Ausstellung „25 Jahre Kreisheimatpflege“ im Mühldorfer Haberkasten feierlich eröffnet
Volkskultur sichern und bewahren
Mühldorf – Im ersten Stock des Haberkastens wurde die Ausstellung „Heimat kennen. Heimat lieben. Heimat pflegen“ feierlich eröffnet. Anlass dafür war das 25-jährige Bestehen der Kreisheimatpflege für Volksmusik und Brauchtum im Landkreis Mühldorf.
Zahlreiche
Gäste
Dazu konnte Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner eine Reihe illustrer Gäste begrüßen: Der frühere Staatsminister Dr. Marcel Huber war ebenso erschienen wie Dekan Klaus Vogl, Landrat Heimerl und die Bezirksräte Claudia Hausberger und Martin Wieser. Vonseiten der Stadt waren Bürgermeister Michael Hetzl und seine Stellvertreterin Ilse Preisinger-Sontag anwesend. Auch der ehemalige Landrat Georg Huber hatte sich mit seiner Ehefrau Eva die Ehre gegeben.
Reinhard A
und Reinhard B
Landrat Max Heimerl eröffnete die Veranstaltung: „Die Kreisheimatpflege ist seit 25 Jahren ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in unserem Landkreis. Seit 2007 sind dazu Dr. Reinhard Baumgartner und Reinhard Albert bestellt, Reinhard A und Reinhard B, wie sie sich selbst oft humorvoll nennen.“ Sie sicherten und bewahrten die regionale Volkskultur und seien dabei auch immer musikalisch tätig. Die beiden Kreisheimatpfleger (sie musizieren auf Zither und Bass) wurden durch Gitti Albert (Hackbrett), Therese und Anderl Keil (Gitarre und Harfe) zum Quintett. Sie glänzten unter anderem mit einem Musikstück von Theo Spagl und dem bekannten Lied vom „Herzog Max“. Ein weiterer Dank des Landrats ging an Museumsleiter Korbinian Engelmann, Stadtarchivar Edwin Hamberger und Geschichtskoordinator Daniel Baumgartner, die alle drei unterstützend mitgearbeitet hatten.
Dr. Reinhard Baumgartner trat als Nächster ans Rednerpult: „Die hier ausgestellten Dinge machen Mut, weil es Menschen gibt, die sich für Erhalt und Pflege der Heimat einsetzen. Ich bin glücklich und stolz, dass zwei Landräte, Georg Huber und Max Heimerl, uns immer bei unserer Arbeit unterstützt haben und dies auch weiterhin tun werden.“
Es sei schön, dass im Landkreis Mühldorf überhaupt Kreisheimatpfleger bestellt würden. Das sei nicht überall so. Nach einer Umfrage der Liz-Mohn-Stiftung befürworteten 64 Prozent der Bundesbürger eine staatliche Kulturförderung.
Sicherheit
und Halt geben
Dazu zitierte Baumgartner den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Die Veränderungen, die wir derzeit erleben, können den Menschen Angst machen.“ Die Kreisheimatpflege könne der Gesellschaft Sicherheit und Halt geben.
Als Hauptredner konnte der frühere bayerische Minister, Dr. Marcel Huber aus Ampfing, gewonnen werden, der den Festvortrag „Heimat pflegen? Heimat pflegen!“ hielt: „Anfang des 18. Jahrhunderts war Heimat eher etwas Ideelles, mit Romantik verknüpft. Viele Menschen zogen in die Großstädte, wünschten sich dort aber einen Ort, wo sie Heimat verspüren konnten“, so Huber. Während des Nationalsozialismus sei der Begriff Heimat völkisch verbrämt worden, etwa in „Heimatfront“. Das deutsche Volk sollte in nationalsozialistischem Sinne von anderen Völkern abgegrenzt werden. Heute sei Heimat eher global, so Huber weiter. Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiere, erfahre man es sofort. Nachdenklich merkte Huber an: „Wenn sich die Lebensweise des Menschen zur Weltoffenheit hin entwickelt, geht dann nicht etwas Heimatgebendes verloren?“ Wichtig sei der Erhalt vieler immaterieller Dinge. Materielle Dinge könne man in ein Museum stellen. Maibaumaufstellen oder Klopfersingen seien nur existent, wenn sie stattfänden. Ebenfalls wichtig sei der Erhalt von Sprache und Dialekt. Was man konkret gegen den Verlust von lokaler Integrität unternehmen könne, fragte Marcel Huber das Publikum. „Ich empfehle, es so zu machen wie die Herren Albert und Baumgartner: Noten sammeln, Zeitzeugen befragen, frühere Musik hören, Wirtshaussingen, Singen auf der Straße und noch vieles mehr.“ Er schloss mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Wer nicht weiß wo er herkommt, weiß auch nicht, wohin er geht“
Präsente
zum Abschluss
Zum Abschluss gab es Präsente für Dr. Reinhard Baumgartner und Reinhard Albert. Blumentöpfe gab es auch: Eva Huber erhielt einen, weil sie der Kreisheimatpflege 18 Jahre immer ihren Mann zur Verfügung gestellt hatte. Eva Köhr wurde als „Mutter der Kreisheimatpflege“ gedankt, Ilse Preisinger-Sontag für ihre immerwährende Unterstützung. Die beiden Musikerinnen Gitti Albert und Therese Keil wurden ebenso mit jeweils einem Blumentopf bedacht wie die drei Organisatorinnen des Abends. Gabi Haupt, Michaela Linner und Andrea Schuur vom Landratsamt hatten hierbei ganze Arbeit geleistet. Im Anschluss konnte die Ausstellung besichtigt werden.