Mongolische Kunst ist vorsichtig und ruhig

von Redaktion

Ausstellung „3yy + hundert“ von Katja Brinkmann im Haus der Kultur mit dem mongolischen Botschafter

Waldkraiburg – Wenn Waldkraiburg diplomatischen Besuch erhält, muss es sich um etwas nicht Alltägliches handeln. So war es auch, als der mongolische Botschafter extra für die Eröffnung der neuen Kunstausstellung „3yy + hundert“ im Haus der Kultur aus Berlin anreiste.

Nach einer kurzen Begrüßung von Bürgermeister Robert Pötzsch zeigte sich Botschafter Dr. Mandakhbileg Birvaa erfreut über die Möglichkeit, die Kultur seines Landes eindrucksvoll darzustellen. Die Ausstellung will, wie anschließend im Dialog zwischen Elke Keiper, der Leiterin der städtischen Galerie, und Katja Brinkmann, der Künstlerin und Gastkuratorin, erklärt wurde, den Kontrast zwischen Werken mongolischer und in Deutschland lebender Künstler darstellen.

Mongolische Kunst ist
noch in der Findungsphase

Katja Brinkmann ist 2013 zum ersten Mal spontan in die Mongolei gereist, einfach so, weitere Besuche folgten. Da sie später sogar drei Jahre an der Mongolischen Hochschule für Kunst und Kultur gearbeitet hat, eignet sie sich bestens, die Ausdrucksweise dieser fernen Nation in der Kunst darzustellen.

Diese, so die Künstlerin, sei nämlich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts von ausschließlich religiösen, buddhistischen Motiven geprägt gewesen. Mit den 20er-Jahren und der kommunistischen Revolution fanden zunehmend weltliche sowie sozialistische Themen ihren Platz in mongolischen Werken. Wie Dr. Birvaa in seiner Begrüßung erklärte, ist sein Land seit 1990 eine Demokratie. Dass sich damit viele Freiheiten, unter anderem die der Kunst, ergeben, ist, anders als in den Nachbarländern China und Russland, klar. Anders als unser westliches Abendland, in dem Malerei seit jeher von verschiedensten Materien unterwandert ist, „befindet sich die Kunst der Mongolei erst jetzt in ihrer ersten richtigen Findungsphase“, so Brinkmann; genau dieser Kontrast ist in der Ausstellung dargestellt. „3yy“ (gesprochen „zuu“) ist das mongolische Wort für 100. Wie der Name der Ausstellung „3yy + hundert“ also schon verrät, sind im Haus der Kultur 200 Kunstwerke zu sehen. Zwischen denen der mongolischen Künstler ist nach Diversität eine Einheit spürbar. Neben einfachen Abbildungen von Landschaften, Figuren und „Stillleben“ sind auch abstrakte Malereien mit beispielsweise Schriftzügen zu sehen, aber eben alles irgendwie mongolisch, das merkt man.

Zwei Welten werden
kunstvoll dargestellt

Gegenüber sind die Werke von 100 in Deutschland lebenden Künstlern präsentiert. Hier ist es viel schwerer, eine Einheit oder gemeinsamen Hintergrund zu erkennen. Neben Malerei ist auch Fotografie, oft viel Text, Konstruktion und so weiter zu sehen. Mancher dieser Mittel bedienen sich auch die mongolischen Kunstwerke zum Teil, doch eher vorsichtig und ohne ihren Rahmen zu verlassen. Sie wirken daher ruhiger.

Katja Brinkmann ist es gelungen, mit ihrer Ausstellung zwei Welten kunstvoll darzustellen, die nicht verschiedener sein könnten. Wer das genauer entdecken will, kann noch bis zum Montag, 24. November, die Ausstellung im Haus der Kultur besuchen. Außerdem gibt es an diesem Tag um 18 Uhr eine Finissage mit der Künstlerin und Galerieleiterin Elke Keiper. re

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