch Hochzeiten wurden hier schon gefeiert“, verriet Baumgartner. „Wir haben eine Musikschule hier drin, die sehr komfortabel untergebracht ist, einen Warteraum, und ganz vorne haben wir sogar Gewerbe untergebracht.“ Das Gebäude lebt.
Und auch die Südostbayernbahn steht nicht still, wie der Kundenbeirat der SOB, Wilhelm Mack, deutlich machte. Er spannte den Bogen von der Barrierefreiheit bis zur Inbetriebnahme der niveaugleichen Gleisquerungen am Nordkopf des Bahnhofs. „Ein weiterer großer Mosaikstein und ein großer Gewinn ist das für Personen mit Mobilitätseinschränkungen.“
Neue Züge zum Fahrplanwechsel 2028/29
„Doch zu den barrierefreien Bahnsteigen gehören natürlich auch die passenden Züge, die es ermöglichen, barrierefrei einzusteigen“, so Mack weiter. Es sei ein Anliegen der Fahrgäste, dass der schon etwas betagte VT 628 möglichst bald komplett durch den VT 642 ersetzt werde. Laut SOB soll das bis zum Fahrplanwechsel 2028/29 erfolgen. Vorteil der neuen Züge: Sie sind klimatisiert. „Man muss also auch nicht mehr saunieren!“, freute sich Mack, der sich auch für die Dekarbonisierung aussprach. Konzepte, die etwa auch eine Elektrifizierung bis Landshut vorsehen, seien im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. „Sie warten nur darauf, dass sich das Parlament damit befasst!“
Heimatforscher Walter Jani, der einige Schautafeln zur Geschichte der Bahn rund um Neumarkt-St. Veit mit Zeitungsausschnitten und Bildern aufgestellt hatte, verglich die Eröffnung der Bahnlinie Mühldorf–Neumarkt mit einem „Sprung in die Neuzeit“. Quasi aus dem Stegreif heraus referierte Jani zur Geschichte der Bahn, geizte nicht mit seinem erstaunlichen Wissen zur Bahn in Neumarkt und beeindruckte bei der Aufzählung der Modernisierungsmaßnahmen mit den passenden Jahreszahlen.
Gleiches wird der Heimatkundler übrigens wiederholen, wenn er zum Thema „150 Jahre Bahnhof Neumarkt-St. Veit“ am Dienstag, 21. Oktober, um 19 Uhr im Gasthaus Vitusstüberl zum Lichtbildervortrag einlädt (freier Eintritt).
Weit mehr
als nur Technik
Obermayer dankte Walter Jani für die Konzeption der Ausstellung, die „die Vergangenheit lebendig werden lässt“. Die Bahnlinie nach Neumarkt sei weit mehr als Technik. „Sie ist Heimat, Fortschritt und Identität. Mein großer Dank gilt allen, die seit Generationen diese Strecke gestalten – allen voran natürlich unseren engagierten Mitarbeitenden.“