Mühldorf/Waldkraiburg – Während alle Parteien und Wählervereinigungen derzeit geräuschlos und betont harmonisch ihre Listen für die Kommunalwahlen am 8. März 2026 aufstellen, spielt sich im Mühldorfer Kreisverband der AfD ein Machtkampf ab. Im Zentrum stehen dabei – wieder einmal – der Kreisvorsitzende Oliver Multusch sowie der Ortsverband Waldkraiburg um Andreas Wahrlich.
Sichtbarer Ausdruck war die Nominierungsveranstaltung des Kreisverbandes. Obwohl Multusch im Juli vom Kreisvorstand einstimmig als Landratskandidat vorgeschlagen worden war, musste er sich jetzt einer Kampfkandidatur stellen. Heinrich Weilnhammer aus Neumarkt-St.Veit hatte ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen. Mit 28 zu 21 Stimmen, also mit 57 Prozent, setzte sich Multusch durch und ist damit offizieller Landratskandidat seiner Partei.
Das ist der jüngste Ausdruck eines Machtkampfes, der im Kreisverband seit Juli offen geführt wird.
Reibungsverluste
nach zehn Jahren
In den zehn Jahren, in denen er an der Spitze des Kreisverbandes stehe, habe es wohl „Reibungsverluste“ gegeben, meint Multusch, hätten sich einige „nicht mitgenommen gefühlt“. Im Vorstand sei immer schon „kontrovers“ diskutiert worden, „aber irgendwann war es nicht mehr zu kitten“. Daher habe er im Juli sein Amt zur Verfügung gestellt, kurz nachdem ihn der Vorstand noch einstimmig als Landratskandidat vorgeschlagen hatte.
Im September wurde der Kreisvorstand dann neu gewählt. Multusch kandidierte als Kreisvorsitzender, Wahrlich ebenso. 58 Prozent der Mitglieder votierten für Multusch; dafür sind die Waldkraiburger Stadträtin, Ortsvorsitzende und Kreisrätin Tatjana Zapp sowie Wahrlich nicht mehr in den Kreisvorstand.
Wenige Wochen später brach der Konflikt bei der Nominierung des Landratskandidaten erneut auf, hatte Multusch erneut einen Gegenkandidaten: Er sei davon nicht überrascht gewesen, sagt Multusch, „eher vom Kandidaten“; er habe eher mit Wahrlich gerechnet. Multusch führt die Friktionen auf „unterschiedliche persönliche Ziele und Ambitionen“ zurück. Die hätten zu Unzufriedenheiten geführt, die „vom Waldkraiburger Ortsverband kanalisiert“ würden. Das sei jetzt geklärt: „Es war ein reinigendes Gewitter, das ab und an mal sein muss.“
Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen stellt sich Wahrlich hinter Multusch: „In demokratischen Parteien ist es normal, dass es Gegenkandidaten gibt.“ Multusch sei „unser Kandidat“, der werde unterstützt.
Darauf baut auch Multusch, der Widerstand sei letztlich nur von „sehr wenigen Leuten“ gekommen, so seine Interpretation. „Wenn jetzt ein paar rausbrechen, ist das kein Problem.“ Es gebe zudem viel Unterstützung von außerhalb der Partei; er rechne trotzdem mit einem „sehr geschlossenen Wahlkampf“. So seien auf der Liste für den Kreistag Kandidaten aus dem ganzen Landkreis. Die Waldkraiburger Kreisrätin Zapp und Wahrlich aber nicht.
Auch bei der Nominierung der Waldkraiburger Stadtratskandidaten am vergangenen Sonntag war es deutlich zu sehen und zu spüren: Zwischen dem Waldkraiburger Ortsverein und Multusch gibt es nach wie vor deutliche Spannungen. Über vier Stunden brauchten die Mitglieder, um ihre 17 Kandidaten zu listen. Vier Stunden, in denen sich Multusch und seine Waldkraiburger Widersacher, zu denen nach wie vor Wahrlich gehört, weitgehend aus dem Weg gingen.
Die spannendste Frage wurde sehr schnell beantwortet: Stellt die Partei in ihrer landkreisweiten Hochburg einen Bürgermeisterkandidaten? Die Antwort lautet Nein. Wahrlich hatte das für sich zuvor schon ausgeschlossen; auch Dieter Kuhn wollte nicht antreten. „Die einzigen zwei, die in Frage kämen, lassen sich nicht aufstellen“, sagte Stadträtin Zapp.
Und so konzentriert sich die Partei auf den Stadtrat. „Wir wollen die größte Fraktion mit einem enormen Gestaltungswillen werden“, sagte Wahrlich, der aus Waldkraiburg stammt, hier einen Zweitwohnsitz und ein Büro seiner Steuerkanzlei hat und deshalb kandidiert. Derzeit hat die AfD drei Stadträte; größte Fraktion ist die UWG mit zehn Stadträten und Bürgermeister Robert Pötzsch.
Aufstellen der Liste
gestaltet sich zäh
Die ersten vier Plätze gingen sehr schnell und in einem Rutsch. An der Spitze der Liste steht Wahrlich, der wohl in Waldkraiburg inzwischen eine zentrale Rolle spielt. Es folgen Dieter Kuhn, Stadträtin Zapp und Andreas Vogl. Für Zapp war ihre erneute Kandidatur „selbstverständlich“.
Danach gestaltete es sich sehr zäh. In der Folge gab es zu den Vorschlägen des Waldkraiburger Ortsvereins immer wieder Gegenkandidaten, mussten die Mitglieder immer wieder über die Kandidaten einzeln abstimmen. Um 17.07 Uhr war damit Schluss. Der letzte Gegenkandidat zog zurück. Stadtrat Ferdinand Kliem ließ sich auf den letzten Platz setzen und so konnten die Plätze elf bis 17 einvernehmlich gereiht und im Block abgestimmt werden.
In den Wochen zuvor hatte der Mühldorfer Ortsverband bereits seine Kandidaten für den Stadtrat Mühldorf nominiert. Auch hier verzichtet die AfD auf einen Bürgermeisterkandidaten und konzentriert sich auf die Stadträte. „Wir wollen uns verdoppeln“, gibt Multusch aus. Bisher ist die Partei mit zwei Stadträten im dortigen Kommunalparlament vertreten.