Waldkraiburg/Kraiburg – Wenn Facundo Barreyra über Musik spricht, klingt in jedem Satz eine tiefe Leidenschaft mit. Für den argentinischen Musiker, der seit einigen Jahren mit seiner Frau in Kraiburg lebt, ist Musik nicht nur Kunst – sie ist Begegnung, Austausch, ein Grund zusammenzukommen und für ihn ganz zentral: der Schlüssel zur Integration. In Argentinien gehörte es für ihn zum Alltag, mehrmals pro Woche öffentlich zu spielen. Hier aber fehlt ihm diese Selbstverständlichkeit. Jetzt wird er selbst aktiv.
Mit Musik
Menschen berühren
„Ich will einen Ort für Live-Musik schaffen“, sagt Facundo Barreyra. Einen Ort, an dem sich Menschen treffen, gemeinsam Musik hören, fühlen und miteinander ins Gespräch kommen können. Gerade während der Corona-Pandemie sei dieses gemeinsame Erleben verloren gegangen. Umso wichtiger ist es ihm, diesem Miteinander wieder mehr Raum zu geben. Mit seinem „Facundo Barreyra Trio“ will er genau das erreichen.
Das Konzert am 28. November im Haus der Kultur soll jedoch mehr sein als nur ein einzelner Abend. Er sieht es als Auftakt für weitere Konzerte und denkt an Jazz- und Tango-Veranstaltungen, aber auch an Jam-Sessions. Ob Werbung, Design, Arrangement oder Reservierungen – für das Konzert organisiert er alles selbst.
Von seiner argentinischen Musik spannt er den Bogen zu den heimischen Blaskapellen. „Es ist ähnlich wie argentinische Folklore. Hier kommen die Menschen zusammen, treffen sich, bevor sie die Musik genießen“, bezieht er sich beispielsweise auf Konzerte der Kraiburger Blaskapelle. Eine Atmosphäre, die er aus Argentinien kennt – und von der er sich hier mehr wünscht. In der alten Heimat habe er viel durch die Musik erlebt. „Es geht darum, das Gefühl aufzunehmen. Wenn man jemanden mit Musik berührt – genau dafür mache ich Musik.“
Wichtig ist ihm dabei nicht nur das Publikum der Erwachsenen, sondern auch der jüngeren Generation. Deshalb beginnt das Konzert schon um 19 Uhr, damit auch Kinder die Atmosphäre erleben können. „Es ist aber kein Kinder-Konzert. Sie sollen die Emotionen fühlen und teilen können – genau wie die Erwachsenen“, sagt er. So hat er es selbst als Kind in Argentinien erlebt. Und vielleicht, sagt er, gebe es sogar einen Nebeneffekt: „Hieraus könnte die Motivation entstehen, ein Instrument lernen zu wollen.“ Er selbst begann mit vier Jahren mit Percussion, später folgten Bombo Legüero, Schlagzeug und das Bandoneon – die Stimme des Tangos.
Seit 2017 lebt Facundo Barreyra mit seiner Frau, der Fotografin Lisa Franz, in Kraiburg. Er unterrichtet Bandoneon und Schlagzeug an der Musikschule Mühldorf und ist Dozent der Musiksommerakademie Mühldorf, gibt regelmäßig Konzerte. „In Argentinien habe ich fünfmal pro Woche gespielt, hier sind es vielleicht zwei bis drei Auftritte im Monat. Das ist viel zu wenig – gerade Schüler benötigen die Motivation, vor Publikum zu spielen“, sagt er. Daher brauche es mehrere Orte für Musik – einen solchen möchte er mit seinem Konzert schaffen. Die Besucher erwartet ein Abend mit Kompositionen von Facundo Barreyra, in denen sich Jazz-Elemente mit argentinischer Folklore, Tango, Kammermusik und Improvisation vermischen. „Es ist mehr als Jazz-Musik.“
„Es gibt so wenig
Jazz in der Region“
Als Musiker und Lehrer bedauert er es, dass es in der Region „so wenig Jazz gibt“. Mit Ruhe und Dynamik will er sich in die Stille der Menschen hineinspielen. „Das passiert, wenn Musik einen direkt im Herzen erreicht.“ Auf der Bühne stehen neben ihm zwei bayerische Musiker. Für Barreyra ist das ein Sinnbild dafür, dass Musik eine „Sprache der Integration“ ist. Sie kann Brücken schlagen, wo Worte manchmal fehlen, findet er. „In der Musik kommen unterschiedliche Religionen und Kulturen zusammen. Ich habe selbst schon mit Musikern gespielt, ohne die gleiche Sprache zu sprechen.“