Töging – „Ned scho wieda“: Entsetzt kommen diese Worte einer Helferin der Töginger Rumänienhilfe von den Lippen.
Wie jeden Freitagnachmittag sortiert die Tögingerin gemeinsam mit Kolleginnen die von Spendern zum Lager gebrachten Kleidungsstücke auf Brauchbarkeit und zur Wiederverwendung für den Transport in die rumänische Stadt Satu Mare, einer Stadt mit gut 100000 Einwohnern.
Was die Frau im Seniorenalter und die rasch herbeigeeilten Damen ähnlichen Alters im auf dem Tisch liegenden Packen gebrauchter Kleidung vorfinden, spottet jeder Beschreibung: Hemden, zum Teil mit sichtbaren Flecken oder zerrissen, unbrauchbare Socken, ungewaschene Hosen. Die krassesten Teile aber sind Unterhosen, ungewaschen und zum Teil noch mit deutlichen „Gebrauchsspuren“ behaftet.
„Pfui Deifi“ fährt es einer Helferin heraus. Und tatsächlich: Immer häufiger kommt es in jüngerer Zeit vor, dass solche „Kleidungsstücke“ als „Spende“ in der Rumänienhilfe landen. Man müsse aber schon feststellen, dass eine große Prozentzahl an gelieferter Kleidung in ordentlichem Zustand ist und für einen Transport an die Bedürftigen infrage kommt, betont Juliane Einöder, die die Helfer-Organisation, die mittlerweile unter dem Dach des BRK Altötting ist, vor mehr als drei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat.
Beim Anblick dieser Wäscheteile kommt aber auch ihr das Grausen. „Haben denn solche Leute keine Achtung vor der Würde anderer Menschen“, ist die 81-jährige Trägerin des Bundesverdienstkreuzes fassungslos. Und auch die anderen knapp zwei Dutzend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind am Verzweifeln und seien daran, langsam die Freude und Lust an der Arbeit zu verlieren, war den verschiedenen Kommentaren zu entnehmen.
„Ich mache die Arbeit in der Rumänienhilfe jetzt schon eine halbe Ewigkeit, aber solche Sachen….einfach ekelig!“ sagt eine der Helferinnen. Allein der Gedanke, die zahllosen Straßenkinder, Suchtkranken, Behinderten oder betagten Menschen, die am Rande der Gesellschaft stünden und von den rumänischen Behörden oftmals vernachlässigt würden, mithilfe der dortigen Caritas zu betreuen, motiviere für ein weiteres soziales Engagement.
„Wir dürfen in unserem Bestreben nicht nachlassen, gerade den Kindern und Jugendlichen mit unserer Hilfe eine Zukunftsperspektive in ihrem Leben zu schaffen“, bringt es Juliane Einöder auf den Punkt. Die Bitte der Helfer an die Spendenwilligen: „Bitte helft uns auch weiterhin mit sinnvollen Spenden.“
Gebraucht werden Hilfsgüter wie Gebrauchtmöbel, Matratzen und Lattenroste, Kleidungsstücke, medizinische Artikel, Spielsachen oder andere nützliche Dinge. „Aber bitte auf keinen Fall verdreckte und unbrauchbare Kleidungsstücke oder andere derartige Güter“, lautet deren Anliegen. Freilich seien auch Geldspenden zur Finanzierung der Hilfstransporte willkommen. „Dafür ein herzliches Dankeschön“, sagen die Helfer schon jetzt.
Angeliefert werden können die Güter im Depot der Hilfsorganisation jeweils am Freitag (außer an Feiertagen) von 12.30 bis 16.30 Uhr in Töging, Innstraße 20 (ehemaliges Innwerk-Gelände). bum