Tante Emma wird zehn

von Redaktion

Der Dorfladen in Oberornau feiert sein zehnjähriges Bestehen – Er hat sich zum Mittelpunkt des Dorfes gemausert

Obertaufkirchen – Neun Damen und ein ehrenamtlicher Geschäftsführer schmeißen den Dorfladen in Oberornau. Mit verschiedenen Arbeitsmodellen wie Minijob, Gleitzeit und einer Vollzeitkraft können sie ein Angebot stemmen, das vom Trockensortiment über appetitliches, frisches Obst und Gemüse, regionale Produkte und ein kleines Café bis hin zum täglichen Mittagstisch alles bietet.

Der Dorfladen in Oberornau ist alles in einem: Bäcker, Metzger, Post und Getränkemarkt. Ein Alleskönner, der sehr gut angenommen wird und händeringend gebraucht wurde.

Bei seiner Gründung vor zehn Jahren war die Situation mehr als mäßig. Der Bäcker und der Metzger hatten zugemacht. Das Geschäft trug sich nicht mehr. Es gab kein Wirtshaus am Ort und damit keinen Treffpunkt mehr. Der Dorfladen hat das alles verändert. Liebevoll eingerichtet, mit einem großen Obststanderl in der Mitte, bekommt der Kunde alles vom Apfel bis zur Zahnpasta zu erschwinglichen Preisen, auch Regionales und Bioprodukte. Die Preise sind gut leserlich an den Regalen angebracht und zuordenbar.

„Wir haben Preise, die atmen, also veränderlich sind, und schwarze Zahlen schreiben, aber preislich im Rahmen bleiben“, erklärt Christine Kastler aus dem Beirat der stillen Gesellschafter. Vor allem für die Leute im Dorf, die nicht fahren können oder wollen, ist der Laden ein großer Gewinn. Der Mittagstisch mit täglich wechselnden Mahlzeiten, die von den neun Damen in der Küche des Ladens frisch gekocht werden, wird von Handwerkern und von den älteren Gästen, die gebracht werden, sehr geschätzt.

„Die Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftshilfe funktioniert prima“, weiß Christine Kastler. Auch wird jeden Tag ein Kuchen für den Verkauf und für das Café gebacken, und wenn von den frischen Produkten etwas übrig bleibt, machen die Frauen Marmelade daraus, die es im Laden zu kaufen gibt. „Nur weil das alles da ist, funktioniert es“, sagt der heutige Geschäftsführer Andreas Waltl, „eines alleine würde nicht gehen.“

Entstehen konnte der Laden vor zehn Jahren nur, weil Gerhard Sax sich für die Gründung maßgeblich starkgemacht hatte. Als Zweiter Bürgermeister saß er in Obertaufkirchen für Oberornau im Gemeinderat. So wurde von Haus zu Haus gezogen und für die Idee geworben, damit die Einlagen für das Gründungskapital zusammenkamen.

Einen großen Zuschuss gab es auch vonseiten der Gemeinde, Bürgermeister Franz Ehgartner brachte dies in Gang und hat den Dorfladen seither immer unterstützt. Ein Berater für das Förderprogramm für Dorfläden seitens der Regierung von Oberbayern stand mit Rat und Tat zur Seite. Das gemeindeeigene Gebäude in der Ortsmitte wurde mit dem Zuschuss der Gemeinde umgebaut und mit dem Einlagekapital konnten die Einrichtung und die Regale angeschafft werden.

Mit der Gründungsversammlung entstand eine sogenannte „Kleine GmbH in Gründung“. „Sehr vorausschauend“, findet Andreas Waltl die Arbeit des Bürgermeisters, der damals den alten Bauernhof bei der Kirche gekauft hatte. Der Grund wurde zu Baugrund, Ausgleichsflächen und Tauschflächen und in dem Gebäude entstand dann später der Dorfladen, heute ein Treffpunkt für Alt und Jung.

Im Sortiment wird versucht, eine breite Auswahl zu geben, wie im alten Kramerladen, erzählt Geschäftsführer Waltl. Seit der Eröffnung wurde der Laden gut angenommen, so Waltl weiter. Die Unkosten können gedeckt werden, doch große Gewinne lassen sich nicht erzielen. Es ist ein Jonglieren im Spannungsfeld der hohen Wertigkeit der Produkte, Regionalität, zwischen Bioware und konventioneller Ware und angemessenen Preisen.

„Doch sind wir finanziell gut aufgestellt“, sagt Waltl und weiter: „Wir können uns die Reparaturen leisten und auch das ein oder andere Gerät kann ausgetauscht werden. Aber ohne das Engagement und das Ehrenamt würde es nicht gehen. Und das Aufgabengebiet ist breit. Jeder muss alles können.“

Das ganze Dorf profitiert vom Dorfladen und das Schöne ist auch: Die Kinder können zu Fuß und alleine hingehen. Ein Stückchen so, wie es früher war.sn

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