Altötting/Mühldorf – Das InnKlinikum will am Standort Altötting ab dem Frühjahr 2026 Gebühren von Parkplatznutzern verlangen. „Wir möchten mit der Parkraumbewirtschaftung erreichen, dass die Patienten und Besucher einen Parkplatz nahe des Eingangsbereiches der Klinik finden und somit kurze Wege in die Klinik haben“, erklärt Klinikleiter Stefan Todtwalusch auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Im Moment ist das leider kaum möglich, weil diese Parkplätze von externen Dauerparkern, aber auch von Klinikmitarbeitern belegt sind.“ Details wie die Parkdauer und Gebührenhöhe würden derzeit noch geprüft.
Anfang Juni hatte Klinik-Vorstand Thomas Ewald auf einer Personalversammlung die Pläne zur Parkraumbewirtschaftung am Klinikstandort Altötting bekannt gegeben. Diese Pläne der Klinikleitung stießen auf breite Ablehnung innerhalb der Belegschaft.
Denn die Mitarbeiter befürchten, dass auch sie zur Kasse gebeten werden könnten. Und das nur, weil sie, um ihre Arbeit im Haus erledigen zu können, eben ihr Auto irgendwo abstellen müssen. Tagsüber sind rund 400 Beschäftige in der Klinik gleichzeitig im Dienst.
1057 Unterschriften bei einer Belegschaft von rund 1600 wurden im InnKlinikum gegen Parkgebühren für Mitarbeiter gesammelt. Am Montagnachmittag fand, unterstützt von der Gewerkschaft Verdi, eine Kundgebung vor dem Klinikeingang statt. Gut 20 Personen versammelten sich rund um das Banner mit der Aufschrift „1057 Beschäftige fordern: Keine Parkgebühren für Mitarbeiter:innen; Beteiligung des Personalrats an der Planung“.
Klinik-Vorstand Thomas Ewald war verhindert, präsentierte zeitgleich zur Kundgebung die Klinikzahlen im Kreistag. Deshalb erschien Stefan Todtwalusch, Leiter des Klinikstandorts Altötting. Die große Aufregung könne er nicht nachvollziehen.
Zu den Teilnehmern der Kundgebung sagte er: „Es ist seit drei Monaten bekannt, dass Mitarbeiter-Parkplätze nichts kosten werden. Ich stehe zu meinem Wort. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Für die Mitarbeiter ändere sich am Fußweg vom Parkplatz zur Klinik nicht viel, da der Parkraum insgesamt gleich bleibe.
Anregungen aus der Belegschaft, wie etwa eingangnahes Parken zur Nachtzeit oder Handwerkerregelungen, würden mit in die Überlegungen einbezogen; ebenso der Personalrat, aber erst, wenn das Grundkonzept stehe. Mit Verweis auf einen anderen Termin verabschiedete er sich.
„Wenn alles so glasklar wäre, dann hätten nicht über 1000 Leute unterschrieben. Die Unsicherheit ist groß“, kommentierte Heber diese Aussagen. „Monatlich 60 bis 70 Euro nur um für die Arbeit zu parken, das ist Geld, dass am Monatsende fehlt.“ Es herrsche „gesundes Misstrauen“, was auch eine Klinik-Angestellte bestätigte, die den Zusicherungen der Klinikleitung nicht 100-prozentig trauen könne.
Das Konzept müsse mit den Mitarbeitern erarbeitet werden, und eine Einigung „gehört in einer freiwilligen Betriebsvereinbarung verschriftlicht“, so der Mann von Verdi. Er unterstellte, dass beim InnKlinikum in Zeiten leerer Krankenhauskassen wohl auch die Aussicht auf lukrative Zusatzeinnahmen durch Parkgebühren eine Rolle spiele. „Bei 1600 Mitarbeitern macht es eine Menge aus, wenn man auch euch hätte schröpfen können.“
Das Handeln der Belegschaft habe das erfolgreich verhindert, habe zu einem Umdenken in der Chefetage geführt. „Wir wussten von diesen Parkraumüberlegungen nichts, waren nicht daran beteiligt, wurden nur informiert“, so Personalratsvorsitzender Vinzenz Grätz. „Wir wollen aktiv mitentscheiden.“ Es gehe vor allem darum, in einer Betriebsvereinbarung verbindlich festzuschreiben, dass Mitarbeiter weiterhin kostenlos parken können. Es müssten aber auch Einzelheiten, wie Regelungen für die nächtliche Rufbereitschaft oder behinderte Mitarbeiter ausgearbeitet werden. „Um die Mitarbeiter sinnvoll vertreten zu können, müssen wir an einem Tisch sitzen!“
Die Belegschaft habe erst vor zwei Wochen zum ersten Mal schwarz auf weiß gesehen, dass ihre Parkplätze gebührenfrei bleiben sollen, betonte Grätz´ Stellvertreter Stefan Wienzl. Es war in der Einladung zu einer von der Geschäftsleitung einberufenen Mitarbeiterversammlung zu lesen. Vorher sei das kostenlose Mitarbeiterparken nur als „eine mögliche Variante“ genannt worden.
„Wir wollen keine Krawalle, wir wollen mitwirken und es gemeinsam meistern“, betonte Wienzl die Bereitschaft des Personalrats an der Zusammenarbeit. In den nächsten drei Wochen stehen zwei Versammlungen für alle Mitarbeiter an. Am 30. Oktober, die auf Einladung der Klinikleitung, am 11. November lädt der Personalrat ein.
„Im Juli wurde seitens der Klinikleitung klar und unmissverständlich kommuniziert, dass unsere Mitarbeiter kostenfrei auf den für sie vorgesehenen Flächen parken können,“ so Todtwalusch. „Für uns ist es unverständlich und irritierend, dass eine Kundgebung zu einem Thema durchgeführt wurde, das eigentlich schon seit Monaten keines mehr ist.“
„Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn der örtliche Personalrat in Altötting einerseits eine Kommunikation und Beteiligung auf Augenhöhe fordert, andererseits aber diesen Pfad selbst verlässt. Wir sehen uns regelmäßig und wünschen uns für die Zukunft wieder den kurzen Draht zueinander, ganz speziell für Themen, bei denen es Diskussions- und Klärungsbedarf gibt.
Die „verschwindend geringe Beteiligung von knapp einem Prozent der Altöttinger Belegschaft an der Kundgebung“ werte er als Vertrauensbeweis für die Klinikleitung.
Die Parkraumbewirtschaftung ist nur für den Standort in Altötting geplant, nicht für Burghausen und Haag. In Mühldorf gibt es sie schon seit einigen Jahren für einen kleinen Bereich direkt am Klinikum. Der große Parkplatz an der Ahamer Straße, auf dem vor allem die Mitarbeiter parken, ist kostenlos. Christa Latta