Neumarkt-St. Veit – Schon morgens stellten sich Gratulanten im Haus vom „Trager-Reserl“ ein. Darunter Zweiter Bürgermeister Egbert Windhager, der die Glückwünsche der Stadt mit im Geschenkkorb hatte. Die große Feier fand dann im Restaurant statt, wo sie ihre über fünf Dutzend Gäste mit einem Gedicht empfing. „I bin im Wirtshaus geboren“, begrüßte Neumarkts bekannteste ehemalige Wirtin Reserl ihre Gäste an ihrem Jubeltag mit einem Gedicht. Darin schilderte sie ein wenig den Lebenslauf und besonders nennenswerte Erlebnisse.
Eltern übernahmen
1938 den Gasthof
Aus Roßbacher Bauernfamilien stammten ihre Eltern, die 1938 den Gasthof „Schandlbräu“ am Stadtplatz übernahmen. Die junge Mutter starb 1940 bei Reserls Geburt.
Die kleine Resi lebte zuerst bei der Schiller-Oma in Albing. Als 1941 der Vater durch Heirat wieder eine Frau gefunden hatte, kam das Kind zurück nach Neumarkt, wo sie den Kindergarten und die Schule besuchte. Da eine Landwirtschaft zum Anwesen gehörte, war ihr schon als Schulkind der „Wirtshausbetrieb“ vertraut. Der machte ihr Freude, und den Gästen gefiel ihre offene, fröhliche Art.
Sie besuchte die kaufmännische und später auch die hauswirtschaftliche Berufsschule in Mühldorf. Erst später konnte sie durch Praktika in renommierten Häusern ihr Können in der bayerischen Küche erweitern und festigen. Als sie 19 war, verstarb ihr Vater. Zuerst führte noch die Mutter die Gaststätte.
Nach der Heirat mit dem Metzger Günter Kaltenberger übernahm Reserl das Bauernwirtshaus und entwickelte es zu einem weitum bekannten Speisegastronomie-Betrieb. Mit Leib und Seele war sie Wirtin. Die Gäste waren ihre Familie. Und das spürten diese auch. Leider blieb ihre Ehe kinderlos, und sie scheiterte nach zwei Jahrzehnten. 1982 fand sie in Hans Schütz einen treuen Begleiter und eine tatkräftige Hilfe im Gasthaus. Es folgten etliche harmonische Jahre.
Von Anfang an war die Trager-Resi auch eine feste Institution im Neumarkt-St. Veiter Fasching. Sie war Faschingsprinzessin, Gardetrainerin und -betreuerin, Zeugwartin, Vorstandsmitglied der Faschingsgesellschaft Rottalia und zusammen mit dem Gruber Franz jahrzehntelang die Stimmungskanone am Faschingsdienstag. Beim Donislbetrieb im Fasching platzte ihr Lokal meist aus allen Nähten: Ihre Leberknödelsuppe oder Weißwürste gehörten zu jedem der damals häufigen Faschingsbälle in der Stadt und Region. Bei jedem Spaß und „Ramasuri“ war sie vorne mit dabei. Sie war auch Mitglied der Liedertafel und als Wirtin für viele Vereine auch Sponsorin.
Und natürlich verfolgte sie das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in ihrer Heimatstadt mit großem Interesse. Neben der Tageszeitung dienten ihr da manche Stammtische als Quelle. Sie war verschwiegen, so diente sie manchem Gast spätabends sogar als Therapeutin.
Sie übernahm zahlreiche Patenschaften in armen Ländern. Auf ihren häufigen Reisen sah sie viel Wunderbares, aber sie bemerkte eben auch das „Nicht so Schöne“. Sie wollte und konnte spontan helfen.
Zu zweien ihrer „Kinder“ aus Ecuador wurde die Bindung durch Besuche besonders intensiv. Als ihre Gaststätte am 31. Juli 2015 einem Bankhaus weichen musste, da litt die halbe Stadt mit der Tragerwirtin mit.
Manchmal schmerzende Knie und Herzklopfen
Nun ist das „Trager-Reserl“, wie sie auch heute immer noch genannt wird, auch schon 85 Jahre alt – manchmal mit schmerzenden Knien und Herzklopfen. Aber sie hat einmalige Erinnerungen an das Leben als Wirtin im Dienst an ihren Gästen und der Bevölkerung nicht nur des Heimatortes.
Nicht verloren hat sie ihren Humor und die Lebensfreude, „die mir der Herrgott vielleicht noch zum Dank für meine guten Taten und Worte als Wirtin weiterhin gönnen wird“, wünscht sie sich. Ein verständlicher Wunsch, den ihr alle gönnen.