Auch erfahrene Radler fühlen sich unsicher

von Redaktion

„Verkehrswende Mühldorf“ stellt „Wunschradwegenetz“ mit Haupt- und Nebenrouten vor

Mühldorf – „Mit diesem großartigen Echo hatten wir nicht gerechnet!“, freute sich Heidi Kückelhaus, Sprecherin der Initiative „Verkehrswende Mühldorf“. Über 100 Interessierte kamen, um die Vorschläge eines Projektteams für sicheres Radfahren und ein fahrradfreundliches Mühldorf kennenzulernen. Ausgangspunkt war die Frage, warum in der Kreisstadt trotz kurzer Wege und vieler Vorteile nur wenige Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Als Hauptgrund wurde genannt, dass sich selbst erfahrene Radler oft nicht sicher fühlen – ein Eindruck, den die Unfallstatistik bestätigt: 2023 waren bei fast der Hälfte aller Unfälle mit Personenschaden Radfahrer betroffen. Daten aus dem ADFC-Fahrradklimatest belegen, dass Mühldorf in puncto Fahrradfreundlichkeit deutlich hinter anderen Städten zurückbleibt. Dem setzte die Initiative eine positive Vision entgegen: „Alle Menschen sollen in Mühldorf ganzjährig sicher und zügig Rad fahren können – Kinder ebenso wie ältere Menschen!“

Um diesem Ziel näherzukommen, entwickelte ein Team in zweijähriger Arbeit ein „Wunschradwegenetz“ mit Haupt- und Nebenrouten sowie konkreten Verbesserungsvorschlägen. Margit Seifert stellte die wichtigsten Abschnitte vor – mit Fokus auf unfallträchtige Hauptachsen und den Schülerverkehr.

Kreuzung nach
niederländischem Vorbild

Für die stark befahrene Innkanalkreuzung wurde eine „geschützte Kreuzung“ nach niederländischem Vorbild vorgeschlagen, bei der Auto-, Rad- und Fußverkehr klar getrennt werden. Ähnliche Ideen gibt es für die Auerkreuzung südlich der Bahnlinie, wo im Berufs- und Schülerverkehr oft gefährliche Situationen entstehen. Durch geänderte Verkehrsführung und getrennte Ampelschaltungen könnten hier klare und sichere Abläufe geschaffen werden. Ein weiterer Vorschlag betrifft die Innbrücke: Durch Wegnahme einer Autospur könnte auf der Nordseite zwischen Giggenbachstachus und Altöttinger Straße ein Zweirichtungsradweg entstehen – eine deutliche Verbesserung der Verbindung zum Volksfestplatz und zu den Sportanlagen, ohne den Autoverkehr wesentlich einzuschränken.

Auch für das Bahnhofsumfeld, die Altstadt und verschiedene andere Routen wurden praktikable Maßnahmen erarbeitet, viele davon kurzfristig umsetzbar. So könnte etwa eine Ver bindung von der Altstadt zur Münchner Straße über den Altmühldorfer Weg entstehen. Fahrradstraßen und durchgängige Markierungen sollen den Radverkehr bündeln und von Engstellen ablenken. Gefordert wurden außerdem Bahnunterführungen an der Egglkofen- straße und am Leitenfeld. Wo Platz für eigene Radwege fehlt, soll Tempo 30 die Sicherheit erhöhen. Ergänzend schlug das Team einen Fernradweg entlang der alten B 12 bis Ehring vor.

Zur Umsetzung der Vorschläge plädiert die Initiative für einen Beitritt Mühldorfs zur Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK). Diese vom bayerischen Verkehrsministerium unterstützte Organisation umfasst über 130 Städte und Gemeinden, darunter Traunstein und Freilassing. Eine Mitgliedschaft würde ein systematisches Verfahren zur Entwicklung und Umsetzung eines Radverkehrskonzepts eröffnen – vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt zu.

Das Publikum reagierte durchweg positiv. In der von Mechthild Appold moderierten Diskussion wurden zahlreiche Anregungen eingebracht. Eltern beklagten, dass ihre Kinder nicht selbstständig – etwa zum Freibad – radeln könnten. Bedauert wurde die Rücknahme der Fahrradspur am Giggenbachstachus.

Weiterführung des
Radwegs gewünscht

Gewünscht wurden unter anderem eine Weiterführung des Radwegs an der Mainstraße sowie die Wiederherstellung der verkehrsberuhigten Zone in der Ledererstraße. Auch der Ruf nach einem autofreien Stadtplatz fand großen Beifall. Teilnehmer Andreas Krischke forderte grundsätzliche Lösungen: Da auf dem Ring um die Altstadt kein Platz für sichere Radwege sei, schlug er Einbahnverkehr für Autos gegen den Uhrzeigersinn vor. So könnten Radfahrer in beide Richtungen sicher unterwegs sein, bei minimalem Zeitverlust für den Kfz-Verkehr. Mehrere anwesende Politiker – darunter Claudia Hungerhuber (SPD), Dr. Reinhard Wanka (UM) und Sophie Sontag-Lohmeier (CSU) – lobten das Engagement der Initiative und signalisierten Bereitschaft, die Radverkehrsförderung voranzubringen.

Die Initiative „Verkehrswende Mühldorf“ kündigte an, ihre Ergebnisse der Stadt zur Verfügung zu stellen, sobald diese die Verbesserung der Radverkehrssituation angeht. Lydia Kraft regte außerdem eine Exkursion in Mühldorfs neue Partnerstadt Salzburg an, die in Sachen Radverkehr als Vorbild dienen könne. Zum Abschluss wurden alle Anwesenden eingeladen, sich aktiv bei der Verkehrswende Mühldorf zu beteiligen. Die Initiative engagiert sich nicht nur für Radler, sondern auch für Fußgänger, den öffentlichen Nahverkehr und ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept. Treffpunkt ist jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Café am Inn (Innauenstraße 4). Die Präsentation und ein kurzer Videobericht sind auf www.verkehrswende-muehldorf.de abrufbar.

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