Von Bekokten bis Neumarkt-St. Veit

von Redaktion

Martin Schuller feiert seinen 90. Geburtstag im Seniorenstift – Gratulation vom Bürgermeister

Neumarkt-St. Veit– Gleich zwei Bürgermeister gratulierten „ihrem Neunzigjährigen“ mit je einem Geschenkkorb zum hohen Jubiläum. Das passierte, weil Martin Schuller von Erharting in das Seniorenstift St. Veit in Neumarkt-St. Veit umgezogen war.

Erhartings Bürgermeister Matthias Huber suchte den Jubilar im Haus von dessen Tochter in Erharting. Als er da von dem Umzug erfuhr, wollte er die Glückwünsche doch noch überbringen und fuhr nach Neumarkt. Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner gratulierte seinem Neubürger im Stift ebenfalls zum Jubiläum. Das Geburtstagskind fand beides gut.

Martin Schuller wurde am 12. November 1935 als Sohn der Schmiedefamilie Schuller in Bekokten in Siebenbürgen (heute Rumänien) geboren. Die Mutter betrieb dazu eine Landwirtschaft. Ihr hat Martin wohl viel geholfen und dabei seine Liebe für Gartenbau entdeckt. Um 1200 herum, meint Martin Schuller, wanderten seine Vorfahren vom Rheinland nach Siebenbürgen aus. Martin besuchte dort ab 1942 die deutsche Schule.

Schreckliche Erinnerungen hat er daran, als kurz vor Kriegsende russische Soldaten durch seine Ortschaft rasten. Von den Wirren und Schrecken der Nachkriegszeit erzählt er nur, dass viele Familien verschleppt wurden, und dass Stalin diese zum Beispiel in der Ukraine arbeiten ließ, bis sie verhungerten.

Martin Schuller konnte die Schule beenden und eine Schlosserlehre abschließen. Er arbeitete in staatlichen Betrieben und besuchte schließlich drei Jahre eine Meisterschule. Inzwischen hatte er Anna kennengelernt, die er 1962 als Schlossermeister heiratete. In den folgenden zwei Jahren kamen nacheinander die Töchter zur Welt.

1975, Schuller arbeitete immer noch für den Staat, erhielt er die Erlaubnis, Verwandte in Ulm zu besuchen. Hier fand er Arbeit bei Magirus Deutz, und zwei Jahre später kam Ehefrau Anna mit den beiden Töchtern nach. Die Familie Schuller arbeitete und arbeitete in Schwaben, bis sie 1981 ein Haus bauen konnte, das rundherum einen großen Garten hatte. Schuller weiß heute noch, wie viele Äpfel, Birnen oder Pflaumenbäume er hatte. Gemüse, Salate und was der Boden hergab, baute die Familie an. Die Mädchen besuchten die höheren Schulen und ergriffen wichtige Berufe.

Traurig war er, als sein Arbeitgeber ihn in den 90er- Jahren in Rente schickte. Mit der Familie unternahm er manchmal Reisen in die Dominikanische Republik. Davon hängen Bilder jetzt in seinem Zimmer im Stift. Auch Fotos seines Geburtsortes hängen an den Wänden und Familienbilder. Er hat es sich wohnlich eingerichtet und freut sich, weil das Personal so freundlich und zuvorkommend ist.

Seine Frau verstarb vor zwölf Jahren, 2023 zog er zur Tochter nach Erharting. Jetzt freut er sich in seinem Zimmer im Stift, aber die fünf Werktage jede Woche verbringt er in Einrichtungen der Stiftung in Erharting.

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