Kraiburg – „Bis dorthin hätte ich auch laufen können“, schmunzelte Franziska Seutter, als sie zum Platz fürs Fotografieren geführt wurde. Denn es war wieder ein besonderer Tag, der natürlich auch bildlich festgehalten wurde: Die Jubilarin feierte ihren 103. Geburtstag und ist somit die älteste Bürgerin der Marktgemeinde Kraiburg.
Zu ihrem hohen Ehrentag gratulierte die Bürgermeisterin Petra Jackl mit einem Blumenstrauß. Pfarrer Michael Seifert hat ihr die Kommunion gespendet und überbrachte die Glückwünsche des Pfarrverbandes. Beide Gratulanten waren erstaunt über die betagte Dame, die geistig noch gut drauf und an allem interessiert ist.
„Ich frage mich selber, ob das so stimmt mit meinem Alter“, witzelte die Jubilarin, die viel Wert auf gepflegtes Erscheinen legt. Wenn man mit Franziska Seutter am Geburtstagstisch sitzt, merkt man schnell, dass sie ihren Humor nicht verloren hat. Denn immer wieder gibt sie gewitzte Anekdoten von sich und das mit klarer Sprache. Nach früheren Stürzen oder gesundheitlichen Problemen hat sie sich immer wieder „hochgerappelt“, denn Aufgeben gibt’s bei ihr nicht. Wenn auch das Gehen nicht mehr so gut funktioniert, so marschiert sie trotzdem bei passendem Wetter mit ihrem Rollator auf der großen Terrasse.
„Man kann ja nicht den ganzen Tag im Bett liegen und die Bewegung an der frischen Luft tut gut“, erklärt sie. Auf die Frage nach Franziskas Lebensrezept muss ihre Tochter Ingeborg, bei der sie seit sieben Jahren bestens umsorgt wohnt, schmunzeln. „Kein Ernährungsberater würde die Essensgewohnheiten meiner Mutter gutheißen. Denn nach wie vor mag sie gerne Wammerl, viel Butter auf dem Brot oder das tägliche Kuchenstück zum Nachmittagskaffee. Alles, was eigentlich nicht so als gesund gilt; mit viel Geschmack oder süß soll es sein“, erzählt Ingeborg Geimer. „Dazu gehört auch ein Gläschen Eierlikör als meine Medizin“, verrät lächelnd ihre Mutter.
Franziska Seutter hat einiges erlebt, seit sie am 11. November 1922 als geborene Schmidt im tschechischen Südmähren, in einem Dorf im Kreis Znaim, auf die Welt kam und mit drei Geschwistern auf dem elterlichen Hof aufgewachsen ist.
Erst einjährig verlor sie ihren Vater und wurde nach dem Krieg ausgesiedelt und in einem Viehwaggon vertrieben, ehe sie mit ihrer Familie in Memmingen ankam. 1955 schloss sie mit ihrem Hans den Ehebund; zwei Töchter vervollständigten das Familienglück. Auch Schicksalsschläge hatte Franziska zu verkraften, denn ihr Gatte Hans verstarb 2001 und ein Jahr später auch ihre jüngere Tochter, die ihr zwei Enkel geschenkt hatte. „Man darf das Leben nicht vergessen und muss es nehmen, wie es kommt. Ich kann das nicht bestimmen“, lautet ihre Lebensweisheit. bac