Erharting – Gefühlt war das ganze Dorf dabei, als „Vobbe“, der eigentlich Josef hieß, aber auf diesen Vornamen nicht so recht hörte, zu Grabe getragen wurde. Der im Alter von 89 Jahren verstorbene Josef Vorbuchner hatte es zeitlebens verstanden, die Menschen zu gewinnen und zu vernetzen, um große und kleine kulturelle Projekte zu verwirklichen.
„Di brauch i“, war sein Spruch, wenn er Leute traf, die er für eines seiner Vorhaben einspannen wollte. Daran erinnerte Leonhard Biermaier, Vorstandsmitglied des Brauchtumsvereins, in seiner Ansprache am Ende des Requiems, das Pfarrer Wolfgang Reinke in der Pfarrkirche St. Peter und Paul gehalten hatte. Dass der Geistliche vom Pfarrverband Tann das Requiem hielt, geht auf die Verbindung mit dem Erhartinger Brauchtumsverein und die Wallfahrt nach Taubenbach zurück.
Wie schon der Geistliche in der Predigt hob Biermaier die großen Verdienste Vorbuchners um Gemeinde und Pfarrei hervor, so die Wiedereinführung des Stefani-Umritts 1982 und 1992 die Wiederaufstellung des Heiligen Grabes am Karfreitag im zweijährigen Turnus.
Auch die Gründung des Brauchtumsvereins, dessen Vorstand er 20 Jahre war, ging auf „Vobbe“ zurück, der auch das Feldkreuz, das dem Autobahnbau im Wege gestanden war, gerettet hatte.
Ebenso gekümmert hatte er sich um den Erhalt der Hampersberger Kirche, genauso wie er viele Jahre den Christbaum für die Mitternachtsmette in der Engfurter Klause selbst fällte und mithilfe seiner Freunde aufstellte, und er auch zum Patrozinium immer junge Birken als Schmuck für die Kirche besorgte.
Pfarrer Reinke erinnerte auch an die Zeit Vorbuchners als Mesner, eine Aufgabe, die er liebevoll erledigte. Auch die Wallfahrt nach Taubenbach in seiner Pfarrei habe ihm sehr am Herzen gelegen.
„Er war leutselig, hatte immer Süßigkeiten für die Kinder parat und eroberte somit auch die Herzen der Mütter und Väter, auf deren Hilfe er dann zurückkam“, schilderte er einen wesentlichen Zug Vorbuchners. „Er hat es verstanden, Aufgaben liebevoll zu erledigen, zu organisieren und die Leute zusammenzubringen“, sagte der Geistliche, der zuvor das Leben Vorbuchners geschildert hatte.
Geboren in Maxing bei Erharting, machte Josef Vorbuchner nach dem Schulbesuch eine Schreinerlehre, ging dann zur Baufirma Kunz und war 23 Jahre bei der VAW sowie beim Staatsforst beschäftigt. Mit seiner Frau Brigitte, die er in Schweinfurt kennengelernt hatte, baute er in Erharting ein Haus. Nach ihrem Tod 2015 und mit den Beschwerden des Alters nahm er häusliche Pflege in Anspruch und verbrachte dann die letzte Zeit im BRK-Heim Neuötting.
Die stete Hilfsbereitschaft des Verstorbenen kam auch in den Nachrufen der Erhartinger Vereine zum Ausdruck. Mit ihren Fahnen führten die Marianische Männerkongregation, die Feuerwehr, die Dornbergschützen, der Brauchtumsverein und der Burschenverein den stattlichen Trauerzug an.
Diesen hätte auch der „Vobbe“ perfekt organisiert und es hätte ihm große Freude gemacht, war man sich einig und pflichtete dem Biermaier Leo sicher bei, als dieser meinte, dass der Vobbe wohl auch im Himmel hartnäckig mit seinem „Di brauch i“ weiter organisieren werde. Und die Erhartinger gaben ihm wohl recht, wenn er an den „Vobbe“ gerichtet meinte: „Aber es war schee, dass Du uns braucht hast.“re