Brückenkoloss gleitet an seinen Platz

von Redaktion

Mit dem Einschub der 3500 Tonnen schweren Bahnbrücke an der Pürtener Kreuzung ist ein weiterer wichtiger Schritt des Großprojekts geschafft. Ein Schauspiel, das sich viele Schaulustige trotz des Regens nicht entgehen lassen wollten.

Waldkraiburg – 3500 Tonnen Stahl in Bewegung zu setzen – das klingt nach einem Gewaltakt. Doch das passiert in Waldkraiburg mit äußerster Präzision: Hydraulikpumpen drücken die neue Bahnbrücke Zentimeter für Zentimeter an ihren Platz. Es ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Technik, Timing und Teamarbeit. Noch am Vortag hatten schwere Baumaschinen den Bahndamm abgetragen und alles vorbereitet, damit das tonnenschwere Bauwerk millimetergenau eingeschoben werden kann.

Trotz des regnerischen Wetters wollten sich viele Schaulustige den Brückeneinschub nicht entgehen lassen. Das dumpfe Surren der Hydraulikpumpen ist zum ersten Mal zu hören und man muss genau hinsehen. Langsam bewegt sich das 21,5 Meter lange Bauwerk in Richtung Bahngleis. 28 Meter sind es bis zur endgültigen Position, rund vier Stunden soll es bis dahin etwa dauern. Mit jedem Schub rückt die Brücke rund 60 Zentimeter weiter, dann wird die Hydraulikpresse umgebaut, bevor der nächste Vorschub beginnt.

Auf Schienen
gleitet das Bauwerk

In den vergangenen Monaten wurde die Brücke parallel zur Bahnlinie gebaut. Seit Freitagnacht ist die Bahnlinie zwischen Mühldorf und Waldkraiburg gesperrt, um den Einschub zu ermöglichen. Mit dem Umbau der Pürtener Kreuzung verschwindet auch der Bahnübergang – künftig fahren Fahrzeuge unter der Bahnlinie hindurch, ohne dass sie an der Schranke warten müssen.

An der Brücke sind Hydraulikzylinder montiert, die das Bauwerk anheben, damit es über die Teflon-gelagerten Schienen gleiten kann. An beiden Seiten stehen die Verschubmeister, stimmen sich per Zuruf ab, bevor sie den nächsten Schub einleiten. Eine beeindruckende Technik, die das tonnenschwere Bauwerk mit erstaunlicher Leichtigkeit bewegt.

Am anderen Ende der Verschubbahn markieren Folien die spätere Position der Brücke. Dort angekommen, wird die Brücke auf kleineren Stahlplatten abgesetzt, die zuvor exakt ausnivelliert wurden. Über Öffnungen auf der Bodenplatte der Brücke wird Beton eingefüllt, bevor mit der Verfüllung begonnen wird. „Etwa 14 Stunden dauert das“, erklärt Matthias Grasberger, Bauleitung Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Rosenheim, der beim Brückeneinschub vor Ort ist. 5500 Kubikmeter Erde müssen in 50 Zentimeter dicken Schichten aufgefüllt und verdichtet werden.

Bahnstrecke noch
bis Mittwoch gesperrt

Nur bis Mittwochvormittag, 10 Uhr, ist die Bahnstrecke gesperrt – bis dahin muss alles fertig sein, damit die Züge wieder rollen können. Beim Staatlichen Bauamt sind die Verantwortlichen entspannt: „Es ging bis jetzt alles schneller als geplant“, erklärt Veronika Nies, Gebietsabteilungsleiterin am Staatlichen Bauamt Rosenheim. Gearbeitet wird seit Freitagnacht rund um die Uhr.

Am Samstag war schweres Gerät im Einsatz: Bagger, Dumper und Radlader hatten nach dem Gleisrückbau damit begonnen, den Erdwall des Bahndamms abzutragen. Rund 12000 Kubikmeter Erde wurden bewegt. Präzise aufeinander abgestimmt trugen die Bagger Schaufel um Schaufel das Erdreich ab, während die Dumper es nur wenige hundert Meter weiter im Baubereich wieder abkippten. „Der Aushub wird zwischengelagert und später wieder verfüllt“, erklärt Veronika Nies.

Anschließend wurde der Untergrund nivelliert, die Verschubbahn aufgebaut, damit die Brücke am nächsten Morgen verschoben werden kann. Ein knappes Zeitfenster, das Präzision und Koordination verlangt – bis zum Ende der Sperrpause auf der Bahnstrecke. Sobald die Widerlager der Brücke verfüllt sind, der Bahndamm wieder aufgeschüttet ist, folgt abschließend der Gleisaufbau.

Mit dem Umbau der Pürtener Kreuzung verlaufen bereits jetzt die beiden Staatsstraßen auf unterschiedlichen Niveaus: Die Staatsstraße 2091 ist abgesenkt, die Ost-West-Verbindung in Richtung Mühldorf verläuft auf einer Brücke. Verknüpft werden die beiden Staatsstraßen über zwei Kreisverkehre, über einen weiteren Kreisverkehr wird die Teplitzer Straße erschlossen – dort ist bereits die erste Asphaltschicht eingebaut. Wenn alles weiter nach Plan läuft, soll die komplette Maßnahme bis zum 30. April 2026 abgeschlossen sein. In den leistungsfähigen und verkehrssicheren Knotenpunkt investiert das Staatliche Bauamt Rosenheim insgesamt rund 17,5 Millionen Euro.

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