Von Weißbier bis Olympia

von Redaktion

21 Jahre Städtepartnerschaft – Brückenbauer Günther Knoblauch wird Ehrenbürger von Iraklio

Iraklio/Mühldorf – Mühldorfs Ehrenbürger, Altbürgermeister Günther Knoblauch, hat Post aus Griechenland bekommen. Genauer gesagt aus Mühldorfs Partnerstadt Iraklio. Absender ist der dortige Bürgermeister Nikos Babalos. 

Der Inhalt des Briefes war ebenso überraschend wie erfreulich: Die Stadt Iraklio hat Knoblauch die Ehrenbürgerwürde verliehen. Babalos würdigte in seinem Schreiben die großen Verdienste von Knoblauch um die Städtepartnerschaft zwischen Iraklio und Mühldorf: „Sie haben mit großem Einsatz und Engagement viel für die Verständigung zwischen unseren Städten und Völker geleistet.“

Am Anfang stand das
Mühldorfer Weißbier

Die Städtepartnerschaft zwischen Mühldorf und Iraklio besteht seit 2004. Auslöser war ein Telefonanruf des Bayerischen Rundfunks beim damaligen Mühldorfer Bürgermeister Günther Knoblauch. Er wurde darin gebeten, an einem Tag im Frühsommer um 7.30 Uhr nach München zu kommen, erinnert sich Knoblauch. „Eine Musikgruppe wollte Grüße aus der angeblichen Heimatstadt von Johannes Fuchs nach Iraklio überbringen.“ 

Also schnappte sich Knoblauch ein Mühldorfer „Wahrzeichen“, eine DreiLiter-Flasche Mühldorfer Weißbier, und fuhr damit zum Königsplatz in München. Die Musikgruppe nahm die Flasche mit nach Iraklio und überreichte sich dem damaligen Bürgermeister Georgos Mastrakos. 

Knoblauch war damals im Vorstand des Bayerischen Städtetages und erfuhr, dass die Verantwortlichen in Iraklio eine Partnerschaft mit einer bayerischen Stadt eingehen wollten. Also trieb er die Partnerschaft mit Mühldorf voran – schließlich gibt es enge Verbindungen zwischen Mühldorf und der selbstständigen Gemeinde aus der Stadtregion Athen.  

Mit Mühldorf ist Iraklio seit dem 19. Jahrhundert verbunden. Zwischen 1821 und 1829 erkämpften sich die Griechen ihre Unabhängigkeit von der Herrschaft der Osmanen. Nach der Kapitulation des Sultans wurde im Londoner Protokoll am 3. Februar 1830 ein unabhängiges griechisches Königreich beschlossen. Die Königswürde wurde dem Wittelsbacher Prinz Otto von Bayern, dem Bruder von Ludwig II. angeboten. Ab 1833 saß er als Otto I. auf dem griechischen Thron und erklärte 1834 Athen zur Hauptstadt.

Viele der damaligen Soldaten, Handwerker und Techniker ließen sich in dem nahen Iraklio nieder – unter ihnen auch einige Mühldorfer. In Mühldorf heirateten damals an einem Tag allein 19 Paare, um als Soldaten mit Frau nach Griechenland ziehen zu können.

Unter den Bayern, die nach Griechenland zogen, war auch Johannes Fuchs, dem eine Verbindung nach Mühldorf nachgesagt wurde, 1833 nach Iraklio kam und dort die Brauerei „Fix“ gegründet hatte, die es heute noch gibt und inzwischen zu Löwenbräu gehört.  Die „Villa Fix“ ist noch heute ein großes Areal mitten in Iraklio. 

Noch heute leben eine Reihe von Nachfahren der Bayern in Iraklio und sind stolz ihren bayerischen Namen wie Wagner oder Kirmeier in Iraklio zu tragen. Es wurde dort auch die erste katholische Pfarrei „St. Lukas“ gegründet, vor deren Eingang ein Denkmal von König Otto an die Gründung erinnert.

Knoblauch trieb die Partnerschaft zwischen Iraklio und Mühldorf voran. Am 19. August 2004 wurde die Partnerschaftsurkunde im Rathaus von Iraklio unterzeichnet – während der Olympischen Spiele in Athen und angrenzend an das damalige Olympiagelände.

Ein Dank für
Knoblauchs Einsatz

Jetzt – 21 Jahre später – bedanken sich die griechischen Freunde mit der Ehrenbürgerwürde bei dem Motor der Partnerschaft. „Diese Auszeichnung hat mich sehr überrascht“, erklärte Knoblauch gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Es freut mich sehr, dass meine Arbeit für diese Städtepartnerschaft zwischen Mühldorf und Iraklio so gewürdigt wird. Diese Partnerschaft wurde und wird auch von den Schulen in beiden Städten gelebt und ist damit ein lebendiger Beweis für ein geeintes Europa und eine Stärkung der Demokratie.“ Er habe sich für diese besondere Auszeichnung bereits ganz herzlich bei Bürgermeister Nikos Babalos bedankt, fährt Knoblauch fort: „Leider kann ich aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht nach Athen fliegen. Wir werden sehen, wie wir die Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Iraklio durchführen können.“

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