Vier WM-Titel: Papa und Trainer als Vorbilder

von Redaktion

Was der Erfolg von Waldkraiburgs Karate-Star Louisa Hapfelmeier mit Modeln zu tun hat

Waldkraiburg – Ein lauter Kampfschrei, dann volle Konzentration für die nächsten Minuten: Präzise führt Louisa Hapfelmeier jede ihrer Bewegungen aus, mal schnell und hart, dann wieder weich und fließend. Die Kata, eine genau festgelegte Serie von Techniken, führt sie perfekt aus – mit Erfolg. Bei ihrer dritten Weltmeisterschaft hat die junge Waldkraiburgerin die nächsten Titel eingesammelt: Jetzt ist sie vierfache Weltmeisterin.

Zurück in der Kampfsportschule Asia Sports ist von Wettkampf-Fieber nichts mehr zu spüren. Hier ist ihre sportliche Heimat seit knapp zehn Jahren. Mit vier Jahren machte sie ihre ersten Schritte auf der Matte, vor zwei Jahren war sie zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft am Start. Dreimal pro Woche trainiert sie für ihren sportlichen Erfolg, begleitet von ihrem Trainer Adnan Akgün und ihrem Papa Robert Hapfelmeier. Beide sieht sie als ihre Vorbilder.

In unterschiedlichen
Altersklassen am Start

„Es war schon spannend, ob es wieder gelingen würde, meine Titel zu verteidigen. Ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe“, erzählt Louisa. Selbst Druck hat sie sich nicht gemacht. „Es passiert ja nichts Schlimmes, wenn man verliert. Das motiviert mich eher.“ Dass es kein Selbstläufer ist, war allen klar. „Die Konkurrenz schläft nicht und hat nichts zu verlieren“, sagt Adnan Akgün.

Beruhigendes Element statt Druck aufbauen – so sieht Papa Robert seine wichtigste Aufgabe, wenn er Louisa bei Wettkämpfen coacht. „Sie soll einfach nur ihr Bestes geben, der Platz ist zweitrangig. Wenn sie ihr Bestes gibt, steht sie vorne“, lobt er seine Tochter.

Und Mama Alexandra ist überzeugt: „Ihr Trainer Adnan bereitet sie auf die Wettkämpfe vor, dann kann es nur gut sein.“

Mit elf Jahren startete Louisa das erste Mal bei einer Weltmeisterschaft der „World Karate and Kickboxing Union“ (WKU) und holte in Kanada ihren ersten Titel. Den hatte sie voriges Jahr auf Rhodos nicht nur verteidigt, sondern noch einen zweiten geholt.

Dieses Mal ist sie mit vier Titeln in den Kata-Kategorien „Karate traditionell“ und „Hardstyle“ in zwei unterschiedlichen Altersklassen von Trier zurückgekommen. Möglich gemacht hat das eine Genehmigung des deutschen Karate-Präsidenten und des Bundestrainers. Rund 2.400 Starter – Kinder und Erwachsene – waren in Trier dabei, im Finale trat sie gegen Sportlerinnen aus Mexiko, England, Südafrika und den USA an.

Gegner im Wettkampf, Freunde danach – die familiäre Atmosphäre bei den Turnieren weiß Louisa zu schätzen. „Man kommt miteinander ins Gespräch. Es ist cool, wie viele Leute mir nach dem Finale gratuliert haben. Viele Mädchen haben mich umarmt, und wir haben zusammen Fotos gemacht. Mit einigen von ihnen habe ich über die Turniere hinaus sogar Kontakt“, erzählt die Gymnasiastin.

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt ihr nicht: Die Ferien nutzte sie, um verpassten Schulstoff nachzuholen. Schon bald stehen die nächsten Wettkämpfe auf dem Programm – nach Chemnitz und Jesolo geht es heuer noch. Punkte sammeln, um sich für die Weltmeisterschaft 2026 in Abu Dhabi zu qualifizieren. Louisas nächstes großes Ziel. Von einem Wettkampf zum nächsten – das ist keine Selbstverständlichkeit. Karate-Athleten werden in Deutschland nicht gefördert, deshalb zahlt die Familie die Reisen zu den Wettkämpfen aus eigener Tasche. „Da steckt viel Aufwand und Zeit dahinter, alles selbst zu finanzieren“, erklären die Eltern. Sponsoren zu finden, sei nicht einfach.

Disziplin ist gefragt,
sonst geht es nicht

Umso wichtiger ist die Unterstützung in ihrem näheren Umfeld – auch in der Schule. „Louisa hat zum Glück mit Thomas Fraundorfner einen verständnisvollen Schulleiter, sodass sie für ihre Wettkämpfe freigestellt wird vom Unterricht“, sagt Robert Hapfelmeier. In einem Waldkraiburger Fitness-Studio darf sie kostenlos trainieren. Schule, Karate, dazu noch Tennis und Modeln – all das bekommt Louisa gut unter einen Hut.

Das erfordert aber Disziplin. Eine Eigenschaft, die Karate einfordert, aber auch fördert. „Faul rumliegen gibt es hier nicht“, sagt Adnan Akgün. Karate sei ein ganzheitliches Training, das Selbstbewusstsein, Konzentration, Selbstbehauptung und Koordination fördere.

Louisa macht Kata-Karate, eine festgelegte Abfolge von Angriff- und Abwehrtechniken gegen imaginäre Gegner. Dass sie in ihrer Disziplin so erfolgreich ist, schreibt ihr Trainer einer besonderen Fähigkeit zu. „Ihre Mimik. Es geht nicht allein um die Technik, sondern die Athleten sollen auch zeigen, dass sie kämpfen.“

Böse, fokussiert, interessiert soll der Blick sein. Auf diese Energie, sich im Kampf zu fühlen, kann Louisa im Wettkampf gut umschalten. Im Gespräch lächelt sie oft, ihre langen glatten Haare hat sie zu einem Zopf zusammengebunden.

Dass sie sich für Kata-Karate entschieden hat, hat für sie einen einfachen Grund: „Ich modle nebenbei noch. Da will ich keine gebrochene Nase haben.“ Papa Robert sieht auch noch andere Gründe: „Sie hat die richtige Größe, die Anmut und Bewegung. Das liegt ihr einfach.“

Zum Geburtstag
zur Weltmeisterschaft

Als Sportlerin hat Louisa mit nur 13 Jahren schon viel erreicht, bleibt aber bodenständig. „Ich möchte den Schwarzgurt machen und später vielleicht mal Trainerin werden.“ Doch vorher richtet sich ihr Blick auf die Weltmeisterschaft im Sommer, die an ihrem Geburtstag stattfindet. Der nächste Titel – quasi als Geburtstagsgeschenk?

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