Mühldorf – Mut und Menschlichkeit – es sind diese beiden Worte, die Maria Kunabala immer wieder betont, wenn sie über Werte und Führung spricht. „Denn hier gibt es noch jede Menge zu tun“, sagt die 41-jährige Mühldorferin, die nun eine besondere Bühne bekam, um ihre Ideen sichtbar zu machen. Die Mutter von zwei Kindern hatte sich im Frühjahr für die Wahl zur Miss Germany 2025/2026 beworben – und wurde unter 2600 Bewerberinnen ausgewählt. „Für mich war das wie eine Mission!“
Was sie angetrieben hat? „Ich will Führung neu denken!“, sagt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Wenn sie im Café Eicher über ihre Visionen spricht, beginnen ihre Augen zu funkeln. Sie steht für eine neue Art von „Leadership“: „Klar, empathisch, echt. Ich stehe für Empowerment, das nicht laut sein muss, aber tief wirkt“, erklärt die gebürtige Tamilin, die in den Wirren des Bürgerkriegs in Sri Lanka als Dreijährige mit ihrer Familie nach Deutschland kam.
Scheidung und sieben
Jahre Funkstille mit Eltern
Hier beginnt ihre bewegende Geschichte. Zwar war das Leben in Deutschland sicherer, doch das patriarchale Denken ihres Vaters blieb. Als sie mit 16 ihren ersten Freund, einen Deutschen, vorstellte, war der Aufruhr groß. In ihrer Kultur entschied die Familie über die Ehe – auch hierzulande. „Mit 16 war ich verliebt, mit 18 versprochen, mit 20 zwangsverheiratet“, erzählt sie offen. Eine Scheidung? „Das wäre eine Schande gewesen.“
Mit 23 ging sie nach Cambridge, um internationales Business zu studieren – ihr Wendepunkt. Dort lernte sie den Mühldorfer Christoph Auer kennen, der sie bestärkte, sich zu befreien. 2018 wurde ihre Ehe annulliert – der Preis: sieben Jahre Funkstille mit den Eltern. Doch Maria fasste Mut, machte ihren Abschluss an der Hochschule Landshut, den Master in Krems und spezialisierte sich auf internationales Management und Marketing.
Bei Bosch stieg sie ab 2012 in einem männerdominierten Umfeld bis zur zweiten Führungsebene auf – mit Stationen in Österreich, Deutschland und Japan. Herausforderungen scheut sie nicht. Während der Corona-Pandemie wurde sie Mutter, während ihr Partner in Melbourne arbeitete. Erst sieben Monate nach der Geburt konnte er seinen Sohn in den Armen halten.
2023 zog die Familie mit zwei Kindern nach Mühldorf. Maria wechselte zu einem Werkzeughersteller nach Kaufering, doch nach sieben Monaten war Schluss. Der Führungsstil passte nicht zu ihren Werten. „Da wusste ich: Ich mache mich selbstständig – als Coachin und Gestalterin einer neuen Führungskultur.“ Mit dieser Idee bewarb sie sich bei Miss Germany und wurde als eine von 90 Frauen mit unterschiedlichen Visionen ausgewählt. Ihre Mission: „Eine Wirtschaft, die menschlich wird, und eine Gesellschaft, in der Vielfalt gestaltet statt nur geduldet wird.“ Sie engagiert sich als Gründungsmitglied in einem Netzwerk für werteorientiertes Unternehmertum. „Wandel beginnt da, wo Menschen sich zeigen – mit Haltung, Verantwortung und Mut.“
Bei Miss Germany wurden die Teilnehmerinnen in drei Gruppen eingeteilt: Leader, Founder und Mover – also Frauen in Führungsrollen, Gründerinnen und Pionierinnen in Männerberufen. Maria gehörte zur Gruppe der Leader. Nach einer erfolgreichen Roadshow in München schaffte sie es in die Top 15.
In Berlin nahm sie an den „Top45 Masterclass“-Tagen teil, die sie als „lehrreich, inspirierend und voller gegenseitiger Unterstützung“ beschreibt. Doch dort endete ihre Reise – nur 18 Teilnehmerinnen kamen weiter. „Ich stand mir selbst ein Stück weit im Weg und konnte mein Potenzial in diesem Moment nicht ganz abrufen. Und wisst ihr was? Das ist okay.“
Denn sie habe viele inspirierende Menschen kennengelernt, ihr Netzwerk erweitert und neuen Mut geschöpft, den nächsten Schritt zu gehen – ihre eigene Firma zu gründen: das „Humanly Brave Leadership Network“. Es soll ein Ort werden für Menschen, die Führung neu denken wollen. Ein Netzwerk für Führungskräfte, Coaches und Organisationen, die Haltung zeigen, Menschlichkeit als Stärke leben und Wandel von innen gestalten möchten.
„Manchmal liegen Hochs und Tiefs nah beieinander“, sagt sie rückblickend. „Doch genau darin liegt die Magie: Wenn wir mutig genug sind, beides anzunehmen, entsteht Wachstum.“