Neue Hirschbachbrücke ist fertig

von Redaktion

Freigabe nach 13 Monaten Bauzeit: Landrat Heimerl ist stolz, Anwohner fürchten trotzdem Hochwasser

Polling – Für die Pollinger ist mit der Freigabe der neuen Hirschbachbrücke eine lange Wartezeit zu Ende gegangen. Knapp 13 Monate, also über ein Jahr, war die Durchfahrt durch den Ort auf der Kreisstraße MÜ11 nicht möglich: Die Brücke wurde erneuert.

Mit Gesamtkosten von 1,7 Millionen Euro zählt der Ersatzneubau der Hirschbachbrücke im Dorfzentrum von Polling zu den größeren Straßen- und Brückenbauprojekten des Landkreises, die in den vergangenen fünf Jahren realisiert wurden.

Bei der offiziellen Einweihung sprach Landrat Max Heimerl von einem „Neubau, der nicht nur für unsere Region ein bedeutendes Infrastrukturprojekt ist, sondern auch ein Symbol für Fortschritt, Sicherheit und gute Zusammenarbeit“. Die neue Brücke wurde nach Landkreisangaben mit 645.000 Euro durch den Freistaat Bayern gefördert.

Erneuerung der Brücke
war dringend notwendig

Dass diese Erneuerung dringend notwendig war, unterstrich Heimerl bei der Einweihung. Das bestehende Bauwerk habe erhebliche Schäden gehabt, eine umfassende Sanierung sei erforderlich gewesen. Die erneuerte Brücke erfülle alle Anforderungen an Zweckmäßigkeit, Robustheit und Dauerhaftigkeit. Durch eine optimierte Bauweise, die enge Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und die Sicherstellung des Hochwasserabflusses bei einem hundertjährigen Hochwasser (HQ 100) sei ein zukunftsfähiges, sicheres und funktionales Bauwerk entstanden.

Heimerl dankte allen beteiligten Firmen und Planungsbüros, seinen Mitarbeitern im Landratsamt und vor allem den Anwohnern für „ihre Geduld, das Verständnis und die große Rücksichtnahme in dieser intensiven Bauzeit“. Heimerl: „Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses Projekt reibungslos umgesetzt werden konnte.“

Für die Gemeinde Polling schloss sich der Zweite Bürgermeister, Andreas Maierhofer, diesem Dank an und verwies auf die größte Sorge der Anwohner hinsichtlich der Hochwassergefahr. Hier habe Robert Martinez als Ansprechpartner im Landratsamt stets ein offenes Ohr für die Bedenken gehabt: „Diese Gespräche haben uns schon weitergebracht“, meinte Maierhofer, der auch betonte, dass diese Baumaßnahme sicherlich kein Spaziergang für die beteiligten Baufirmen gewesen sei.

Den kirchlichen Segen für die neue Hirschbachbrücke erteilte Pfarrer Michael Seifert. Er sagte, es passe ganz gut für ihn, schließlich sei ja sein oberster Chef der „Pontifex Maximus“, was so viel wie der „oberste Brückenbauer“ bedeute.

Seifert verwies darauf, dass die Menschen nicht nur für den Verkehr Brücken bauen sollten, sondern auch der „Bau“ von Brücken untereinander wichtig sei.

Im Anschluss durchschnitten Landrat Max Heimerl und Pfarrer Seifert gemeinsam mit den Vertretern aus Politik und Wirtschaft das symbolische Band zur endgültigen Freigabe der neuen Hirschbachbrücke.

Trotz aller Erklärungen haben Anwohner, die namentlich nicht genannt werden wollen, aber der Redaktion bekannt sind, weiterhin Sorgen bezüglich der Hochwassergefahr. Zu frisch sind die Erinnerungen an das Hochwasser im Jahr 1991, bei dem unter anderem das Haus der Familie Ortbauer in der Hirschbachstraße und der heutige Getränkemarkt am Dorfplatz aufgrund des Rückstaus unter Wasser standen. Weitere Hochwasser gab es auch schon in früheren Jahren, beispielsweise 1954.

Anwohner bleiben
weiterhin besorgt

Die Anwohner verstehen nicht, dass der Durchlass an der neuen Brücke gegenüber dem bisherigen deutlich schmäler wurde. Die Begründung, der im Jahr 2005 vom Wasserwirtschaftsamt errechnete Durchflusswert von 25 Kubikmetern pro Sekunde sei veraltet und betrage nur noch etwa die Hälfte, erscheint ihnen aufgrund der stetig zunehmenden Starkregenereignisse fraglich. Weitere Sorgen betreffen die Aktivität des Bibers, der im Hirschbachtal auf Höhe Bergham immer wieder Dämme baue, bei deren Bruch große Mengen an Treibgut auf das Dorf zukommen könnten. Die Anwohner fürchten, dass das Treibgut den Durchfluss jetzt noch schneller verstopfen könnte. Auch sind nach ihrer Ansicht die neuen Gullyroste zu klein dimensioniert und könnten daher schnell verstopfen.

Landratsamt weist
die Bedenken zurück

Auf Nachfrage bestätigt das Landratsamt, dass der Durchlass verschmälert wurde. „Gleichzeitig wurde jedoch die lichte Höhe durch ein zusätzliches Gerinne in der Sohle erhöht“, schreibt Pressesprecher Wolfgang Haserer. „Das Sohlgefälle, das entscheidend für die Leistungsfähigkeit ist, wurde von rund 0,5 Prozent auf 1,3 Prozent angehoben“, da eine Sohlschwelle im Unterlauf entfernt worden sei. „Damit ist die Kapazität der Brücke auf ein 100-jährliches Ereignis (HQ100) ausgelegt.“

Bezüglich einer Verstopfung durch angeschwemmtes Material – Fachleute nennen das Verklausung – schreibt Haserer: „Durchlässe mit einer lichten Weite von drei Metern und mehr gelten im Allgemeinen als weniger anfällig für eine Verstopfung“, wenn die Höhe mindestens 1,50 Meter betrage.

„Vor der Sanierung hatte der Durchlass jedoch nur eine Höhe von 1,45 Metern.“ Jetzt betrage die lichte Höhe des Durchlasses 1,80 Meter. Damit sei „die Wahrscheinlichkeit einer Verklausung im Vergleich zum Zustand vor der Sanierung zumindest gleich geblieben. Es ist sogar zu erwarten, dass die Erhöhung die Situation in solchen Fällen leicht verbessert.“

Auch die Bedenken der Anwohner hinsichtlich der neuen Gullyroste teilt das Landratsamt nicht. Haserer: „Im Zuge der Maßnahme wurden fünf Bestands-Straßenabläufe durch elf neue ersetzt – das minimiert das Risiko einer totalen Verstopfung aller Straßenabläufe erheblich. Zudem wurde der gesamte Einlaufquerschnitt aller Abläufe durch die Mengenmehrung sogar um circa 30 Prozent im Vergleich zu vorher erhöht.“

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