Neumarkt-St. Veit – Regisseurin Maria Haupt bringt dieses Jahr mit ihrer Theatergruppe des Taubenbergler Stammes in starker Anlehnung an Lohmeiers „Königlich-bayerisches Amtsgericht“ drei Beispiele dafür, dass es in der „guadn, alten Zeit“ unter Prinzregent Luitpold durchaus auch ungemütliche Vorkommnisse gab. Weniger unter den Honoratioren. Hier ging es um Streitereien im einfachen Volk, weshalb es im königlich-bayerischen Amtsgericht zu turbulenten Verhandlungen kam.
Darsteller wuchsen
über sich hinaus
Diese Atmosphäre zauberten die Akteure in drei Akten auf die Bühne. Zur Premiere wirkten die Laienspieler schon wie Profis. Dabei wurden die meist komischen Szenen, wie in den früheren Fernsehsendungen, von einer Sprecherin erklärt, untermalt oder auch nach vorn getrieben, was wohl den jüngeren Besuchern sehr entgegenkam. Die Darstellerinnen der streiterprobten Bäuerinnen, Pfarrköchinnen, Marksteinrucker und Kupplerinnen wuchsen über sich hinaus. Sogar Staatsanwältinnen wurden dargestellt. Renate Geltinger, Theresa Burgstaller und Gabi Deinböck erhielten für ihre flinken Verwandlungen verdienten Szenenapplaus. Jede Dame stellte mehrere Rollen perfekt auf die Bretter. Ehe der Richter, Hans Senftl, überhaupt eine Anklage formulieren konnte, belehrten ihn wortreich und stimmgewaltig die unschuldigen Opfer, weil schuld waren ja immer die anderen. Kam wirklich mal ein Anklagepunkt zur Sprache, dann erklärten die Delinquenten alles, wirklich alles, was nicht der Aufklärung diente. Und Zeugen wie der Bürgermeister Kottmeier (Markus Buchner) brachten mit ihren Erklärungen das Gericht zur Verzweiflung. Klare Tatsachen waren plötzlich nicht erinnerlich – und schuld waren ja eh die anderen. Manche persönliche Handlung wird sogar mit zölibatärem Verhalten erklärt.
Mit Freibier wurde die
Verurteilung verhindert
Eine für Bayern ungehörige Bierpreiserhöhung führte seinerzeit zu einer Revolution. Die „Gräueltaten“ des stellvertretenden Feuerwehrkommandanten (Xaver Obermeier) lösten beim heimatliebenden Richter den Wunsch nach Ortsveränderung aus.
Alle Übeltaten wurden jedoch überzeugend abgestritten – als nicht erinnerlich, aber doch mit sehr ausführlichen Erklärungen. Und schuld waren doch die Städter. Und der Einfluss der Honoratioren fehlte auch diesmal nicht: Die unvermeidliche Verurteilung wurde doch verhindert. Frau Ökonomierat weckte im Gericht Schuldgefühle, versprach Freibier und löste damit wieder die guade, alte Zeit aus, in der der königliche Richter eh keinen auf die Guillotine geschickt hätte.
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Weitere Aufführungen folgen am Samstag und Sonntag, 22. und 23. November, im Landgasthaus Zens in Hofthambach.