Waldkraiburg – Oft sind es nur wenige Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden – Sekunden, die Julian Zinnecker nicht ungenutzt ließ. Mit seinem schnellen und überlegten Handeln rettete er einem Mann aus Waldkraiburg das Leben. Dafür wurde er nun in der Sitzung des Stadtrats von der Stadt Waldkraiburg ausgezeichnet.
Der letzte Abend auf dem Waldkraiburger Volksfest, Julian Zinnecker hatte gerade seine Schwiegermutter am Stand mit den Glücksautomaten abgelöst, als er plötzlich einen dumpfen Knall hörte. „Ich war vielleicht zehn Minuten am Stand und dachte mir, dass sich das nicht gut angehört hat“, erinnert er sich. Ein etwa Mitte 30-jähriger Mann war bewusstlos geworden und mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen. „Der Mann war mit seinen Eltern bei uns am Stand, nur fünf Sekunden vorher hatte ich mit ihm noch Blickkontakt“, erinnert er sich.
Bewusstlos und eine
blutende Wunde am Kopf
Der Mann lag blutend am Boden, eine Wunde am Kopf. „Ich habe mir erst einmal einen Überblick verschafft. Der Mann war zwar nicht ansprechbar, aber er atmete.“ Dessen Mutter wies er an, ein Tuch auf die blutende Wunde zu drücken, während er selbst einen Erste-Hilfe-Kasten holte und parallel den Notruf wählte. Gleichzeitig schickte er zwei Mitarbeiter zu den Eingängen vom Festgelände, um den Rettungswagen einzuweisen. Als er selbst die Wunde verbindet, fühlt er plötzlich keinen Puls mehr. „Ich habe dann meine Hand auf seinen Bauch gelegt und mein Ohr an sein Gesicht, aber eine Atmung fühlte ich nicht.“
Zinnecker schickte die Eltern des Mannes weg und begann sofort mit der Herz-Druck-Massage. „Wie lange ich das gemacht habe, kann ich nicht sagen. Die Zeit läuft an einem nur so vorbei. Ein Schausteller-Kollege hat mir später erzählt, dass es etwa acht Minuten gedauert hat, bis der Rettungswagen da war“, erzählt er. Acht Minuten, in denen er ohne Pause im immer gleichen Rhythmus weiter auf die Brust des Mannes drückt. Als die Retter eintrafen, war wieder eine Atmung zu spüren. Auf Anweisung der Sanitäter machte er weiter, unterbrach nur für einen kurzen Moment, als sie bei dem Mann einen Defibrillator anlegten. „Nach dem dritten Schock war der Mann wieder bei Bewusstsein und konnte stabil ins Krankenhaus gebracht werden“, sagt Zinnecker. Zunächst erfuhr Zinnecker nur, dass der Mann auf der Intensivstation lag. Drei Tage später meldete er sich persönlich bei ihm: Er hatte das Krankenhaus gesund wieder verlassen. „Ich hatte darauf gehofft, dass der Mann das gesund übersteht. Wir sind am nächsten Tag aus Waldkraiburg abgereist und erst einmal wusste ich nicht, wie es ihm geht. Da macht man sich die ersten Tage natürlich schon seine Gedanken.“ Um so erfreulicher, dass der Mann das Krankenhaus wieder gesund verlassen konnte.
Im Stadtrat lobte Bürgermeister Robert Pötzsch Zinneckers Eingreifen als „besonnen, verantwortungsvoll und vorbildhaft“. Denn während ringsum das Volksfest-Treiben weiterging, kämpfte Julian Zinnecker um das Leben eines Menschen. Durch seine beruflichen Erste-Hilfe-Kurse wusste er genau, was zu tun war. „Ich habe schon zuvor Hilfe geleistet, aber das war meine erste Reanimation. Eine belastende Situation, vor allem auch deshalb, weil die Eltern dabei waren.“
Mit einem Lied-Text im Ohr fand er den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage. „In so einer Situation steht man unter Adrenalin, und man funktioniert einfach nur. Die Routine hilft.“ Trotzdem macht er sich Gedanken darüber, ob er Atmung und Puls richtig erkennt. Zweitrangig, sagt er im Nachhinein selbst. Wichtiger sei es, Hilfe zu leisten.
Mehr als nur die
reine Pflichterfüllung
Für Bürgermeister Robert Pötzsch ging das Eingreifen über die „schlichte Erfüllung allgemeiner Pflichten hinaus“. Dafür zeichnete die Stadt Julian Zinnecker aus, dem Pötzsch im Stadtrat eine Urkunde überreichte. Die Mitglieder des Stadtrats applaudierten mit stehenden Ovationen.