Waldkraiburg – Teamgeist, Respekt und Engagement – Werte, die Unternehmen von ihren Mitarbeitern erwarten und die Vereine tagtäglich vermitteln. Wirtschaft und Vereine Hand in Hand – wie das gelingen, wie eine Region davon profitieren kann, war Thema beim Wirtschaftsempfang der Landkreise Altötting und Mühldorf sowie der IHK München und Oberbayern und der Handwerkskammer für München und Oberbayern im Haus der Kultur.
Festredner war Ex-Bayern-Profi und DFB-Ehrenspielführer Philipp Lahm – einer, der über Werte nicht nur theoretisch spricht. Der Weltmeister weiß aus seiner aktiven Laufbahn genau, was Teamgeist, Fairness und Verantwortung bedeuten – auf und neben dem Spielfeld. Beim Wirtschaftsempfang, der unter dem Motto „Wirtschaft und Gesellschaft: Gemeinsam für eine starke Region“ stand, machte Lahm deutlich, dass diese Prinzipien weit über den Sport hinausreichen – und die Gesellschaft davon profitiert.
Gemeinschaft, Vielfalt
und Bewegung
„Vereine holen Kinder raus aus ihren Zimmern, hin zu Gemeinschaft, Vielfalt und Bewegung“, sagte Philipp Lahm in seiner Festrede. Er spricht aus Erfahrung: Seine Zeit bei seinem Jugendverein FT Gern habe ihn nicht nur geprägt, sondern sei ihm auch ein zweites Zuhause gewesen. Das Vereinsleben habe seine Persönlichkeit gestärkt und die Grundlage für seine Karriere beim „Welt-Verein FC Bayern München“ gelegt.
Philipp Lahm, Weltmeister von 2014, gewann mit dem FC Bayern zahlreiche Titel, darunter das Triple 2013. Heute ist er Unternehmer und engagiert sich mit seiner Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Mit der Plattform „Treffpunkt Verein“ will er Vereinen den Alltag erleichtern und das Ehrenamt stärken.
Auch nach seiner aktiven Karriere lebt Lahm die Werte weiter, über die er spricht – als ehrenamtlicher Jugendtrainer bei seinem Heimatverein FT Gern. Mitgestalten zu können, bereite ihm viel Freude, wie er selbst sagt. In seiner Arbeit als Jugendtrainer oder seiner Stiftungsarbeit erfahre er immer wieder, wie wichtig es sei, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich zu bewegen, zu erleben – als Teil eines Teams. Der Weg in den Profisport sei erst einmal zweitrangig. „Nur wenige schaffen es bis in den Profibereich. Aber im Teamsport geht es um Werte.“
Der Weg in den Profisport führe immer über den Breitensport und dafür ist Lahm den Vereinen dankbar. „Die FT Gern war meine zweite Heimat. Freunde von damals sind bis heute enge Freunde geblieben. Die Werte, die Vereine vermitteln, kenne ich aus eigener Erfahrung.“Teil einer Gemeinschaft zu sein, bedeute auch Kompromisse einzugehen – für Lahm ein wesentlicher Bestandteil des demokratischen Miteinanders. „Unsere Gesellschaft wird selbstbezogener, digitaler, viele Menschen streben mehr nach Selbstverwirklichung“, sagte er. Vereine könnten diesem Trend entgegenwirken: Sie schaffen Bewegung, vermitteln Kompetenzen und seien ein Ort der Teilhabe – für Lahm Grundlagen einer funktionierenden Demokratie.
Doch so wichtig die Arbeit der Vereine ist, es werden immer weniger Vereine und damit werden es gleichzeitig weniger Orte, an denen jungen Menschen wichtige Kompetenzen vermittelt werden. Um so wichtiger die Frage: „Wie kann man das Ehrenamt stärken? Was kann die Wirtschaft tun?“ Rahmenbedingungen müssten so verbessert werden, dass Menschen gerne Mitglied in einem Verein werden und sich dort auch engagieren wollen.
Wenn Unternehmen und Vereine Hand in Hand gehen, würden sich positive Effekte auf beiden Seiten ergeben. Mit seiner Plattform „Treffpunkt Verein“ plant er im nächsten Jahr zwei Aktionstage in Waldkraiburg. Eine Chance für Vereine, sich vorzustellen und zu vernetzen. „Vereine brauchen starke Partner. Wenn Vereine und Unternehmen sich zusammentun, entsteht große Verantwortung.“
Auch Landrat Max Heimerl hatte zuvor die Bedeutung gemeinsamer Werte betont. In seiner Ansprache stellte er heraus, wie eng Ehrenamt und Wirtschaft miteinander verbunden sind – und zog Parallelen zwischen Unternehmen und Vereinen. Mühldorf sei ein Chancen-Landkreis, der für Gesellschaft und Wirtschaft nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich bringe. „Die Herausforderungen werden größer“, sagte er und richtete den Blick nach Berlin. Von der Bundesregierung forderte er mehr Planungssicherheit für Unternehmen und „spürbare Entlastungen“. Sein Appell: „Ich habe Vertrauen in die Bundesregierung, aber es braucht mehr Tempo – Rückenwind statt Gegenwind.“
Auch Kommunen
brauchen strukturelle Hilfe
Auch Kommunen bräuchten strukturelle Hilfe. Die Sozialkosten seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, viele Kommunen dadurch strukturell „unterfinanziert“. „Es braucht einen Sozialstaat, der aktiviert und nicht bremst.“ Heimerl forderte eine klare Strategie für die Wirtschaft, um stabile Rahmenbedingungen zu schaffen – für Unternehmen, aber auch für das gesellschaftliche und ehrenamtliche Engagement, das die Region trägt.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion tauschte sich Lahm anschließend mit Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin IHK für München und Oberbayern, Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer und dem VfL-Vorsitzenden Kai Röpke aus.