Grandiose „Halbpension mit Leiche“ begeistert das Publikum

von Redaktion

Premiere der Theatergruppe Waldkraiburg mit einer Therapiegruppe verurteilter Mörder

Waldkraiburg – Mörder, die eine Pension eröffnen? Wo führt die Pointe hin? Acht großartig aufspielende Hauptakteure bereiteten den Besuchern in Waldkraiburgs Bischof-Neumann-Haus einen unterhaltsamen Abend mit vielen überraschenden Momenten.

Dabei ist die Absicht einer Therapiegruppe verurteilter Mörder höchst löblich: Sie will sich resozialisieren, indem sie die Pension „Fünf im Glück“ eröffnet und gut führen will. Jeder von den fünf Mörderinnen und Mördern hat zwar eine ganz individuelle Vergangenheit, jedoch will keiner von ihnen rückfällig werden: Alle Auflagen der Behörden will man erfüllen. Kann dies jedoch jeder von ihnen auch durchstehen, ohne rückfällig zu werden?

Und hier übertrafen sich die acht Hauptakteure in beinahe jeder Szene immer wieder. Da ist die Psychologin Dr. Silke Hufenreuther (Eva Stocker), die das Publikum auffordert: „Alles, was wir hier untereinander besprechen, bleibt in diesem Raum!“ Ihr zur Seite ihr resoluter Ehemann Hajo Zeisig (Reiner Schneeweiß), der seinen penibel sauber gehaltenen Garten über alles liebt und jedes tierische Lebewesen hasst. Das krasse Gegenbeispiel zu ihm: die Esoterikerin Jayjashree Lohse (Beate Morbach). Sie findet nicht nur Maulwürfe süß, sondern fordert auch immer wieder zum Durchatmen und Lächeln auf.

Ihr stimmt uneingeschränkt das 70-jährige Tantchen Schröder zu (Karin Polzer), die es betulich allen recht machen will.

Resolute Chefin in der Pension ist Pretty Wummen mit waschechter Berliner Schnauze (Annegret Weinbauer): „Ik kann doch nich mit Zahlen!“ Sie greift immer wieder entschlossen ein und rechnet sogar mit der erscheinenden Prüferin des Hotelverbandes ab (Tanja Mittermeier), die nicht locker lässt, die genauen Ausmaße des Speisesaals auf den Zentimeter penibelst zu prüfen.

Das wiederum ist für Horst Klotz (Michael König), den mürrischen, abweisen- den ‚Küchengott‘ der Pension, kein Problem: Er hat keinerlei Verhältnis zu Zahlen und gibt Längenmaße mit Gurken oder Karotten an. Und wie ein Irrwisch saust immer wieder der Jüngste der Truppe, Said Müller, der „Putzmann“ (Ali Mohammad Hussain) durch die Räume, ein regelrechter Sauberfreak, der sogar Bakterien mit seinem Allzweckreiniger bekämpft und das Maß des Speisesaals mit vierzehneinhalb Verschlusskappen seiner Reinigungsflasche angibt.

Dieses großartige Ensemble zu dirigieren und die gesamte Organisation zu leiten ist Herman Polzer unter Mithilfe von Sabine Eschner hervorragend gelungen. Noch lange standen viele Besucher an Wolfgang Weinbauers „Hausbar“ der Truppe beisammen, um über die Macken aller acht Protagonisten zu diskutieren.

Weitere Aufführungen: 14. und 20. sowie 21. November jeweils um 19 Uhr und am 22. November um 17 Uhr.ERIKA FISCHER

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