Rechtsextreme Schmierereien

von Redaktion

In Schwindegg ermittelt der Staatsschutz – Zeugen gesucht

Erwin Ebert Fotos Sutherland

Schwindegg – Am gestrigen Donnerstagvormittag stand das Beschwerdentelefon von Schwindeggs Bürgermeister Roland Kamhuber nicht mehr still. Im ganzen Ort sind Schmierereien mit staatsgefährdender Symbolik und rechtsextremem Inhalt aufgetaucht: zum Beispiel am Bahnhof, auf der Hauptstraße vor der Metzgerei und vor dem Bäcker, kurz vor der Tankstelle sowie in der Unterführung in der Auenstraße.

Tatzeit zwischen
22 und 6 Uhr

Als Tatzeit vermeldet die Polizei Mühldorf die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zwischen 22 und 6 Uhr. Ein Unbekannter hat „mit weißer, dünner Sprühfarbe“, so die Pressemitteilung, hauptsächlich im Bereich der Mühldorfer Straße, der Staatsstraße und der Auenstraße die Fahrbahn, Gehwege, Unterführungen, diverse Mauern und zum Beispiel Stromverteilerkästen beschmiert. „Angebracht wurden unter anderem AfD-Schriftzeichen, Hakenkreuze, Penis-Schmierereien und weitere Sprüche, die dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen sind“, schreibt Maximilian Maier von der Polizeiinspektion Mühldorf.

Nach Beweisaufnahme
übermalt

Bürgermeister Roland Kamhuber war im Austausch mit der Polizei. Die stellte fest, es handelt sich um Sachbeschädigung und inhaltlich um eine „größere Hausnummer“, bei der der Staatsschutz ermitteln muss. Die Polizeibeamten haben die Schäden sofort aufgenommen und die Beweise gesichert. Danach konnte die Gemeinde die Schmierereien entfernen. Die Schadenshöhe ist noch unbekannt.

„Wir nehmen die Sache sehr ernst und sind dran, dass sie zur Aufklärung gebracht wird“, betont Bürgermeister Kamhuber gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Kamhuber verweist auf die kommende Kommunalwahl: Dabei handele es sich um „eine Persönlichkeitswahl, bei der wir alle zusammenstehen müssen als Demokraten. Wir wollen für unseren Ort das Beste.“

Franz Langstein, Vorsitzender des Vereins „Für das Erinnern“, kann nicht verstehen, warum man solche Zeichen verwendet: „Es soll damit die öffentliche Ordnung provoziert werden und die demokratische Grundordnung. Ich denke, da sind keine organisierten Gruppen unterwegs, dennoch bereitet es uns Sorgen, dass nicht diskutiert wird, sondern auf diese Art und Weise vorgegangen wird. Das ist äußerst ungut.“

Langstein weiter: „Nachdem, was wir wissen, was an Mord, Diktatur, Willkür und Terror ausgeübt worden ist, ist es eine Verhöhnung derer, die gelitten haben und auch eine Verhöhnung der Wehrmachtssoldaten, die für den Wahnsinn gefallen sind und der deutschen Familien, die einen Vater oder Bruder im Feld gelassen haben.“ Das sei jetzt eine Chance für Bürger zu zeigen, „wir lassen uns das nicht gefallen“. Es sei eine Chance zu demonstrieren, „wir wollen das nicht. Jeder Einzelne kann einen kleinen Teil dazu beitragen.“

Der Schwindegger Konrad Ess findet die Schmierereien „grauenvoll“. Er hofft, dass der oder die Täter geschnappt werden. Alle könnten ihren Teil dazu beitragen, die Schmierereien zu beseitigen. „Da wäre ich dabei. Es ist immer besser, dass man etwas tut.“ 

„Gehören
nicht hierher“

Erwin Ebert aus Schwindegg ruft dazu auf, sich damit auseinandersetzen. „Solche rechten Zeichen gehören nicht hierher.“ Dass der Staatsschutz ermittelt, findet er richtig. „Ich denke, hauptsächlich sind es Jugendliche und es braucht einen Appell an die Bevölkerung, sich nicht verführen zu lassen.“

„Es ist ein Einzelfall“, sagte Polizist Maier gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Viele Schmierereien, die sonst vorkommen, hätten normalerweise keinen politischen Bezug. „In dieser Form kommt es nicht so häufig vor.“

Schriftbild wird
untersucht

Die Polizei Mühldorf ermittelt jetzt in enger Abstimmung mit dem Staatsschutzkommissariat der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein, teilt Maier mit. Das Schriftbild werde unter anderem untersucht, nach Übereinstimmungen mit anderen Schmierereien geschaut, auch ermittele die Polizei, ob es vielleicht Videoaufnahmen gibt.

Die Polizei sucht Zeugen. Wer im genannten Tatzeitraum verdächtige Personen im Gemeindegebiet Schwindegg wahrgenommen hat, kann sich bei der Polizeiinspektion Mühldorf unter der Telefonnummer 08631/ 36730 melden.

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