Waldkraiburg – Es war ein gelungener „Tag der Heimat“, zu dem der Kreisverband Mühldorf des Bundes der Vertriebenen (BdV) ins Haus der Kultur in Waldkraiburg eingeladen hatte. Vorsitzender Georg Ledig konnte sich in seiner Begrüßung über einen vollen Saal freuen, im Publikum war auch eine Reihe von Ehrengästen: der Bundesvorsitzende des BdV, Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer war ebenso gekommen wie Landrat Max Heimerl, Landtagsmitglied Markus Saller, Bezirksrätin Claudia Hausberger sowie Bürgermeister Robert Pötzsch.
Einmarsch der
Fahnenabordnungen
Feierlich begann die Veranstaltung, musikalisch umrahmt von der Blaskapelle der Banater Schwaben, mit dem Einmarsch der Fahnenabordnungen der Landsmannschaften und mit dem gemeinsamen Singen der Bayernhymne. Auch die traditionelle, würdige Ehrung verstorbener Mitglieder stand am Anfang der Veranstaltung. Vorsitzender Georg Ledig ging dann auf das Motto des Tages ein: „80 Jahre Erinnern – Bewahren – Gestalten“ und er stellte eine Frage, die ihn selbst sichtlich berührte:
„Nach dem großen Weltkrieg mit seinen unendlich vielen Toten, mit den schweren Folgen von Flucht und Vertreibung – haben die Menschen nichts daraus gelernt?“ Die aktuellen schweren kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt sollten für alle Menschen eigentlich ein „Weckruf“ sein, endlich auf Friedensverhandlungen zu setzen, denn dies wäre eine bessere Lösung als das andauernde und sinnlose Töten und die Vertreibung von Menschen. Das Motto des Tages griff auch Bürgermeister Robert Pötzsch auf: „Die Erinnerung an die Heimat, das Bewahren der Tradition und das Gestalten der Zukunft in einer neuen Heimat gehören untrennbar zusammen“, so der Bürgermeister. Der Arbeit des BdV und der Landsmannschaften sprach der Bürgermeister Dank und Hochachtung aus, denn: „Die Heimat entsteht immer wieder neu und sie wird von engagierten Menschen getragen.“ Eine sehr schöne Einlage gab es dann von der gemischten Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen: Sie tanzten in ihren traditionellen Trachten den „Walzer für Christine“. Einstudiert hatte den Auftritt Sarah Michelle Müller, für sie und ihre Gruppe gab es viel Applaus. In einem sehr persönlichen Grußwort erinnerte sich Landtagsabgeordneter Markus Saller an seine eigene Familiengeschichte, auch ein Teil seiner Vorfahren kam aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach anstrengender und gefährlicher Flucht nach Neumarkt-St. Veit, hier bauten sie sich eine neue Existenz auf, mit großem Fleiß und Durchhaltevermögen. Die Vertriebenen hätten sich mit ganzer Kraft eingebracht, „sie haben dieses Land nach dem Krieg mit aufgebaut“, hielt er fest. Die Erinnerung an diese Zeit wachzuhalten sei eine wichtige Aufgabe für den BdV und die Landsmannschaften, die jede Unterstützung verdient habe.
Größte Vertriebenen-Stadt in Bayern
Ehrengast Stephan Mayer, erst kürzlich in der Nachfolge des Waldkraiburgers Bernd Fabrizius zum Vorsitzenden des BdV auf Bundesebene gewählt, nannte mit Blick auf die Zeit nach dem Krieg Mühldorf einen besonderen Landkreis und Waldkraiburg eine besondere Stadt. Hier im Landkreis sei die größte „Vertriebenen-Stadt“ Bayerns entstanden, und das gewissermaßen aus dem Nichts und mit dem Fleiß der Menschen, die sich nach dem Verlust der alten eine neue Heimat aufbauen wollten. Das Ende des Zweiten Weltkrieges, der Beginn von Flucht und Vertreibung – ohne diese Ereignisse hätte es die Gründung der Stadt nicht gegeben.
Unbeschreibliches
Leid stand am Anfang
Doch das Leid davor sei unbeschreiblich gewesen: „Millionen von Menschen starben im Krieg, Hunderttausende von Menschen auf der Flucht. Und wir können es auch heute noch, ohne Gefühle der Rache, klar aussprechen. Diese Vertreibung war wie jede Vertreibung ein Verbrechen an der Menschlichkeit.“ In der Bundespolitik will Stephan Mayer als BdV-Bundesvorsitzender weiter Einsatz bringen: „Der BdV ist nicht unpolitisch, sondern überparteilich – ich werde deshalb Lösungen für Probleme wie die Fremdrentenfrage auf allen Ebenen ansprechen: Die Regierung hat die Verpflichtung, zu liefern, darum kümmere ich mich“, sicherte er unter dem Applaus der Zuhörer zu. Wichtig sei ihm auch die politische Bildung in diesem Bereich, denn die Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung werden immer weniger, deshalb: „Wir müssen von einer Erlebnis- zu einer Bekennergeneration werden“, so Mayer. Eine interessante Ankündigung hatte der BdV-Bundesvorsitzende ebenfalls mitgebracht: Der nächste „Sudetendeutsche Tag“ soll im kommenden Jahr im tschechischen Brünn stattfinden, dies sei ein klares Signal für ein „Aufeinanderzugehen“.
„Viel geleistet für die
neue Heimat“
Landrat Max Heimerl bezeichnete die Landsmannschaften und die Vertriebenen als „integrierten und integrativen“ Teil des Landkreises. „Sie alle haben viel geleistet für die neue Heimat“, unterstrich der Landrat. Heimerl regte an, dass sich die Landsmannschaften in Sachen Heimatforschung gerne mit der Heimatpflege des Landkreises zusammentun sollten, denn beide hätten das gleiche Interesse: die Erinnerung an die Heimat zu bewahren und diese Erinnerungen in die Zukunft zu tragen. Den Abschluss des Tages der Heimat bildete ein detailreich ausgearbeiteter Vortrag von Waldkraiburgs Stadtarchivar Konrad Kern. Mit Bildern und Fakten beschrieb er die Geschichte der Stadt Waldkraiburg und er vergaß auch nicht, die „Gründerväter“ zu würdigen.