Kleine Wohnungen, aber nicht um jeden Preis

von Redaktion

Bauausschuss sperrt sich gegen eine zu dichte Bebauung – Grundstück wäre praktisch komplett versiegelt

Töging – Im März hatte ein Bauherr um Vorbescheid zur Nachverdichtung in der Öderfeldstraße gebeten. Der Bauausschuss hatte dem Vorhaben seinerzeit das Einvernehmen einstimmig verweigert, auch weil die damals geplanten vier Wohnungen hauptsächlich außerhalb des Baufensters lagen. Nun beantragte der Bauherr neun kleine Wohnungen an der gleichen Adresse. Sie sind zwar großteils im Baufenster, das Grundstück wäre aber praktisch komplett versiegelt.

Rein rechtlich wähnt sich ein Hausbesitzer in der Öderfeldstraße auf der richtigen Seite. Schließlich hatte er bereits im März einen entsprechenden Vorbescheid eingereicht. Damals wollte er im Garten des Blocks ein weiteres Wohnhaus errichten, das von einigen Festsetzungen des Bebauungsplanes aus dem Jahr 1962 hätte befreit werden müssen.

Schon damals hatte der Bauausschuss dem Vorhaben sein Einvernehmen einstimmig verweigert. Nun hat der Bauwerber das Vorhaben zwar angepasst und weitere Vorgaben aus dem Vorbescheid erfüllt. Allerdings sollen es nun neun kleine Wohnungen werden, weil solche aktuell offenbar begehrter sind: Diese Erfahrung hatte die Stadt bei der Vergabe der Wohnungen des Kreiswohnbauprojekts an der Siemensstraße selbst gemacht.

Auch aus der Bauwirtschaft seien ähnliche Stimmen zu vernehmen, erklärte Bauamtsleiter Stefan Hackenberg, der dem Bauantrag daher gleich noch einen Vergleich von Tögings Anteil kleiner Wohnungen unter 59 Quadratmetern beilegte. Tatsächlich ist Töging hier mit 12,6 Prozent am unteren Ende der Skala vergleichbarer Städte aus der Region.

Ein weiteres Hindernis des Bauantrages ist, dass gemäß der Stellplatzsatzung 18 Parkplätze erforderlich sind. Da der Bauherr aus Kostengründen keine Tiefgarage errichten will und es sonst zu eng mit der Zugänglichkeit der Stellplätze würde, sollen drei bestehende Garagen abgerissen und die Stellplätze dann ohne Überdachung wieder errichtet werden. Für die insgesamt 21 Parkplätze würde das gesamte Grundstück bis auf einige Quadratmeter, die mit Bäumen bepflanzt werden sollen, versiegelt.

„Zu üppig“, wie Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst sein Bauchgefühl eingangs in Worte fasste. Da sich aber mit Marco Harrer (SPD) und Daniel Blaschke (CSU) zwei Kandidaten um seine Nachfolge im Hauptausschuss befinden, die auch anwesend waren, hatte das Noch-Stadtoberhaupt auf die Vorformulierung einer Beschlussfassung verzichtet und den Tagesordnungspunkt dezidiert zur freien Diskussion in den Raum gestellt.

Die Stimmen gegen das Projekt in der nun vorgelegten Form waren zahlreich. So merkte die Zweite Bürgermeisterin Renate Kreitmeier an, dass sie die Parkplatzsituation in dieser Gegend bereits jetzt schwierig finde: „Ich befürchte halt, dass die dann alle auch noch auf der Straße parken, weil die Zufahrt zu den Parkplätzen zu eng ist“.

FW-Fraktionssprecher Josef Neuberger merkte an, dass dem Bauplan zufolge in dem dreigeschossigen Gebäude kein Aufzug vorgesehen sei, was die Wohnungen für ältere Personen, die sich verkleinern wollen, „uninteressant“ mache. Außerdem solle man das Baurecht auf zwei Wohnungen pro Etage reduzieren, womit sich auch hinsichtlich der Parkplätze eine Entspannung ergebe.

Zu guter Letzt solle man keine unliebsamen Präzedenzfälle schaffen. Stadtrat Stefan Franzl merkte kritisch an, dass diese die Grundflächenzahl de facto auf über 90 Prozent anheben würden: „Nur weil der Bebauungsplan von 1962 eine solche Berechnung nicht vorsieht, können wir ja auf dem Plan sehen, dass da nicht nur 65 Prozent überbaut sind!“, so der Sozialdemokrat. Gerd Pfrombeck (CSU) bemängelte, dass es dem Bauherren offenbar nur um Gewinnmaximierung gehe und Marco Harrer (SPD) bedauerte, dass der Bauwerber nicht persönlich gekommen ist. Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst meinte abschließend, dass er eine solche Bebauung an der Stelle für zu dicht hält: „Wir haben da andere Lagen, zum Beispiel rund um den Wilhelm-Hübsch-Platz, wo deutlich mehr Platz ist“.

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