Frieden ist niemals selbstverständlich

von Redaktion

Kreisverband der Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaften besucht Friedhof in Lommel

Mühldorf – Gegen das Vergessen startete der Kreisverband Mühldorf der Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaften eine fünftägige Fahrt nach Belgien. Mit der neuen Organisatorin Irmgard Wagner und kommissarischem Kreisvorsitzenden Georg Huber legten sie viele Kilometer zurück, um gefallener und vermisster Kameraden zu gedenken. Besucht wurde dazu der Soldatenfriedhof in Lommel/Belgien.

Die Ansprache übernahm stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag: „Wir stehen heute hier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Lommel – einem Ort der Stille, der Erinnerung, aber auch der Mahnung. Mehr als 39000 Soldaten – 542 Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg und 38569 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg – ruhen hier, viele von ihnen jung, namenlos, fern der Heimat. Ihre Schicksale sind vorwiegend verbunden mit einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte: dem Zweiten Weltkrieg. Lommel, so Ilse Preisinger-Sontag, sei ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird. Wo man spüre, dass Frieden niemals selbstverständlich ist. Offiziell eingeweiht wurde der Friedhof am 6. September 1959. Zuvor waren die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges durch den amerikanischen Gräberdienst auf fünf Sammelfriedhöfen in der Region bestattet worden. Ab 1946 begann die Umbettung der Gefallenen nach Lommel. An den Aufbauarbeiten der Gedenkstätte in Lommel beteiligten sich etwa 400 Jugendliche aus 16 Nationen. Von 13000 unbekannten Soldaten wurden nachträglich 7000 identifiziert.

Der Friedhof wird durch eine Krypta betreten. An der Statue eines Soldaten erfolgen regelmäßige Kranzniederlegungen durch ausländische Staatsvertreter. Seit 1953 betreut der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Friedhof. Er unterhält hier ein großes Informationszentrum und eine Jugendbegegnungsstätte. Im Zentrum des Friedhofs steht eine Gedenksäule, die ursprünglich auf dem Friedhof von Brüssel-Evere errichtet wurde.

Die Gräber in Lommel sprächen eine eindringliche Sprache, so Ilse Preisinger- Sontag – auch wenn sie schweigen. Sie erzählten von Krieg, Leid, Verlust und menschlichem Versagen. Doch sie seien nicht nur Mahnmale der Vergangenheit, sondern forderten auch in der Gegenwart heraus. Sie forderten auf, Fragen zu stellen: Wie konnte es so weit kommen? Was bedeutet Frieden – heute?

„Wir dürfen diese Toten nicht vergessen“, so Ilse Preisinger-Sontag. Nicht, um Schuld zu kultivieren – sondern, um aus der Geschichte zu lernen. Jeder Grabstein stehe für ein Leben, das nicht mehr zu Ende gelebt werden konnte. Für Eltern, die ihre Kinder nie wiedersahen. Für Menschen, deren Zukunft zerstört wurde – durch Hass, Ideologie und Krieg. Gerade heute – in einer Zeit, in der wieder Kriege in Europa und weltweit tobten, in der Nationalismus, Antisemitismus und Hass erneut lauter würden – sei das Gedenken wichtiger denn je. Erinnerung sei kein Rückblick, so Preisinger-Sontag. Sie sei ein Auftrag.

„Lassen Sie uns diesen Ort nicht nur mit Trauer verlassen, sondern auch mit einem festen Willen: den Frieden zu bewahren, Menschlichkeit zu leben und wachsam zu bleiben gegenüber allen Zeichen von Intoleranz und Gewalt.“

Die Ehrenwache an der Gedenksäule hielten Uwe Weber, Sepp Gebler und Werner Lohr. Musikalisch begleiteten Christine Müller und Maria Durner den Akt des Gedenkens.stn

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