„Naturgarten voll verdient“

von Redaktion

Garten der Familie Kreuzpointner in Mühldorf ist ein tolles Biotop

Mühldorf – Man meint, man betritt eine völlig andere Welt, wenn man den Garten der Familie Kreuzpointner in der Egglkofenstraße im Mühldorfer Norden betritt: Kein akkurat gestutzter Rasen und Blumen in Reih und Glied, sondern eine üppige und abwechslungsreiche Mischung von Bäumen, Sträuchern, Stauden, Pflanzen, Kräutern und Blumen. Kürzlich haben Stefan Zimmermann, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, und Johannes Hennersberger, Landschaftsarchitekt beim Bauhof der Stadt Mühldorf, diesen herrlichen Garten begutachtet, um zu überprüfen, ob er das Siegel „Naturgarten“ verdient hat. Besucher staunen zunächst über die Größe dieses Gartens, der sich tief hineinzieht und viel zu bieten hat. Die Familie Kreuzpointner – Mama Manuela, Papa Hans und die 24-jährige Tochter Marina – gibt bereitwillig Auskunft über ihr Schmuckstück.

Schmökern in
Gartenbüchern

Mutter Manuela kümmert sich hauptsächlich um alles, was grünt und blüht. Sie liest gerne Gartenbücher, die Zeitschrift „Kraut und Rüben“ und sieht sich Fernsehsendungen zur Gartenarbeit an. Im Garten wachsen mehrere Apfelbäume, ein Mirabellenbaum und zwei Walnussbäume. Ein Efeubaum hat nach Schätzung von Hans Kreuzpointner eine Höhe von sieben Metern und ziehe viele Insekten an, wie Hans mitteilt. Die Blumen im Kreuzpointner-Garten sind nicht die, die man in den meisten Gärten antrifft, etwa Tulpen oder Rosen. Hier gedeihen Hundsrose, Büschelrose, Polster-Glockenblume oder Mondviole. Auch Springkraut, Hohlzahn und Weißdorn sind zu finden. Die wichtigsten Kräuter sind Salbei, Liebstöckel, Spitzwegerich, Rosmarin, Mönchspfeffer und Johanniskraut. Die eher seltenen Stauden der Familie Kreuzpointner heißen Gamander oder Storchenschnabel. Ganz besonders stolz ist Mama Manuela auf ihren „Ewigen Kohl“, eine robuste, winterharte Kohlpflanze, die mehrere Jahre abgeerntet werden kann. Ernten kann man im Garten beispielsweise auch rote Johannis- oder Holunderbeeren. Das vielseitige Angebot an Pflanzen lockt natürlich auch Hummeln, Hornissen, Wildbienen und Wespen an.

Papa Hans ist vor allem für die Bienen der Familie zuständig. Das Imkern hat er auf dem Bienenhof Aham gelernt. Er nennt etwa 20 bis 25 Bienenvölker sein Eigentum; diese leben in zwei Bienenhäusern und finden im riesigen Garten reichlich Nektar. Zweimal pro Jahr kann Hans Kreuzpointner Honig ernten: den Frühjahrs- und den Sommerhonig. Stolz zeigt er auch das einzige Fahrzeug im Garten, einen älteren Bulldog der Marke Aicher. Es ist der Typ „Aicher 25“, Baujahr 1951, also 74 Jahre alt, und selbstverständlich noch fahrtüchtig und zugelassen. Tochter Marina ist hauptsächlich mit den Tieren zu Gange: „Sieben Katzen haben wir hier, demnächst gibt es die achte.“

Hier äußert die Familie ein Problem: Neben dem Garten verläuft die Bahnstrecke nach Neumarkt/St. Veit. Ein unbekannter Anwohner leert auf den Gleisen regelmäßig größere Brotreste ab. Diese locken Ratten an, die wiederum von den Katzen gejagt werden. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Katzen der Familie von Zügen überrollt. Die Familie Kreuzpointner bittet darum, dieses Brotablagern zu unterlassen. Die Tochter hat auch ihre eigene Pflanze im Garten, den Hibiskus der Sorte „Marina“.

Dieser blüht immer an Marinas Geburtstag blau. Laubhaufen wurden zusammengerecht, um Igeln das Überwintern zu ermöglichen. An der Bulldoggarage gibt es mehr als zehn Vogelhäuser, in denen unter anderem Stare nisten. Im Sommer nutzen die drei Kreuzpointners ihren Swimmingpool, der mit Salzwasser gefüllt ist. Nach Stefan Zimmermanns Einschätzung ist dies der einzige in ganz Mühldorf. Er wird mit Regenwasser gefüllt, Viehsalz wird zugesetzt.

Im gesamten Garten findet keine chemische Düngung statt; gegossen wird mit in Tonnen aufgefangenem Regenwasser. Manuela Kreuzpointner verwendet auch keinen Torf, da der Torfabbau die wenigen Moore in Deutschland gefährdet.

Sie kompostiert sich ihre Erde selbst. Am Ende des fast eine Stunde dauernden Rundgangs gelangt man an den Teich, in dem etwa 20 Goldfische leben. Diese werden von Schlangen, beispielsweise Ringel- oder Schlingnattern, gejagt. Die Schlangen sonnen sich auf den Blättern der Seerosen und versuchen, Goldfische zu fangen und zu fressen. Johannes Hennersberger ist zufrieden: „Sie haben hier im Garten ein tolles Biotop geschaffen.“ Auch Stefan Zimmermann ist voll des Lobes: „Ich habe selten einen solchen Garten gesehen wie Ihren. Sie haben sich die Zertifizierung dieses Prachtstücks als Naturgarten voll verdient.“

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