Der künstlerische Dialog als Experiment

von Redaktion

Mitglieder des Farbkreis 99 schaffen miteinander dynamische Papierarbeiten

Waldkraiburg – Vom Gruseln ist die aktuelle Ausstellung im Haus der Kultur ganz weit weg, wenngleich auch die Vernissage ausgerechnet am Halloween-Abend stattfand. Die acht Mitglieder vom Farbkreis 99 laden bis Freitag, 14. November zu einer bemerkenswerten Ausstellung ein.

Unter dem Titel „Dialog – Ein Experiment“ zeigen die Künstlerinnen und ein Künstler Papierarbeiten, die sich miteinander „unterhalten“.

Wie dies zustande kam, erläuterte Anette Wienes vom Farbkreis 99, die auch die Besucher der Vernissage willkommen hieß. „Seit zwei Jahrzehnten arbeiten wir konsequent mindestens ein Jahr lang an einem Thema. Vergangenes Jahr stellten wir uns einer speziellen Herausforderung“, ließ Wienes wissen und ergänzte: „Es begann mit einer Reise nach Paris bei der ich die Ausstellung Warhol – Basquiat besuchte. Die beiden Künstler gestalteten gemeinsam im Wechsel Bilder. Einer fing an, der andere machte weiter. Und zwar so lange bis sie befanden, das Bild sei nun fertig“. Diese Form des künstlerischen Dialogs faszinierte das Farbkreis-Team.

Schnell waren sich die Mitglieder einig, wir wagen dieses Experiment. „Es erforderte viel Mut, sich darauf einzulassen, eine Arbeit zu beginnen und diese dann einer anderen Person zu übergeben“, gesteht Anette Wienes. Sie sprach ferner von „in Resonanz gehen“ was bedeutet, in einem ersten Schritt das anders Sein des Anderen bewusst wahrzunehmen. „Eine sehr spannende Angelegenheit, die uns ungemein fesselte“, gab Sybilla Hinkofer gerne zu. Wienes erwähnte bei der Ausstellungseröffnung den Philosophen Hartmut Rosa, der sich mit dem Thema Resonanz beschäftigte und seine Theorie so beschreibt: „Ich verwandle mich und beginne die Welt anders zu sehen oder anders zu denken“. Dieses in Verbindung gehen und sich dabei verändern zu lassen, sei unglaublich bereichernd, so die Erfahrungen der Farbkreis-Künstler.

Anfangs trauten sie sich jedoch nicht an eine Leinwand, sondern starteten ihr Experiment kurzerhand auf einem Stück Papier, was zu einem regelrechten Rausch führte. Die Leinwände blieben in der Ecke, das Papier gab den Ton an. Paarweise schufen die Damen und ein Herr, der bei der Vernissage allerdings fehlte, wunderbare dynamische Papierarbeiten, die nun im Haus der Kultur zu bestaunen sind. Die Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. huc

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