Waldkraiburg – Viele Ideen gab es in den vergangenen Jahren für den alten Bahnhof: eine heilpädagogische Förderstätte, die Ansiedlung eines Forschungszentrums oder einfach nur ein gemütliches Café. Doch umgesetzt wurde bislang keine dieser Visionen. Jahr für Jahr verblasst die bedruckte Gewebewand, die das Gebäude verdeckt, ein wenig mehr.
Wie es hinter der Fassade aussieht und wie groß der Sanierungsbedarf für das Gebäude ist, lässt sich von außen nicht erahnen. Dennoch gibt es nun erneut einen Kaufinteressenten für das Areal – darüber diskutierte der Stadtentwicklungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung.
„Es hat mehrere Gespräche mit dem Investor gegeben“, erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). Vom ursprünglichen Plan, auch das Bahnhofsgebäude zu kaufen, sei der Investor jedoch wieder abgerückt. Stattdessen liege der Stadtbau, die Eigentümer des Bahnhofs ist, nun nur noch ein Kaufinteresse für das angrenzende Grundstücksteil vor.
Möglicher Investor hat nur Interesse am Grundstück
Demnach will der Investor auf der Fläche entlang der Staatsstraße sein Unternehmen ansiedeln. Das wäre zum einen ein Reinigungsunternehmen, zum anderen eine Firma, die sich mit Immobilienvermarktung, Renovierungen und Gebäudepflege beschäftigt. „Baurechtlich wäre das alles möglich“, erklärte Bauamtsleiter Carsten Schwunck. Die Pläne umfassen ein Betriebsleiterwohnhaus, Materiallager und eine Werkstatt. Außerdem sollen Container aufgestellt werden – maximal zwei aufeinander. Auch ein Musterhaus sei vorgesehen.
Kritisch zu sehen sei hingegen der Nachtrag des Interessenten: eine Schießanlage. Inklusive des Verleihs von Waffen und eines Munitionslagers. Die Entscheidung über die Zukunft des Bahnhofs liegt zwar bei der Stadtbau, doch der Stadtentwicklungsausschuss hatte bereits vor Jahren betont, dass der historische Charakter des Gebäudes aus stadtgeschichtlichen Gründen erhalten bleiben soll.
Flächen gibt es nur im
Paket mit dem Bahnhof
„Es kann wehtun, wenn die Fläche jetzt separat verkauft wird, später aber womöglich für das Bahnhofsgebäude benötigt wird“, gab Schwunck zu bedenken. Auch Ernst Schäffer (AfD) sprach sich klar für eine gemeinsame Lösung aus: „Hat man dem Interessenten deutlich gemacht, dass es die Flächen nur im Paket mit dem Bahnhof gibt?“ So seien anfangs die Gespräche auch geführt worden, erklärte Pötzsch. „Erst später legte der Interessent ein anderes Konzept vor.“
Karl-Heinz Stocker (CSU) wünscht sich zwar eine Entwicklung des Areals, „aber nicht so“. Einen Verkauf nur der Nebenflächen lehnt er ab. Zu den Plänen des Investors fand er deutliche Worte: „Container, Waffen, Munitionslager – das will ich nicht.“
Geschichtliche Bedeutung des alten Bahnhofs
Fraktionskollege Anton Sterr betonte die geschichtliche Bedeutung des Bahnhofs für die Stadt. Der Bahnhof Kraiburg blickt auf eine lange Geschichte zurück: Das Gebäude wurde 1876 errichtet, nachdem die Gemeinde Kraiburg eine Station entlang der Bahnlinie Rosenheim-Mühldorf erhielt. Es gilt als Keimzelle des späteren Waldkraiburg, das in diesem Jahr sein 75. Gründungsjubiläum feiert. Seit dem 1. Januar 1990 steht das Bahnhofsgebäude jedoch leer – und wartet bis heute auf eine neue Zukunft.
Eine Nutzung, in der das Gebäude im „Grundsatz“ erhalten bleibt. Entscheidend ist für Sterr ein übergeordnetes städtebauliches Konzept. „Die angrenzenden Grundstücke sollen den Verkauf des Bahnhofs nicht behindern, sondern fördern.“
Eingeschränkte Nutzung des alten Bahnhofs
Das Votum im Ausschuss fiel einstimmig aus: Der Stadtentwicklungsausschuss empfiehlt der Stadtbau, das Kaufangebot abzulehnen. Vorrang sollen die städtebaulichen Entwicklungsziele haben.
Zudem schränken die Rahmenbedingungen die Nutzung des alten Bahnhofs ohnehin ein: Wegen der Nähe zu zwei Unternehmen, die als Störfallbetriebe eingestuft sind, ist für den alten Bahnhof eine schutzbedürftige Nutzung ausgeschlossen. Kleinere Maßnahmen wie Dachgeschossausbau, begrenzte Büro- oder Gewerbenutzungen können im Einzelfall und nach Abwägung zugelassen werden. Bei gutachterlichem Nachweis der Verträglichkeit sind gewisse Erweiterungen in diesem Korridor möglich.