Waldkraiburg/Aschau – Anstatt anzuhalten, hat ein 19-Jähriger aus Waldkraiburg in der Nacht auf vergangenen Freitag aufs Gas gedrückt – offenbar, um nicht von der Polizei kontrolliert zu werden. Doch der Versuch scheiterte: Die Flucht des jungen Mannes endete in einem Feld neben dem Kreisverkehr bei Tann – mit einem völlig zerstörten Auto.
„Doppelflucht in Kraiburg“, „Motorradfahrer flüchtet vor der Polizei und landet gefesselt auf Dienststelle“ oder „Mercedes-Raser liefert sich Verfolgungsjagd mit der Polizei und rammt mehrere Streifenwagen“ – immer wieder kommt es zu solchen Szenen.
Tagesgeschäft
für die Beamten
Eine Zunahme sei allerdings nicht zu beobachten, sagt Thomas Opetnik, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg. „Allgemeine Verkehrskontrollen gehören zum Tagesgeschäft der Beamten. Nur ganz wenige versuchen, sich dem zu entziehen.“ Über die Gründe kann Opetnik nichts sagen. „Man kann nicht in die Menschen hineinschauen, was sie in dem Moment reitet.“
Der junge Fahrer jedenfalls beschleunigte sofort, als er die Polizisten bemerkte – „nahezu bis zur Maximalgeschwindigkeit“, wie es im Bericht der Polizei heißt. Die Beamten gehen davon aus, dass der Fahrer doppelt so schnell unterwegs war wie erlaubt. Mit deutlich überhöhtem Tempo raste der Mann zunächst durch das Stadtgebiet, ehe „er sich grob verkehrsgefährdend und rücksichtslos in Richtung Aschau entfernen wollte“. Mit jedem Meter wächst die Gefahr – nicht nur für den Fahrer oder die Beamten, sondern auch für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Weil das Fahrzeug zeitweise so schnell war, brachen die Polizisten die Verfolgung schließlich ab. „Es besteht dann ein erhöhtes Gefährdungspotenzial und irgendwann ist Schluss. Ansonsten gefährden Beamte sich selbst und andere, wenn man weiter dieses Tempo mitgeht“, erklärt Opetnik. Schließlich seien auch zu später Stunde gegen 0.20 Uhr noch Menschen unterwegs. Ein Fahrer auf der Flucht fühle sich getrieben, solange er das Blaulicht im Rückspiegel sehe. „Die kennen in diesem Moment nur die Flucht“, sagt Opetnik. Dann würden auch die Grenzen verschwinden. „Wir wollen niemanden zu einem Unfall treiben, deshalb lassen die Beamten dann auch abreißen“, fährt er zum Vorgehen der Beamten fort. Nicht aber ohne vorher eine koordinierte Fahndung einzuleiten, um einen flüchtenden Fahrer mit Unterstützung anderer Streifenwagen zu stoppen. Weit kam der 19-Jährige allerdings nicht: Am Kreisverkehr „Tann“ verlor der Fahranfänger die Kontrolle über sein Fahrzeug, kollidierte mit mehreren Verkehrszeichen, überfuhr die Verkehrsinsel und kam nach mehreren Metern in einem angrenzenden Feld zum Stehen. Vor Ort stellte sich schnell heraus, warum der junge Mann geflohen war: Der Waldkraiburger stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln, teilt die Polizei mit. „Der Führerschein ist ein hohes Gut. Wenn der weg ist, bricht für manchen eine Welt ein“, meint Opetnik. Ob das tatsächlich der Grund für die Flucht gewesen sei, „werden wir wahrscheinlich nicht erfahren“. Die Konsequenzen sind jedoch deutlich: Neben den Kosten für den annähernd vollständig zerstörten Wagen erwartet den Fahrzeugführer nun eine Strafanzeige wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens und Gefährdung des Straßenverkehrs. Sein Führerschein wurde sichergestellt.
Raphaela Lohmann