Schöne neue Rufbus-Welt?

von Redaktion

Zu „Aus Rufbus wird der ‚InnLiner‘“ und „Ein Schmarrn, mit dem du viel kaputt machst“, vom 5. und 7. November

Bürgermeister Hetzl hält den Rufbus für die Ideallösung im Mühldorfer Nahverkehr. Dass dies nicht stimmt, zeigt allein die große Zahl von Menschen, die die Stadtratssitzung besuchten und bitter enttäuscht waren, als der Antrag von Dr. Gafus zur Einrichtung eines Linientaxis für Mühldorf-Nord abgelehnt wurde.

Zwar steigen die Fahrgastzahlen, weil mehr Fahrzeuge unterwegs sind, doch erreichen sie bei Weitem nicht das Niveau eines Linienverkehrs.

Gafus hat belegt, dass der Rufbus pro Fahrgast weit mehr als eine Taxifahrt kostet – darüber las man in der Zeitung nichts. Zwar hat man jetzt mehr Glück bei der Buchung einer Fahrt.

Trotzdem bleiben die Grundprobleme: Man muss sich vorher anmelden, die Rückfahrt ist nicht garantiert, eine spontane Mitfahrt unmöglich, und das Angebot ist nicht MVV-kompatibel.

Viele Menschen haben es deshalb aufgegeben, den ÖPNV zu nutzen und verzichten auf Marktbesuch, Bahnhofstransfer oder soziale Kontakte. Ökologisch fragwürdig ist zudem, dass meist nur ein oder zwei Personen befördert werden.

Die Stadt nennt den Rufbus alternativlos – ich meine, es wurde nicht genug getan, um Linienanbieter zu finden, wie sie in Nachbarstädten erfolgreich sind. Oder man hätte auch die Stadtwerke mit ins Boot holen können.

Stattdessen setzte man vorschnell auf das Angebot von ioki. Jetzt gilt es, vor Ablauf der Konzession die ÖPNV-Zukunft neu zu denken: verlässlicher Linienverkehr mit gutem Takt – ergänzt durch den Rufbus!

Adelheid Kückelhaus

Mühldorf

Der Artikel klingt wie ein reines Loblied auf den neuen Rufbus – ganz im Sinne des Bürgermeisters. Doch bei genauerem Hinsehen bleibt ein schaler Beigeschmack: Auch mit den neuen Zahlen kostet jede Fahrt die Stadt mehr als 17 Euro pro Fahrgast.

Zum Vergleich: Eine Taxifahrt von Mößling zum Stadtplatz liegt bei etwa 13 Euro und da können bis zu vier Personen mitfahren. Mit dem „InnLiner“ würde das also über 60 Euro kosten. Da darf man schon fragen, ob das wirklich ein vernünftiger Umgang mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger ist.

Spätestens der nächste Bürgermeister oder die nächste Bürgermeisterin wird sich dieser Frage stellen müssen.

Ulrike Goebel

Mühldorf

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