Druckluftspeicher für Schönberg?

von Redaktion

Machbarkeitsstudie soll Aufschluss geben – Abwärme kann eingespeist werden

Schönberg – Eine sogenannte „reversible Druckluftanlage“ könnte eine kostengünstige und effiziente Alternative zur Batteriespeicherung sein – vor allem, wenn Abwärme und Kälte sinnvoll genutzt werden. Die Gemeinde Schönberg ist bereits seit einigen Wochen im Austausch mit Experten, um auszuloten, ob diese neue Form der Energiespeicherung auch für die Gemeinde Schönberg infrage käme. Aufschluss darüber soll eine Machbarkeitsstudie geben, deren Kosten größtenteils gefördert werden sollen.

Patent für Speicher
vorgestellt

Wie die OVB-Heimatzeitungen bereits berichteten, hatte sich der Schönberger Gemeinderat schon in seiner September-Sitzung mit dieser Thematik beschäftigt. Bürgermeister Alfred Lantenhammer hatte damals über eine Infoveranstaltung der Firma Oberhauser in Rohrbach gesprochen, auf der ein Patent für einen reversiblen Druckluftspeicher vorgestellt wurde.

Warum eine solche Anlage ausgerechnet in Schönberg? Christian Bürger, Referent für erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe des BBV München-Rosenheim, hatte laut Lantenhammer Schönberg für geeignet gehalten, eine solche Anlage im Gewerbegebiet Eschlbach als Modellprojekt umzusetzen. Sein Argument: Die Abwärme kann in das gemeindliche Fernwärmenetz eingespeist werden.

Kostengünstiges
Speichermedium

Mit dem geplanten Umspannwerk, quasi vor der Haustür, könnte der Überschussstrom aus Photovoltaik, Windkraft und eventuell auch Biogas gespeichert und später wieder ins Netz eingespeist werden. Den größten Vorteil gegenüber herkömmlicher Batteriespeicherung sieht er darin, dass durch die Bauweise Abwärme genutzt werden könne und Luft als Speichermedium kostengünstiger zu betreiben wäre.

Die Details dazu bekam Lantenhammer nun bei einem Termin in Augsburg erklärt, wo er sich mit Gemeinderat Josef Mayrhofer den Prototyp der reversiblen Druckluftanlage bei deren Erfinder Georg Tränkl angesehen hat. Seine Erkenntnis: Während bei bisherigen Druckluftspeichern rund 50 Prozent der eingesetzten Energie als Abwärme entstehen und lediglich etwa zehn Prozent des Stroms wieder ins Netz eingespeist werden können, erreicht das neue Konzept deutlich höhere Effizienzwerte.

Tränkls Anlage sei demnach dazu in der Lage, etwa 25 Prozent des Stroms zurückzugewinnen. Zudem entstehen bei der Kompression nutzbare Abwärme und Kälte, die entweder direkt oder mithilfe einer Wärmepumpe energetisch genutzt werden können.

Kein zusätzlicher
Bedarf an Strom

Lantenhammer sieht an dieser Anlage einen wesentlichen Vorteil: Beim Entspannen, also der Expansion, der Luft ist kein zusätzlicher Bedarf an Strom oder fossilem Brennstoff erforderlich, um etwa ein Einfrieren der Bauteile zu verhindern. Als praxisnahe Größe nennt Lantenhammer eine Anlage mit 100 Kilowatt Strombezug, von der rund 50 Kilowatt ins Fernwärmenetz eingespeist und 25 Prozent des Stroms wieder ins Netz zurückgeführt werden können. Der restliche Energieanteil wird in einem Druckluftbehälter mit bis zu 300 bar gespeichert. Für eine Speicherkapazität von rund 2000 Kilowattstunden würde ein Kessel mit etwa zwei Metern Durchmesser und zehn Metern Länge ausreichen, rechnet Lantenhammer vor.

Im Rahmen einer Besprechung am 1. Oktober bei der Firma MBM in Mühldorf wurde von Beteiligten vorgeschlagen, dass die Gemeinde Schönberg am besten geeignet wäre, die Projektträgerschaft für eine Machbarkeitsstudie zu übernehmen, weil man das Projekt in Schönberg umsetzen könnte und die Gemeinde Schönberg dann den Vorteil einer eventuellen Pilotanlage hätte. Die Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in München will die Projektbeschreibung und den Förderantrag beim Bayerischen Wirtschaftsministerium vorbereiten.

Reicht die Gemeinde den Antrag ein und wird dieser bewilligt, kann mit einem Zuschuss von rund 80 Prozent der Kosten gerechnet werden. Die verbleibenden Aufträge könnten anschließend im Rahmen einer Direktvergabe an geeignete Partner vergeben werden. Und dann soll schließlich ein Zahnrad in das andere greifen: Georg Tränkl wird die technischen Unterlagen bereitstellen. Professor und Diplom-Ingenieur Georg Sahner (Energieversorgungsplaner für kleine Gemeinden oder Stadtteile, Stuttgart) will die Wärmebedarfs- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen übernehmen. Und auch die Firma MBM spielt mit, will die Konstruktions- und Herstellungskosten ermitteln.

Grundsätzlich steht die Gemeinde vor der Situation, wie sie ab 2031 günstig die Wärmeversorgung sicherstellt. Nach den neuen Richtlinien für den Betrieb der Biogasanlagen müsste der aktuelle Wärmelieferant und Biogasanlagenbetreiber, die Familie Senftl, die Leistung verdoppeln. Und, vor allem, was Auswirkungen auf die Wärmelieferung hat, die Betriebszeit um die Hälfte oder mehr verringern. Hier wäre dann ein Speicher erforderlich, wie zum Beispiel die reversible Druckluftspeicheranlage, betont Lantenhammer.

Günstige Energie
ist das Ziel

Die Gemeinderäte zeigten sich aufgeschlossen gegenüber dem reversiblen Druckluftspeicher. Es wurden zwar Bedenken geäußert, dass es die Anlage derzeit nur als Prototyp gibt und sie noch nicht im praktischen Einsatz ist. Bürgermeister Lantenhammer betonte aber, dass günstige Energie für die Bevölkerung ein Ziel der Gemeinde Schönberg sein müsse. Je länger man warte, desto teurer werde das Ganze, so seine Devise. Mit einer erfolgreichen Machbarkeitsstudie hätte man auch gute Chancen eine reversible Druckluftanlage als Pilotprojekt in Schönberg gefördert zu bekommen.

Komprimierenund Entspannen

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