Täter freut sich über das Urteil

von Redaktion

Nach dem Tod der Oma 68 Einbrüche in 14 Tagen im Landkreis Mühldorf und in München durchgeführt

Mühldorf – „Ich komme auf 68 Taten“, zählte Amtsrichter Florian Greifenstein gegen Ende der Gerichtsverhandlung zusammen. 44 versuchte und 24 vollendete Einbrüche innerhalb von 14 Tagen in Buchbach, Schwindegg, Obertaufkirchen und München. Alle begangen vom 34-jährigen Andreas X. (Name von der Redaktion geändert) aus Österreich.

Andreas X. nahm das hin, wie die gesamte Verhandlung: aufmerksam, selbstbewusst und unbeeindruckt. Er sah allen in die Augen, sprach klar und deutlich, grinste immer wieder, zappelte auf seinem Stuhl herum, ließ den Blick durch den Saal schweifen, flüsterte seiner Anwältin immer wieder lange ins Ohr.

Eine lange Liste
an Einbrüchen

Schuldbewusst wirkte er auf den ersten Blick nicht. Gut eine halbe Stunde brauchte Staatsanwältin Pia Dirnberger, um die Anklage zu verlesen. Einbruch um Einbruch zählte sie auf, samt Vorgehen, Schaden und Beute. Allein 19 Einbrüche verübte Andreas X. in Buchbach, Obertaufkirchen und Schwindegg. Er drang in Rathaus, Grundschulen, Sportheime, Gaststätten, Pfarramt, Bürgerhaus und Büros ein, stahl rund 5000 Euro, verursachte einen Sachschaden von rund 22000 Euro.

Später zog Andreas X. laut Anklage nach München weiter. Hier brach er zunächst in Gaststätten und Büros ein, ehe er in zwei Schrebergartenanlagen von Gartenhäuschen zu Gartenhäuschen zog. Überall brach er Türen auf, schlug Fenster ein, durchsuchte die Räume und zog weiter, wenn er nichts fand. „Das Vorgehen war relativ brachial“, fasste es Richter Greifenstein im Laufe der Verhandlung zusammen.

Insgesamt erbeutete Andreas X. 15976 Euro, rechnete Staatsanwältin Dirnberger vor. „Die Sachschäden summierten sich auf 60995 Euro.“ Andreas X. las die Anklageschrift Punkt für Punkt mit, schüttelte mal den Kopf, mal grinste er, zappelte auf seinem Stuhl, tuschelte mit seiner Anwältin, bis sie etwas auf einem Blatt Papier notierte und ihm zuschob.

„Mein Mandant räumt alles ein“, erwiderte Verteidigerin Inse Hovden auf die Anklage. Mit einer Ausnahme: „Aus der Pizzeria in Schwindegg hat er keine 3900 Euro mitgenommen.“ „Wenn ich 3900 Euro habe, mache ich am nächsten Tag nicht den nächsten Einbruch“, schob Andreas X. selbstsicher nach.

„Logisch“, meinte auch Richter Greifenstein, der von dem schnellen, freimütigen Geständnis „ohne Wenn und Aber“ beeindruckt war. Fortan war diese Beute kein Thema mehr; der Einbruch in die Pizzeria sehr wohl.

In Deutschland war Andreas X. bislang unbekannt. Dafür verlas Richter Greifenstein 13 Einträge aus Österreich: unter anderem Nötigung, Belästigung, Beleidigung und Körperverletzung. Insgesamt seien im Nachbarland noch zwei Jahre und vier Monate Haft offen.

„Das kriege ich weg“, behauptete Andreas X.

Gefragt nach dem Anlass für seine Einbrüche, sagte Andreas X. nur: „Drogensucht.“ Nach dem Tod seiner Oma im Frühjahr sei er „abgestürzt“ und wieder rückfällig geworden. Zuvor sei er – trotz einer abgebrochenen Therapie in Österreich – clean gewesen. In Deutschland habe er hauptsächlich Kokain geraucht und geschnupft. „Zehn bis 15 Gramm am Tag.“

„Das hält ein Stier nicht aus“, meinte Greifenstein. „Das geht bei dem Scheiß- Koks schnell“, hielt Andreas X. fachmännisch dagegen: „Ich bin gut geeicht.“ Auch ein Gutachten bescheinigte ihm einen Kokain-Gebrauch im „mittleren bis überdurchschnittlichen Bereich“.

1500 Euro habe er für 50 Gramm Koks bezahlt. Andreas X.: „Das ist in der Menge billiger.“ Sein Streifzug endete schließlich in einer Münchner Schrebergartenanlage. Am Montag, 19. Mai, meldete ein Wirt gegen 6.30 Uhr einen Einbruch in seine Gaststätte in einer Schrebergartenanlage in München-Moosach. Die Polizisten konnten Andreas X. noch in der Anlage schnappen: samt Einbruchswerkzeug und Diebesgut. Schnell war klar: Das war der gleiche Mann, für den die Mühldorfer Kollegen wegen der Einbrüche in Buchbach und Umgebung schon einen Haftbefehl hatten. Andreas X. wanderte in Untersuchungshaft und die Akte nach Mühldorf.

„Danach war die Serie vorbei“, fasste der als Zeuge geladene Polizist aus München den Ermittlungserfolg zusammen. Fingerabdrücke, DNA-Spuren und Videoaufnahmen hatten die Polizei auf die richtige Spur gebracht.

Richter Greifenstein zählte schließlich auf: 68 Fälle, 44 versuchte Einbrüche und 24 vollendete. „Nur zweimal gab es keinen Sachschaden.“ Staatsanwältin Dirnberger sah in ihrem Schlusswort die „massive Drogenabhängigkeit“ von Andreas X. sowie den „immensen Druck“, unter dem er stand. Allerdings habe er „in sehr kurzer Zeit eine immense Anzahl von Straftaten“ begangen, und er sei in Österreich vorbestraft. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, die in eine Therapie umgewandelt werden könne.

Therapie in einer
Entziehungsanstalt

Auch Anwältin Hovden wünschte sich für ihren Mandanten eine Therapie. „Er braucht dringend Hilfe. Er hat die Motivation.“ Sie sah aber nur eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Richter Greifenstein und die beiden Schöffinnen verkündeten nach knapp einer halben Stunde das Urteil: drei Jahre und drei Monate, die Andreas X. in einer Entziehungsanstalt verbringen soll. Greifenstein: „Sie haben innerhalb von zweieinhalb Monaten eine unglaubliche Serie hingelegt.“

Andreas X. freute sich sichtlich über das Urteil. Er wollte schon vor Prozessbeginn unbedingt eine Entziehungskur und meinte jetzt entsprechend erfreut: „Alles gut.“ Hovden und Dirnberger verzichteten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Vielleicht hatte Andreas X. beim Verlassen des Gerichtssaals noch die Worte von Staatsanwältin Dirnberger im Ohr: „Das ist Ihre letzte Möglichkeit. Machen Sie was draus, nutzen Sie diese Chance, geben Sie sich wirklich Mühe!“

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